Vor einem Jahr wollte Mercedes-Benz bis Ende des Jahrzehnts weltweit mehr als 10.000 eigene Schnellladepunkte betreiben. Die 374 Ladepunkte in Europa gehören nun dem französischen Betreiber Electra. Mercedes-Fahrer laden dort und an mehr als 800 weiteren Electra-Standorten zu Vorzugspreisen.
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Mercedes-Benz hat sein Schnellladenetz in Europa an den französischen Ladeanbieter Electra verkauft, wie das Fachportal electrive am Dienstag berichtet.[1] Betroffen sind 47 Standorte, 31 davon in Deutschland und 6 in Österreich. Einen Kaufpreis nennen die Unternehmen nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Über den Ladedienst MB.CHARGE Public bekommen Mercedes-Kunden Vorzugspreise an mehr als 800 Electra-Standorten in zehn Ländern. Bisher war nur Ionity Premium-Partner.
- Der Vorstand hat den Verkauf laut Quartalsbericht im Juli beschlossen, der Kaufvertrag stammt vom 3. August 2026.
- Zum 30. September stand das Netz mit 99 Millionen Euro in der Bilanz, dem standen 21 Millionen Euro Schulden gegenüber.
- In China und den USA betreibt Mercedes seine Ladeparks vorerst weiter.
Warum gibt Mercedes das eigene Ladenetz auf?

Mercedes hatte sein eigenes Schnellladenetz 2023 gestartet und im September 2025 weltweit 80 Ladeparks in Betrieb. Ab 2026 sollte an neuen Standorten in Europa und Nordamerika das HYC1000-System von Alpitronic stehen, erste Anlagen in Hamburg-Wandsbek und Wörrstadt gehen nun ebenfalls an Electra.[1]
Im Zwischenbericht zum dritten Quartal führt Mercedes das Netz unter den zur Veräußerung bestimmten Vermögenswerten, neben eigenen Niederlassungen in Deutschland, der Produktion in Mexiko und der Tochter in Hongkong.[2] Zugleich erwartet der Konzern für 2026 nur noch 2 bis 3 Prozent Rendite im Pkw-Geschäft. Auf jeden der 374 Ladepunkte entfallen rechnerisch rund 195.000 Euro Sachanlagen.
Paul Tonini, Deutschlandchef von Electra, hält Schnellladenetze erst ab einer gewissen Größe für wirtschaftlich: „Die Kosten wären sonst einfach zu hoch für das, was ich damit an Erträgen erwirtschaften kann.“[1]
Welche Unternehmen kaufen die Ladenetze?
Mercedes ist nicht der erste Konzern, der sein Ladenetz abgibt: BP hat sein Schnellladenetz in den Niederlanden an E.ON abgegeben, die BayWa verkauft ihres an die österreichische EVN. Verkäufer sind Konzerne, deren Kerngeschäft Autos, Öl oder Agrarhandel ist, Käufer sind Versorger und Ladebetreiber, für die sich Schnelllader erst in einem großen Netz rechnen.
Electra ist erst seit Mai 2025 in Deutschland aktiv und wächst hier von 50 auf 81 Ladeparks. Für 2027 plant das Unternehmen in Deutschland 200 Millionen Euro Investitionen, europaweit sollen es bis 2030 rund 15.000 Schnellladepunkte werden.[1] Ähnlich kauft Qwello mit frischem Kapital bestehende Ladepunkte zu.
Vom eigenen Netz zur Partnerschaft
Mercedes gibt die Säulen ab und behält die App. Ob die Ladeparks sich rechnen, muss nun Electra beweisen.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was ändert sich für Fahrer und Fuhrparks?
Electra hat die Stationen am Wochenende in sein System übernommen. Reservierung und Vorzugspreise funktionieren weiter über das Fahrzeug und die Mercedes-App, jetzt auch an Electra-Standorten. Wie lange die Partnerschaft läuft, ist offen.[1]
In den nächsten Tagen tauscht Electra die Terminals für das Bezahlen ohne Vertrag. Nach der EU-Verordnung AFIR müssen ab dem 1. Januar 2027 auch ältere Schnelllader ab 50 kW entlang des transeuropäischen Straßennetzes Kartenzahlung annehmen.[3]
Fuhrparkleiter sollten prüfen, welchen Preis ihre Ladekarte an den früheren Mercedes-Parks berechnet. Er hängt künftig vom Vertrag zwischen Kartenanbieter und Electra ab.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- electriveMercedes-Benz gibt Ladeparks in Europa auf – Electra übernimmt
- Mercedes-Benz GroupZwischenbericht Q3 2026, Anhang, Abschnitt 2, „Zur Veräußerung bestimmte Vermögenswerte und Schulden“ (S. 49 und 51)
- Amtsblatt der Europäischen UnionVerordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR), Artikel 5 Absatz 1
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