Für ein eigenes Mobilfunkangebot in den USA spricht SpaceX laut Washington Post mit EchoStar über Boost Mobile. Die Mobilfunksparte von EchoStar hat 7,4 Millionen Kunden und Netzverträge mit AT&T und T-Mobile US. Genau diesen Netzzugang verweigern die großen Mobilfunker Elon Musk bisher.
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SpaceX verhandelt mit EchoStar darüber, dessen Mobilfunkmarke Boost Mobile zu kaufen oder ihr Netz mitzunutzen. Das berichtete die Washington Post am Montag unter Berufung auf Insider.[2] SpaceX und EchoStar äußerten sich gegenüber Reuters zunächst nicht (Stand: Montag, 2. November, 12:15 Uhr).[1] Preis und Form eines Geschäfts sind nicht bekannt.
Das Wichtigste in Kürze
- SpaceX verhandelt laut Washington Post über den Kauf von Boost Mobile oder den Zugang zu dessen Netz.
- Boost Mobile und die Schwestermarke Gen Mobile zählten Ende Juni 7,4 Millionen Kunden, die im Netz von AT&T telefonieren und surfen.
- Für Frequenzen von EchoStar zahlt SpaceX bereits knapp 18 Mrd. €, bis zu 9,8 Mrd. € davon in eigenen Aktien.
- Musk bat die großen US-Netzbetreiber um Netzzugang und bekam ihn bisher nicht.
Was hätte SpaceX von Boost Mobile?

Musk hatte die Chefs der großen US-Netzbetreiber, darunter Verizon, in den vergangenen Monaten laut Washington Post um Zugang zu ihren Netzen gebeten.[1] Telekom-Chef Tim Höttges bestätigte im Oktober, dass SpaceX einen solchen Vertrag gesucht, aber nicht bekommen habe, und riet den anderen US-Netzbetreibern, SpaceX ebenfalls keinen Zugang zu geben. Boost Mobile besitzt diesen Zugang bereits. Die Zeitung sieht in dem Anbieter deshalb einen möglichen Weg durch die Hintertür in den US-Mobilfunkmarkt, den sie auf 235 Milliarden Dollar beziffert, umgerechnet rund 210 Milliarden Euro.[1]
Ein eigenes Funknetz hat Boost dagegen nicht mehr. Seit November 2025 läuft der gesamte Sprach- und Datenverkehr der Kunden über das Netz von AT&T, EchoStar betreibt nur noch das Kernnetz mit Kundenverwaltung. Ein älterer Vertrag mit T-Mobile US dient als zweite Säule.[3] Ende Juni zählte EchoStar 7,375 Millionen Mobilfunkkunden, im zweiten Quartal verlor das Unternehmen rund 118.000.
Wie sicher wäre der Netzzugang nach einem Kauf?
Was feststeht und was offen ist
Die Netzverträge sind der Kern des Geschäfts, aber auch sein Risiko. EchoStar warnt im eigenen Quartalsbericht, dass die Netzbetreiber, deren Netze das Unternehmen nutzt, zugleich seine Konkurrenten sind. Den Zugang könnten sie einschränken oder kündigen, sobald sich das für sie lohnt.[3] Mit SpaceX als Eigentümer stünde AT&T und T-Mobile US ein deutlich stärkerer Konkurrent gegenüber. Ob die Verträge einen Eigentümerwechsel ohne Zustimmung überstehen, geht aus den öffentlichen Unterlagen nicht hervor.
Verbunden sind beide Unternehmen schon jetzt. 2025 vereinbarte SpaceX den Kauf von Frequenzen für rund 20 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp 18 Milliarden Euro, bis zu 9,8 Milliarden Euro davon in SpaceX-Aktien. Boost-Kunden sollen danach den Direktfunk von Starlink nutzen können, also Satellitenverbindung ohne Zusatzgerät.[3] Die US-Regulierungsbehörde FCC hat den Verkauf im Mai genehmigt,[5] abgeschlossen war er laut dem Quartalsbericht von Anfang August noch nicht.[3]
„Musk kauft sich nicht in ein Netz ein, sondern in Verträge mit genau den Rivalen, die ihn außen vor halten wollen.“
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Mobilfunkkunden in Europa?
In Deutschland hängt ein vierter Netzbetreiber weniger am guten Willen der Konkurrenz. Die Bundesnetzagentur hat National Roaming für 1&1 im März 2025 per Auflage abgesichert und behält sich eine Anordnung vor, falls kein Netzbetreiber Mitnutzung gewährt. Für Diensteanbieter gilt ein Verhandlungsgebot.[4] Beim Satellitenfunk aufs Handy wollen Telekom, Vodafone, Orange und Telefónica gemeinsam um das neue EU-Frequenzband bieten. Die Telekom arbeitet in Europa seit März 2026 mit Starlink zusammen.
- Firmen mit Boost-Verträgen für US-Standorte klären mit dem Anbieter, ob Netz und Tarif bei einem Eigentümerwechsel gleich bleiben.
- Für Funklöcher an europäischen Standorten zuerst die Satellitenangebote der eigenen Netzbetreiber prüfen.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- The Washington PostInside Elon Musk’s plan to conquer a new industry
- ReutersSpaceX in talks to buy Boost Mobile or use its network, Washington Post reports, veröffentlicht bei Investing.com
- EchoStar CorporationQuartalsbericht (Formular 10-Q) für das zweite Quartal 2026, bei der US-Börsenaufsicht SEC
- BundesnetzagenturBundesnetzagentur verlängert Mobilfunkfrequenzen unter Auflagen
- Advanced TelevisionFCC approves EchoStar’s spectrum sale to SpaceX/AT&T
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