In Graz montiert der chinesische Autobauer GAC seit November 2025 Elektroautos. Der EU-Ausgleichszoll auf Importe aus China greift dabei nicht. Statt fertige Wagen aus Guangzhou einzuschiffen, lässt GAC den Aion V und den kleineren Aion UT beim Auftragsfertiger Magna Steyr in Österreich montieren.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenJetzt will der Konzern die Fertigung in Europa ausweiten. Allein in Frankreich plant GAC zwölf neue Elektro- und Hybridmodelle bis 2030 und 200 Händler binnen vier Jahren.
Das Wichtigste in Kürze
- GAC lässt die Elektroautos Aion V und Aion UT bei Magna Steyr in Graz montieren und will die Kapazität in Europa weiter ausbauen.
- Die Endmontage in der EU umgeht den Ausgleichszoll von 20,7 Prozent, den Brüssel seit Oktober 2024 auf importierte China-Stromer erhebt.
- Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte GAC 346.000 Fahrzeuge außerhalb Chinas, ein Plus von knapp 36 Prozent.
- Mit XPeng, Leapmotor und BYD verlagern immer mehr chinesische Marken die Fertigung nach Europa, statt gegen den Zoll anzuliefern.
Warum baut GAC ausgerechnet in Österreich?

Der Zoll trifft nur fertige Importe. Der EU-Ausgleichszoll gilt für neue Elektroautos, die als komplettes Fahrzeug aus China kommen. Montiert GAC die Wagen dagegen aus angelieferten Teilen bei Magna Steyr in Graz, zählt der Aion als in der EU gefertigt, und der Aufschlag auf den China-Import entfällt.
Auftragsfertiger statt eigenes Werk. Eine eigene Fabrik kostet Milliarden und Jahre, ein Vertrag mit Magna nur Monate. Magna Steyr baut in Graz seit Jahren wechselnde Modelle für fremde Marken, seit Ende 2025 auch den Aion V, seit 2026 den in Mailand gestalteten Aion UT.[2]
Wie hoch ist der Zoll, den GAC umgeht?
20,7 Prozent Ausgleichszoll. Seit dem 30. Oktober 2024 erhebt die EU auf batterieelektrische Autos aus China einen Ausgleichszoll, zusätzlich zum regulären Importzoll von 10 Prozent.[1] GAC gilt als kooperierender, nicht einzeln geprüfter Hersteller und zahlt darauf 20,7 Prozent, zusammen also gut 30 Prozent je importiertem Wagen.
Der Zoll, nicht die Technik. Der Preisnachteil eines China-Stromers in Europa entsteht nicht durch die Fahrzeugtechnik, sondern durch diesen Ausgleichszoll. BYD trifft er mit 17 Prozent am mildesten, den Konzern SAIC mit 35,3 Prozent am härtesten. Die Endmontage in Europa senkt die Zollrechnung, und Chinas Regierung drängt ihre Hersteller ohnehin dazu, die Auslandspreise nicht länger zu verramschen.
Warum die Montage in Europa den Zoll spart
Der Ausgleichszoll trifft nur fertige Fahrzeuge aus China. Montiert ein Hersteller die Wagen in der EU aus angelieferten Teilen, gilt das Auto als vor Ort gefertigt, und der Aufschlag auf den China-Import entfällt.
In Graz wird ein China-Auto zum EU-Fabrikat, doch entwickelt, finanziert und mit Zellen bestückt bleibt der Wagen chinesisch. Der Zoll schützt die Fabrik, nicht die Wertschöpfung.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Europas Hersteller?
Ein löchriger Schutzzoll. Der Zoll sollte Europas Autobauer schützen, doch immer mehr chinesische Marken unterlaufen ihn mit einer Fertigung vor Ort. XPeng lässt ebenfalls bei Magna in Graz bauen, und Leapmotor produziert seit Oktober in Spanien. Auch BYD kündigt eigene Werke in Europa an.
Wachstum mit Ansage. „Wir wollen hier eine dauerhafte Präsenz aufbauen, und das heißt automatisch, dass wir Fertigungskapazität brauchen“, sagt GAC-Frankreich-Vize Cedric Lacour. Für Volkswagen, Mercedes und BMW hält der Preisdruck damit an, obwohl der Zoll auf dem Papier steht.
Herkunft in die Kalkulation. Ein in Graz montierter GAC bleibt technisch ein chinesisches Auto, Wertschöpfung und Batteriezellen kommen weiter aus China. Für Fuhrparkleiter gehört die Herkunft der Zellen samt ihrem Einfluss auf Restwert und Lebensdauer in jede Kaufentscheidung.
Welche Modelle baut GAC bei Magna in Graz?
Magna Steyr montiert im österreichischen Graz zwei GAC-Elektroautos: den Mittelklasse-SUV Aion V seit Ende 2025 und den kleineren, in Mailand gestalteten Aion UT seit 2026. Die ersten Märkte waren Finnland, Polen und Portugal, weitere europäische Länder sollen folgen.
Welche EU-Zölle gelten für Elektroautos aus China?
Seit dem 30. Oktober 2024 erhebt die EU auf batterieelektrische Autos aus China einen Ausgleichszoll zusätzlich zum regulären Importzoll von 10 Prozent. Die Sätze reichen von 17 Prozent für BYD über 18,8 Prozent für Geely bis 35,3 Prozent für SAIC und nicht kooperierende Hersteller. Kooperierende, nicht einzeln geprüfte Firmen wie GAC zahlen 20,7 Prozent.
Wer ist der Auftragsfertiger Magna Steyr?
Magna Steyr ist ein Auftragsfertiger in Graz, der komplette Fahrzeuge für fremde Automarken baut, ohne eine eigene Marke zu führen. In der Vergangenheit liefen dort Modelle für BMW, Jaguar, Toyota und Fisker vom Band. Die Bänder sind auf wechselnde Modelle ausgelegt, was Herstellern wie GAC eine schnelle Fertigung in Europa erlaubt.
Wie viele Autos verkauft GAC außerhalb Chinas?
Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte GAC nach eigenen Angaben rund 346.000 Fahrzeuge außerhalb Chinas, ein Plus von knapp 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Europa will der Konzern kräftig wachsen und plant allein für Frankreich zwölf neue Elektro- und Hybridmodelle bis 2030 sowie 200 Händler binnen vier Jahren.
Quellen
[1] Europäische Kommission: Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754 über einen endgültigen Ausgleichszoll auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China
[2] Magna: „GAC Accelerates European EV Strategy with Magna Vehicle Assembly Program“
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