Nach sechs Monaten liegt die bereinigte EBITDA-Marge von Heidelberger Druckmaschinen bei 3,7 Prozent, im Vorjahr waren es 6,4. Für das ganze Geschäftsjahr hat der Konzern sein Margenziel deshalb gesenkt, obwohl er mehr Aufträge hereinholt.
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Heidelberger Druckmaschinen hat am 29. Oktober seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2026/2027 gesenkt.[1] Der Konzern erwartet nun eine bereinigte EBITDA-Marge von 5,6 bis 6,6 Prozent. Bisher hatte er eine spürbare Verbesserung gegenüber den 6,6 Prozent des Vorjahres angekündigt. Den Umsatz sieht er weiter stabil bei rund 2,3 Mrd. Euro.
Das Wichtigste in Kürze
- Im zweiten Quartal stieg der Auftragseingang auf 604 Mio. Euro, nach 551 Mio. Euro ein Jahr zuvor.
- Der Free Cashflow lag nach sechs Monaten bei minus 125 Mio. Euro.
- Die vollständigen Halbjahreszahlen veröffentlicht Heidelberg am 12. November.
Warum kappt Heidelberg das Margenziel?

Als Gründe nennt das Unternehmen die Weltwirtschaft, anhaltenden Kostendruck und einen ungünstigen Produktmix, vor allem wegen der Entwicklung im Nahen Osten. Dazu verzögern sich Projekte im Segment Technologies.[1] Welche Projekte das sind, schreibt Heidelberg nicht.
Schwach war vor allem der Jahresauftakt. Im ersten Quartal blieb von 404 Mio. Euro Umsatz ein bereinigtes EBITDA von 1 Mio. Euro, eine Marge von 0,2 Prozent. Trotzdem bestätigte der Vorstand im August die Prognose.[2] Im zweiten Quartal erreichte die Marge 6,4 Prozent, für das Halbjahr reicht das nur für 3,7 Prozent.[1]
Was muss das zweite Halbjahr liefern?
Bleibt der Umsatz auf Vorjahresniveau, muss Heidelberg von Oktober bis März rund 1,38 Mrd. Euro umsetzen, die Hälfte mehr als in den ersten sechs Monaten. Nach unserer Rechnung braucht der Konzern dafür eine Halbjahresmarge von etwa 6,9 Prozent, um die Untergrenze der neuen Spanne zu erreichen, für die Obergrenze 8,5 Prozent. Beide Werte liegen über dem stärksten Quartal des laufenden Jahres.
Stütze ist der Auftragseingang, der im Halbjahr auf 1.141 Mio. Euro stieg.[1] Eine bestellte Druckmaschine wird in der Regel aber erst mit der Auslieferung zu Umsatz. Bis dahin bindet sie Geld in Vorräten und Forderungen. Diesen Aufbau nennt Heidelberg als Hauptgrund für den Free Cashflow von minus 125 Mio. Euro.[1]
Vom Wachstumsziel zur Spanne
Warum steigt das Quartalsergebnis trotzdem?
Nach Steuern verdiente Heidelberg im zweiten Quartal 24 Mio. Euro, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Den Anstieg erklärt das Unternehmen mit einem Einmalertrag aus dem günstigen Kauf von manroland sheetfed.[1] Zahlt ein Käufer weniger, als das übernommene Vermögen abzüglich der Schulden wert ist, bucht er die Differenz nach IFRS 3 sofort als Ertrag.[4] Aus dem laufenden Geschäft stammt dieser Ertrag nicht. Für das Halbjahr steht trotzdem ein Verlust von 9 Mio. Euro.[1]
Heidelberg holt mehr Aufträge herein und verdient daran weniger. Das Geschäftsjahr entscheidet sich jetzt im Winter.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Senkung für Anleger und Druckereien?
Heidelberg hat die neue Prognose als Insiderinformation eingestuft und deshalb sofort gemeldet, zwei Wochen vor dem Halbjahresbericht. Artikel 17 der Marktmissbrauchsverordnung verlangt, solche Informationen unverzüglich zu veröffentlichen.[5] Mitte Oktober hatte bereits Kion seine Prognose gesenkt. Was Heidelberg im Juni für das Jahr in Aussicht stellte, steht in unserem Bericht über den vierten Dividendenverzicht. Wie hoch der Ertrag aus dem manroland-Kauf ist, nennt Heidelberg bisher nicht, der Bericht folgt am 12. November.
Druckereien mit Bogenoffsetmaschinen von manroland haben seit Juli Heidelberg als Partner für Service und Ersatzteile. Übernommen hat der Konzern die Vertriebs- und Servicegesellschaften in rund 35 Ländern, die zusammen über 3.000 Anwender betreuen.[3] Betriebe sollten prüfen, ob ihre bisherigen Wartungsverträge und Ersatzteilpreise weiter gelten.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Heidelberger DruckmaschinenHEIDELBERG passt Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2026/2027 an (Ad-hoc-Mitteilung über EQS)
- 4investorsHeidelberger Druck: Legen Basis für profitables Wachstum
- 4investorsHeidelberger Druck vollzieht manroland-Deal und übernimmt POLAR
- IFRS FoundationIFRS 3 Business Combinations (Standard zu Unternehmenszusammenschlüssen, abgerufen am 2. November 2026)
- EUR-LexVerordnung (EU) Nr. 596/2014 über Marktmissbrauch (Artikel 17, abgerufen am 2. November 2026)
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