Mercedes-Benz baut die Fahrsoftware des britischen Start-ups Wayve innerhalb von zwei Jahren in Serienautos ein. Der Wayve AI Driver soll Fahrer in der Stadt und auf der Autobahn vom Start bis zum Ziel unterstützen. Genau diese Aufgabe übernimmt im neuen CLA bereits ein System, das Mercedes mit Nvidia entwickelt hat.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMercedes-Benz und Wayve gaben ihre Produktionsvereinbarung am 22. September bekannt.[1] Nach Nissan und Stellantis zählt Wayve nun den ersten Premiumhersteller zu seinen Kunden. Beim Stuttgarter Konzern laufen künftig zwei Softwarepakete für dieselbe Fahrfunktion nebeneinander.
Das Wichtigste in Kürze
- Mercedes-Benz will den Wayve AI Driver binnen zwei Jahren weltweit anbieten.
- Die Software lernt das Fahren durchgängig aus Daten und kommt ohne hochauflösende Karten aus.
- Mercedes beteiligte sich im Februar an Wayves Finanzierungsrunde, die das Start-up mit rund 7,5 Milliarden Euro bewertete.
- In Europa hängt die Stadtassistenz noch an der Zulassung.
Was liefert Wayve, was Mercedes nicht selbst baut?

Gelerntes Fahren. Bei klassischen Assistenzsystemen zerlegen Ingenieure die Fahraufgabe in Module mit eigenen Regeln, etwa für Objekterkennung und Routenplanung. Wayve ersetzt diese Kette durch ein einziges neuronales Netz, das aus den Sensordaten direkt Lenk- und Bremsbefehle berechnet. Laut Wayve fuhr die Software in mehr als 500 Städten in Europa, Nordamerika und Japan, ohne dass die Entwickler sie vorher auf die jeweilige Stadt abstimmten.[2]
Tiefe Integration. Wayve band den AI Driver bereits in das Betriebssystem MB.OS, die Fahrzeugelektronik und die Kartenschnittstellen von Mercedes ein.[1] Technikvorstand Jörg Burzer sagte: „Diese Partnerschaft markiert die weltweit erste Integration des Wayve AI Driver im Premiumsegment.“ Wayve-Chef Alex Kendall erklärte: „Tempo und Tiefe unserer gemeinsamen Entwicklungsarbeit zeigen, wie eng wir technisch zusammenpassen.“
Warum kauft Mercedes dieselbe Funktion zweimal?
Zwei Architekturen. Im CLA bietet Mercedes mit MB.DRIVE ASSIST PRO bereits eine Stadtassistenz der Stufe 2 an, die in den USA bis Ende 2026 starten soll. Nvidia kombiniert darin ein durchgängig gelerntes KI-Modell mit einem parallelen, klassisch programmierten Sicherheitssystem.[3] Wayve stellt dagegen das gelernte Modell ins Zentrum. Welcher Ansatz besser abschneidet, kann heute kein Hersteller belegen. Mercedes hält sich beide Wege offen, zusätzlich zum eigenen Autobahnsystem Drive Pilot der Stufe 3.
Lizenz statt Eigenbau. Auch andere Konzerne kaufen Fahrsoftware zu. Volkswagen überlässt Horizon Robotics die Fahrassistenz seiner China-Modelle. Bosch bringt Horizons Chips nach Europa. Wayve sammelte im Februar 1,2 Milliarden US-Dollar (rund 1,04 Milliarden Euro) ein. Neben Mercedes, Nissan und Stellantis beteiligten sich auch Microsoft, Nvidia und Uber.[2] Nissan will die Software ab 2027 in seine ProPilot-Assistenz einbauen.
Mercedes kauft mit Wayve eine zweite Antwort auf dieselbe Frage. Teuer ist das, aber billiger, als ein Jahrzehnt lang auf die falsche Software zu setzen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bremst den KI-Fahrer in Europa?
Offene Zulassung. Als Fahrassistenz lässt der Wayve AI Driver die Haftung beim Fahrer, der jederzeit eingreifen muss. Teslas vergleichbares FSD Supervised fuhr Anfang September erst in sechs EU-Ländern, gestützt auf eine niederländische Ausnahmegenehmigung. Das Kraftfahrt-Bundesamt prüfte zuletzt noch selbst. Am 6. Oktober stimmt ein EU-Ausschuss über eine europaweite Freigabe ab.
Folgen für Flotten. Fuhrparkverantwortliche sollten zwei Punkte klären:
- Welches Assistenzsystem steckt ab 2027 im bestellten Modell, und wer liefert die Updates?
- Regeln die Dienstwagenrichtlinien die Verantwortung des Fahrers auch bei aktiver Stadtassistenz eindeutig?
Quellen
[1] Wayve: Wayve and Mercedes-Benz Partner to Bring the Wayve AI Driver to Future Mercedes-Benz Vehicles (22.09.2026)
[2] Wayve: Wayve secures $1.5B to deploy its global autonomy platform (25.02.2026)
[3] Nvidia: NVIDIA DRIVE AV Software Debuts in All-New Mercedes-Benz CLA
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