Heidelberger Druckmaschinen streicht die Dividende zum vierten Mal in Folge, obwohl der Jahresüberschuss sich auf 15 Millionen Euro verdreifacht hat. Das Geld fließt in Drohnenabwehr, Batteriezellen und einen neuen Standort in China. Für das laufende Jahr 2026/2027 kündigt der Konzern sogar einen Verlust an.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHeidelberger Druckmaschinen schloss das Geschäftsjahr 2025/2026 mit 2,293 Milliarden Euro Umsatz ab und verdreifachte den Gewinn auf 15 Millionen Euro. Trotzdem sehen die Aktionäre zum vierten Mal in Folge keine Ausschüttung. Der Vorstand braucht das Geld für den teuersten Umbau der Firmengeschichte.
Das Wichtigste in Kürze
- Vierter Dividendenverzicht in Folge, bestätigt auf der Hauptversammlung am 23. Juli 2026.
- Jahresüberschuss verdreifacht auf 15 Millionen Euro, Umsatz 2,293 Milliarden Euro, bereinigte EBITDA-Marge aber gesunken auf 6,6 Prozent.
- Das einbehaltene Geld fließt in die Rüstungstochter ONBERG, in Natrium-Ionen-Batteriezellen und einen neuen Standort in China.
- Für 2026/2027 erwartet der Vorstand einen Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.
Warum verzichtet Heidelberg zum vierten Mal auf die Dividende?

Der Jahresüberschuss stieg von 5 auf 15 Millionen Euro, doch die Summe reicht nicht für Ausschüttung und Umbau zugleich. Bei 2,293 Milliarden Euro Konzernumsatz bleibt am Ende zu wenig hängen, um beides zu bedienen. Die Kapitalallokation entscheidet der Vorstand deshalb zugunsten der neuen Geschäftsfelder. Dass die bereinigte EBITDA-Marge auf 6,6 Prozent fiel, nach 7,1 Prozent im Vorjahr, geht genau auf diese vorgezogenen Investitionen zurück.[1]
Wohin fließt das Geld der Druckmaschinen-Sparte?
Das einbehaltene Kapital verteilt sich auf mehrere Baustellen. Der größte Posten ist die Drohnenabwehr. Über die Tochter ONBERG baut der Konzern an einem Standort in Brandenburg eine Rüstungssparte auf, die in einigen Jahren über 300 Millionen Euro Umsatz bringen soll. Parallel stieg Heidelberg in die Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriezellen ein und kaufte binnen weniger Tage zwei Firmen zu, um vom Maschinenbauer zum Systemanbieter zu werden. Ein neuer Standort in China kostet zusätzlich.
Wohin das Geld fließt
Rüstungstochter ONBERG mit Drohnenabwehr und einem Umsatzziel von über 300 Millionen Euro, dazu Natrium-Ionen-Batteriezellen und ein neuer Standort in China. Prognose für 2026/2027: ein Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.
Vier Jahre ohne Dividende sind kein Sanierungsfall, sondern eine Wette: Heidelberg tauscht die Druckmaschine gegen die Drohnenabwehr. Aufgehen wird die Wette erst, sobald ONBERG liefert, und bis dahin zahlen die Aktionäre die Zeche.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Heidelbergs Kapitalallokation für Anleger bedeutet
Heidelberg ist mit diesem Schwenk nicht allein. Auch der Motorenbauer Deutz übernahm den Panzerbauer FFG und verwandelt sich vom Industriezulieferer zum Rüstungskonzern. Der Unterschied liegt im Timing: Etablierte Anbieter wie Rheinmetall schütten aus dem Rüstungsboom bereits aus, während Heidelberg erst investieren muss, um überhaupt teilzuhaben. Für Entscheider steckt darin eine Lehre. Eine Dividende auszusetzen, um Zukunftsfelder aufzubauen, rechnet sich nur, sofern die neuen Felder bald Marge liefern. Der für 2026/2027 angekündigte Verlust zeigt, dass Heidelbergs Wetten noch nicht zahlen, und macht klare Meilensteine sowie eine belastbare Cash-Reichweite zur Pflicht.
Quelle
[1] Heidelberger Druckmaschinen: Geschäftsbericht 2025/2026
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