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Südzucker will seine Zuckerfabrik in Zeitz von Braunkohle und Erdgas unabhängig machen. Am Mittwoch soll der erste Lkw mit Rübenschnitzeln in die neue Biogasanlage im Chemiepark rollen. Den Umbau des Standorts fördert der Bund mit bis zu 227,5 Millionen Euro, den Energiebedarf der Fabrik soll die Anlage ab Herbst 2027 decken.

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Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was baut Südzucker in Zeitz?
  2. Warum tauscht Südzucker Kohle gegen Rübenschnitzel?
  3. Was heißt das für die Region?
  4. Mehr Newshunger?

Am Mittwoch, 4. November, soll laut Mitteldeutscher Zeitung der erste Lkw Pressschnitzel aus der Zuckerfabrik Zeitz in die neue Biogasanlage von Südzucker in Alttröglitz bringen.[1] Der Mannheimer Konzern nennt die Anlage im Chemie- und Industriepark Zeitz Bio Energy Hub. Eine eigene Mitteilung zum Start hat Südzucker bisher nicht veröffentlicht.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Anlage macht aus Pressschnitzeln, einem Rest der Zuckerherstellung, Biomethan für die Fabrik.
  • Die Baukosten liegen laut dem Netzwerk BioEconomy bei rund 85 Millionen Euro, Südzucker selbst nennt keine Summe.
  • Neue Arbeitsplätze nennt Südzucker nicht, der Konzern spricht von Standortsicherung nach dem Kohleausstieg.

Was baut Südzucker in Zeitz?

Rübe mit grün brennender Zündschnur, Kohlebrocken und Schild mit Aufschrift „Ausgedient“
Biomethan-Anlage vergärt Rübenpressschnitzel zu Biomethan, das ins Gasnetz eingespeist wird. Mit 15 Hektar zweitgrößte Anlage von Südzucker, Baukosten rund 85 Millionen Euro

Die Anlage vergärt Pressschnitzel, also die ausgepressten Rübenreste, zu Biomethan. Das Gas ist fast genauso zusammengesetzt wie Erdgas und wird ins Gasnetz eingespeist. Mit rund 15 Hektar ist sie nach Angaben von Südzucker die zweitgrößte Anlage des Konzerns im Chemiepark.[2] Die Baukosten beziffert das Netzwerk BioEconomy auf rund 85 Millionen Euro.[3]

Die Zeitpläne gehen auseinander. Im April 2025 begannen die Erdarbeiten, die Mitteldeutsche Zeitung sprach von einer zweistelligen Millionensumme.[4] Beim Spatenstich im Oktober 2025 kündigte Südzucker an, die Anlage werde ab Herbst 2027 Biomethan erzeugen und den Energiebedarf der Fabrik decken.[2] Das Netzwerk BioEconomy nannte für die Inbetriebnahme schon 2026.[3] Der Lkw am Mittwoch steht damit für den Anlauf, nicht für die volle Versorgung.

Warum tauscht Südzucker Kohle gegen Rübenschnitzel?

Zuckerfabriken brauchen viel Energie, in Zeitz kommt sie bisher aus Braunkohle und Erdgas. „Wir wollen am Standort Zeitz schrittweise CO2-frei produzieren, Erdgas und Braunkohle durch erneuerbare Energien ablösen“, sagt Frank Kiesewetter, der das operative Zuckergeschäft von Südzucker leitet.[2] Zusätzlich sollte bis 2026 ein neuer Gaskessel in Betrieb gehen.[2] Das Kohleausstiegsgesetz sieht das Ende der Kohleverstromung spätestens für 2038 vor.[5]

Einen Teil der Kosten trägt der Bund. Südzucker schloss 2024 mit dem Bundeswirtschaftsministerium einen Klimaschutzvertrag über bis zu 227,5 Millionen Euro, als eines von 15 Unternehmen. Der Vertrag fördert auch Wärmepumpen und die Umstellung des Kalkofens auf Gas.[2] Am Standort soll der Anteil erneuerbarer Energie auf etwa 50 Prozent steigen, die Gärreste sollen als Dünger auf die Felder.[3]

Der Bio Energy Hub in Zeitz
Rübenschnitzel statt Braunkohle und Erdgas
85 Mio. €
Baukosten der Biogasanlage laut BioEconomy-Netzwerk
227,5 Mio. €
Förderung des Bundes für den Umbau der Fabrik, höchstens
15 ha
Fläche der Anlage im Chemie- und Industriepark Zeitz
50 %
Anteil erneuerbarer Energie am Standort, erwartet

Vom Fördervertrag zum Biomethan

2024
Südzucker schließt mit dem Bund den Klimaschutzvertrag für Zeitz
April 2025
Erdarbeiten auf dem Baufeld zwischen Chemiepark und Tröglitz
27. Oktober 2025
Spatenstich, die ersten Fermenter stehen bereits
4. November 2026
Erster Lkw mit Pressschnitzeln aus der Zuckerfabrik, geplant
Herbst 2027
Biomethan soll den Energiebedarf der Fabrik decken

Für Zeitz zählt der Herbst 2027 mehr als der erste Lkw. Erst dann zeigt sich, ob die Fabrik ohne Kohle läuft.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Was heißt das für die Region?

Wie viele Menschen in Zeitz arbeiten, steht in der Mitteilung nicht. Südzucker begründet die Anlage mit der Sicherung von Standort und Arbeitsplätzen auch nach dem Kohleausstieg.[2] In Sachsen-Anhalt ist das Projekt eines von mehreren auf pflanzlicher Basis: UPM hat in Leuna eine Bioraffinerie eingeweiht, Verbio stellt in Bitterfeld-Wolfen Chemikalien aus Raps her.

Die Anlage hängt am Rohstoff. In Süddeutschland fällt die Rübenernte 2026 rund ein Drittel schwächer aus, und Südzucker hat die Anbauer gebeten, weniger Rüben zu liefern. Weniger Rüben bedeuten auch weniger Pressschnitzel für den Fermenter. Für andere energieintensive Betriebe im Revier ist Zeitz ein Prüfstein dafür, ob Reste aus der eigenen Produktion die Kohle ersetzen können.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Mitteldeutsche ZeitungNeue Biogasanlage im Chemiepark Zeitz steht kurz vor Produktionsbeginn02.11.2026
  2. SüdzuckerFeierlicher Spatenstich für den neuen Südzucker Bio Energy Hub in Tröglitz bei Zeitz (Pressemitteilung, PDF)27.10.2025
  3. BioEconomy e.V.Biomethan aus Rübenschnitzeln: Südzucker baut Bio-Energy-Hub (Newsletter)November 2025
  4. Mitteldeutsche ZeitungSüdzucker: Millionen für Energiewende im Chemiepark Zeitz22.04.2025
  5. Bundesministerium der Justiz§ 2 Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (gesetze-im-internet.de)

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