Stihl entwickelt seine Mähroboter künftig in China, nicht mehr in Waiblingen. Am Entwicklungszentrum in Waiblingen-Neustadt fallen dafür rund 100 Stellen weg. Damit verliert der Industriestandort ein komplettes Entwicklungsfeld.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Der Mähroboter iMow von Stihl entsteht künftig in China. Der Motorgerätehersteller aus Waiblingen verlagert damit ein komplettes Innovationsfeld ins Ausland, von der Entwicklung bis zur Fertigung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Stihl verlagert Entwicklung und Produktion der iMow-Mähroboter nach China und gibt das Robotik-Geschäft in Deutschland und Österreich auf.
  • Am Entwicklungszentrum in Waiblingen-Neustadt fallen rund 100 Stellen weg, überwiegend in der Forschung.
  • In der Saison 2026 kommt kein neues iMow-Modell; die bestehende Reihe bleibt im Handel und im Service.
  • Chinesische Anbieter wie Segway Navimow und Mammotion haben den Markt für Rasenroboter weitgehend übernommen.

Warum zieht Stihl die Mähroboter-Entwicklung nach China?

Mähroboter auf Metallkoffer mit Umzugsanhänger nach China 2026
Stihl verlagert Robotik-Geschäft mit iMow-Mährobotern von Deutschland und Österreich nach China, um schneller zu innovieren

Stihl, 1926 gegründet und bis heute in Familienbesitz, gibt sein Robotik-Geschäft in Deutschland und Österreich auf und baut Entwicklung wie Produktion der iMow-Mähroboter in China neu auf. Der Vorstand begründet den Schritt mit dem Innovationstempo vor Ort. „China bietet für die Neuausrichtung ideale Voraussetzungen: hohe Innovationsgeschwindigkeit, digitale Kompetenz und ein Netz hochspezialisierter Zulieferer in Robotik, KI und Software“, heißt es in der Mitteilung des Konzerns.[1] Vorstandschef Michael Traub nennt das offen „eine schwierige Entscheidung“.

Der eigentliche Grund liegt in der Technik. Moderne Geräte finden ihren Weg per GPS, RTK-Signal und Kamera über den Rasen, das Begrenzungskabel entfällt. Genau diese Navigationsgeneration beherrschen chinesische Anbieter, die den Robotikmarkt zunehmend prägen.

Wie hat China den Mähroboter-Markt übernommen?

Der Umbruch lässt sich an einem Händler ablesen. Beim Schweizer Onlinehändler Galaxus stammten 2022 noch vier von fünf verkauften Mährobotern von Husqvarna oder Gardena, den europäischen Platzhirschen.[2] Heute führen Segway Navimow, Mammotion, Dreame und Ecovacs die Verkaufslisten an.

Der Mechanismus gleicht dem im Automarkt. So wie BYD und MG mit günstiger, ausgereifter Technik die etablierten Hersteller unter Druck setzen, drehen die chinesischen Robotikfirmen den Gartenmarkt. Ihr Vorsprung liegt in der kabellosen Navigation und in kurzen Produktzyklen. Stihl reiht sich damit in ein Muster ein, das Dr. Web schon bei den OP-Robotern aus Tuttlingen und bei der Roboterfertigung in China beschrieben hat.

Nicht die Fertigung geht zuerst, sondern die Entwicklung. Sobald ein deutscher Marktführer seine Forschung nach China verlagert, verliert der Standort mehr als 100 Stellen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Stihl gibt die Mährobotik ab

Ein deutscher Marktführer verlegt Entwicklung und Fertigung der iMow-Roboter nach China.

100
Stellen fallen am Entwicklungszentrum Waiblingen-Neustadt weg
5,48 Mrd.
Konzernumsatz 2025, weltweit 20.246 Beschäftigte
0
neue iMow-Modelle in der Saison 2026
80 %
der Galaxus-Mähroboter kamen 2022 von Husqvarna oder Gardena, heute führen China-Marken

Der Technikwechsel, der den Markt gedreht hat

Bisher

Begrenzungskabel im Rasen, europäische Marken wie Husqvarna, Gardena und Stihl vorn.

Heute

Navigation per GPS, RTK und Kamera ohne Kabel, China-Marken Segway Navimow, Mammotion, Dreame und Ecovacs vorn.

Was bedeutet der Rückzug für den Standort Deutschland?

Der Verlust wiegt schwerer als 100 Arbeitsplätze. Stihl gibt kein Randgeschäft ab, sondern verlegt die Forschung an einem kompletten Produktfeld ins Ausland und rührt damit an den Kern der Standortdebatte. Bereits zuvor hatte der Konzern 500 Stellen gestrichen und offen mit einer Verlagerung von Fertigung ins Ausland gedroht, sollten Energiekosten und Bürokratie in Deutschland nicht sinken.

Für Entscheider im Mittelstand steckt darin eine Warnung. Prüfen Sie, an welchen Produktlinien Ihr Vorsprung an schnellen Innovationszyklen hängt, und beobachten Sie chinesische Wettbewerber, bevor der Preis zum einzigen Hebel wird. Halten Sie kritisches Entwicklungs-Know-how gerne im eigenen Haus. Aus einer günstigeren Entwicklungsregion kehrt solches Wissen selten zurück. Die bestehenden iMow-Modelle hält Stihl vorerst im Service.

Häufige Fragen zum Mähroboter-Rückzug von Stihl

Warum verlagert Stihl die Mähroboter nach China?

Stihl richtet sein Robotik-Geschäft neu aus und baut Entwicklung und Produktion der iMow-Roboter in China auf. Der Konzern begründet den Schritt mit hoher Innovationsgeschwindigkeit, digitaler Kompetenz und einem dichten Netz spezialisierter Zulieferer für Robotik, KI und Software. Den technischen Hintergrund bildet der Wechsel von kabelgebundenen zu kabellosen Mährobotern mit GPS-, RTK- und Kameranavigation, den chinesische Anbieter anführen.

Wie viele Stellen fallen bei Stihl weg?

Am Entwicklungszentrum in Waiblingen-Neustadt fallen rund 100 Stellen weg, überwiegend in der Forschung. Stihl beschäftigt weltweit 20.246 Menschen und setzte 2025 rund 5,48 Milliarden Euro um. Der Konzern verhandelt mit den Betriebsräten in Waiblingen und an weiteren betroffenen Standorten über die Umsetzung.

Gibt es 2026 noch neue iMow-Mähroboter?

In der Saison 2026 bringt Stihl kein neues iMow-Modell auf den Markt. Die bestehende Produktreihe bleibt im Handel verfügbar und wird weiter mit Service und Ersatzteilen unterstützt. Die nächste Generation soll aus dem neuen Entwicklungsstandort in China kommen.

Welche Hersteller dominieren den Mähroboter-Markt?

Chinesische Anbieter wie Segway Navimow, Mammotion, Dreame und Ecovacs führen den Markt für Rasenroboter an. Beim Schweizer Händler Galaxus stammten 2022 noch vier von fünf verkauften Geräten von Husqvarna oder Gardena, inzwischen liegen die China-Marken vorn. Ihr Vorsprung beruht auf kabelloser Navigation und kurzen Produktzyklen.

Quellen

[1] Stihl: „STIHL richtet Geschäftsfeld Robotik neu aus“

[2] Galaxus: „China pflügt den Mähroboter-Markt um“ (Verkaufsdaten)

Mehr Newshunger?

4,4 23 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?