Schaeffler legt nach dem Abbau von 4.700 Stellen ein weiteres Sparprogramm auf. In Deutschland sollen bis 2028 rund 2.660 Stellen wegfallen, die Werke in Dortmund und Morbach sollen schließen. Neu ist ein Gehaltsverzicht, der beim Vorstand beginnen soll.
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Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler will in Europa netto 3.460 Stellen abbauen, davon rund 2.660 in Deutschland und rund 800 im übrigen Europa. Das teilte das Unternehmen aus Herzogenaurach am Dienstagmorgen mit.[1] Der Vorstand hat das Programm beschlossen, die Umsetzung will Schaeffler mit den Betriebsräten aushandeln. Greifen sollen die Maßnahmen überwiegend 2027 und 2028.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 2.660 der 31.957 Stellen der deutschen Stammbelegschaft sollen bis 2028 wegfallen, etwa acht Prozent.
- Schließen sollen Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach, in Belgien zudem Herstal.
- Der Einmalaufwand liegt bei rund 480 Millionen Euro, ab 2030 sollen jährlich rund 300 Millionen Euro eingespart werden.
Welche Standorte trifft der Abbau?

In Dortmund mit 430 Beschäftigten und in Morbach mit 160 fertigt Schaeffler Produkte für Verbrennungsmotoren. Beide Werke sollen schließen. In Berlin mit rund 270 Beschäftigten will Schaeffler den Betrieb einstellen, den Standort Schwalbach mit rund 385 Beschäftigten aufgeben. Ein Großteil der Schwalbacher soll nach Frankfurt wechseln. Für diese Standorte nennt die Mitteilung rund 190 betroffene Stellen, ohne zu sagen, ob sie für Schwalbach allein oder auch für Berlin gelten.[1]
In Höchstadt soll der Werkzeugbau enden, in Erlangen und Schweinfurt trifft der Abbau den Sondermaschinenbau. Stellen fallen auch in Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg weg. Die Hälfte der Stellen entfällt auf die Produktion, 30 Prozent auf Forschung und Entwicklung. Einzelheiten will das Unternehmen auf Mitarbeiterversammlungen an den Standorten vorstellen.[1]
Warum kommt schon die nächste Runde?
Als Gründe nennt Schaeffler die schwache Nachfrage nach Verbrennern bei zugleich verzögertem Hochlauf der Elektromobilität. Dazu kämen die im Vergleich hohen Personalkosten pro Kopf in Deutschland.[1] Die Elektrosparte schrieb in den ersten neun Monaten ein operatives Minus von 571 Millionen Euro vor Sondereffekten. Im dritten Quartal verbuchte Schaeffler Wertminderungen und Rückstellungen von rund 240 Millionen Euro, weil europäische Hersteller in China weniger Autos verkaufen.[2]
Wo Schaeffler schließen oder den Betrieb einstellen will
Was bedeutet das für die Beschäftigten?
Im November 2024 hatte Schaeffler den Abbau von 4.700 Stellen angekündigt, 2.800 davon in Deutschland. Bis Ende September fielen 3.715 weg, dazu unterschrieben rund 1.800 Beschäftigte Altersteilzeit. Rechnet man beides zum neuen Programm hinzu, fallen nach Unternehmensangaben rund 18 Prozent der Stellen der deutschen Stammbelegschaft weg.[1] Das Werk in Steinhagen hat Schaeffler bereits stillgelegt, 170 Beschäftigte wechseln in eine Transfergesellschaft.
Neu ist der sogenannte Solidaritätsbeitrag: ein vorübergehender, freiwilliger Gehaltsverzicht, der beim Vorstand beginnen soll. Ohne ihn wäre der Abbau nach Angaben des Unternehmens größer ausgefallen. Die Details muss Schaeffler noch mit den Gremien abstimmen.[1] Grundlage für die Umsetzung ist laut Schaeffler eine Zukunftsvereinbarung von 2018. Einen Teil der wegfallenden Stellen will der Konzern durch neue in Geschäftsfeldern wie humanoider Robotik und Verteidigungstechnik ausgleichen.
Auf den Presseseiten der IG Metall fand sich bis zum Vormittag keine Stellungnahme. Die Ankündigung fällt in die laufende Tarifrunde, in der die IG Metall zu Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie aufruft. Ob es an den vier Standorten bei den Schließungen bleibt und wie viele Kündigungen nötig werden, entscheiden die Verhandlungen mit den Betriebsräten.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Schaeffler AGSchaeffler kündigt weiteres Ergebnisverbesserungsprogramm an (EQS-News)
- Schaeffler AGSchaeffler mit solidem Ergebnis nach den ersten neun Monaten (EQS-News)
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