Dr. Nikolas Stihl, Aufsichtsratsvorsitzender des Motorsägenherstellers Stihl, wirbt in einem Gastbeitrag für die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Als Beleg nennt er 15 Prozent weniger Industrieproduktion in acht Jahren und rund 15.000 verlorene Industriejobs pro Monat. Für den Mittelstand liegt der wirksamere Hebel jedoch nicht bei den Wochenstunden, sondern in der eigenen Fertigung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich steht seit dem 6. September wieder auf der Agenda, seit Stihl-Aufsichtsratschef Nikolas Stihl seinen Gastbeitrag veröffentlicht hat.[1] Gut einen Monat vor der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie verschärft der schwäbische Gerätehersteller so die Debatte um den Industriestandort. Die Forderung trifft einen Nerv, greift beim Kernproblem aber zu kurz.
Das Wichtigste in Kürze
- Nikolas Stihl fordert 40 Wochenstunden ohne Lohnausgleich, Sozialabgaben von höchstens 40 Prozent des Bruttolohns und eine längere Lebensarbeitszeit.
- Als Beleg nennt er 15 Prozent weniger Industrieproduktion in acht Jahren und rund 15.000 verlorene Industriejobs pro Monat.
- Die IG Metall lehnt die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche vor der Tarifrunde im Oktober 2026 ab.
- Den Produktivitätsvorsprung, den Stihl selbst einfordert, liefern Automatisierung und KI, nicht zusätzliche Stunden.
Was fordert Stihls Aufsichtsratschef konkret?

Nikolas Stihl plädiert in seinem Euronews-Gastbeitrag „für die Anhebung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden“, und zwar ohne Lohnausgleich.[1] Hinzu kommen weitere Punkte: Die Sozialabgaben sollen 40 Prozent des Bruttolohns nicht überschreiten, die Lebensarbeitszeit soll steigen, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall soll erst ab dem zweiten Tag greifen. Den Fachkräftemangel will der Aufsichtsratschef mit mehr qualifizierter Zuwanderung und weniger Bürokratie mildern. Zur Einordnung: Stihl beschäftigt weltweit 20.246 Menschen und setzte 2025 rund 5,48 Mrd. Euro um.
Warum reihen sich immer mehr Konzerne in die Forderung ein?
Stihl steht mit dem Vorstoß nicht allein, die Debatte um den Standort Deutschland läuft seit Monaten. Mercedes-Benz verlangte zuletzt längere Arbeitszeiten und drohte im Streit um die Lohnkosten sogar mit einer Werksschließung. Volkswagen strich Tausende Stellen, SAP verordnete sich einen Sparkurs. Die Häufung kurz vor der Tarifrunde kommt nicht von ungefähr: Die Arbeitgeber erhöhen den Druck, bevor im Oktober 2026 in der Metall- und Elektroindustrie verhandelt wird. Die IG Metall lehnt eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche strikt ab und hat gegen ähnliche Vorstöße bereits protestiert.
Die 40-Stunden-Woche ist eine Debatte von gestern. Den Rückstand von 15 Prozent Produktion holt kein Betrieb über die Uhr auf, sondern über Roboter, Software und KI.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wo liegt für den Mittelstand der bessere Hebel?
Für einen einzelnen Betrieb ist die Wochenarbeitszeit tariflich gebunden und politisch umkämpft, also kein kurzfristiger Hebel. Steuerbar ist dagegen die Produktivität. Genau darauf zielt selbst Stihl, der im gleichen Gastbeitrag mehr Förderung für KI, Robotik und Automatisierung fordert.[1] Ein Bearbeitungszentrum, das rund um die Uhr fräst, oder eine Software, die Angebot und Dokumentation automatisiert, hebt den Ausstoß je Stunde, ohne dass jemand länger am Band steht. Kärcher zeigt, wie ein Mittelständler seine IT-Kosten neu ordnet; im Maschinenbau schließt ein modernes ERP-System die Lücke zwischen Auftrag und Fertigung. Der Streit um die Stunde verdeckt die Rechnung, die am Ende zählt: Ausstoß je Kopf, nicht Zeit am Werktor.
Quelle
[1] Euronews: „Reformen: Boss von Motorsägen-Stihl fordert mehr Arbeit ohne Lohnausgleich“ (Gastbeitrag von Nikolas Stihl)
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