Heidelberger Druckmaschinen baut künftig Batteriezellen. Mit dem Schweizer Speicherspezialisten PHENOGY steigt der Traditionskonzern in die Natrium-Ionen-Technik ein, ganz ohne Lithium und Kobalt.

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Eine Natrium-Ionen-Batterie entsteht bald mit derselben Präzisionstechnik, die bei Heidelberg seit Jahrzehnten Papier bedruckt. Am 21. Juli haben Heidelberger Druckmaschinen und die PHENOGY AG eine industrielle Partnerschaft geschlossen, die dem schrumpfenden Druckgeschäft ein zweites Standbein in der Energiespeicherung geben soll.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • HD Advanced Technologies, eine 100-Prozent-Tochter von Heidelberg, übernimmt die komplette Fertigung der Speichersysteme von PHENOGY.
  • Ein geplantes Joint Venture soll Natrium-Ionen-Zellen entwickeln und in Serie bauen: PHENOGY steuert die Zellchemie bei, Heidelberg sein Druckverfahren.
  • Die Zielmärkte sind kritische Infrastruktur (KRITIS), Verteidigung und Mobilität.
  • Natrium-Ionen-Zellen brauchen weder Lithium noch Kobalt und lösen damit die Abhängigkeit von geopolitisch konzentrierten Lieferketten.

Was steckt hinter der Partnerschaft?

Person bedient Walzmaschine, daneben Batterie mit Beschriftung „aus Salz, 2026“
HD Advanced Technologies produziert für PHENOGY Speichersysteme komplett: von Beschaffung über Fertigung bis Installation, zunächst in Deutschland, dann in den USA

Volle Fertigung: HD Advanced Technologies bündelt bei Heidelberg die Bereiche Verteidigung, Sicherheit und Energie. Für PHENOGY übernimmt die Tochter die gesamte industrielle Produktion der Speichersysteme, von der Beschaffung über Schränke, Container und Elektronik bis zu Installation und Wartung. Zunächst läuft das in Deutschland für Europa, später in den USA für Nordamerika.

Gemeinsame Zellfabrik: Kern der Vereinbarung ist ein geplantes Joint Venture für die Zellfertigung. PHENOGY, 2019 gegründet und im schweizerischen Root bei Luzern ansässig, bringt seine Natrium-Ionen-Zellchemie und das Zelldesign ein, Heidelberg sein spezifisches Druckverfahren. So entstehe „eine europäische Technologie- und Industrieplattform für Natrium-Ionen-Batterietechnologie“, sagt HDAT-Chef Michael Wellenzohn.

Warum ein Druckmaschinenbauer Zellen fertigen kann

Beschichten statt drucken: Der Sprung wirkt größer, als er ist. Eine Batterieelektrode entsteht, indem eine hauchdünne, exakt dosierte Schicht Aktivmaterial gleichmäßig auf eine Metallfolie aufgetragen wird, und das ist im Kern ein Druck- und Beschichtungsvorgang. Gleichmäßige Schichtdicken bei hohem Tempo bilden seit über 175 Jahren die Kernkompetenz von Heidelberg.

Lücke zur Serie: An dieser Stelle scheitern viele Zell-Start-ups, weil die Chemie im Labor funktioniert und die Fertigung im Industriemaßstab nicht. Heidelberg bringt die Maschinen und das Prozesswissen mit, die aus einer Laborzelle ein Serienprodukt machen. Für einen Konzern, der seine Auflagen im klassischen Druck schwinden sieht, ist die Batterie die logische Verlängerung der eigenen Technik. Denselben Weg aus vorhandener Kompetenz geht gerade auch Bosch mit seiner Halbleiterfertigung.

Heidelberg verkauft hier keine neue Maschine, sondern eine 175 Jahre alte Kompetenz an einen neuen Markt. Präzise Beschichtung bleibt präzise Beschichtung, ob darauf später Farbe oder Aktivmaterial sitzt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Kann Europa bei Natrium-Ionen aufholen?

Chinas Vorsprung: Bei der Natrium-Ionen-Technik führt bislang China. CATL und BYD haben die Serienproduktion angekündigt und bauen große Kapazitäten auf, während Europa jahrelang auf Lithium-Eisenphosphat gesetzt hat. Wie stark chinesische Hersteller den Markt prägen, zeigt sich bei fertigen Elektroautos aus China, beim Absatzeinbruch des Elektro-CLA und am Druck auf Teslas Werk Grünheide.

Rohstoff-Souveränität: Der strategische Reiz liegt im Rohstoff. Natrium steckt in Kochsalz und ist praktisch überall verfügbar, Lithium und Kobalt dagegen sind knapp und konzentriert. Genau darauf zielt das EU-Rohstoffgesetz (Critical Raw Materials Act), das Europas Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern senken soll. „Europa braucht eigene Batterietechnologien für echte Energie-Souveränität“, sagt PHENOGY-Chef Peter E. Braun.

Heidelberg und PHENOGY: die Natrium-Ionen-Wette

Ein Druckmaschinenbauer steigt in die Zellfertigung ein

0 %
Lithium und Kobalt in der Natrium-Ionen-Zelle
175
Jahre Beschichtungs-Kompetenz bei Heidelberg
3
Zielmärkte: KRITIS, Verteidigung, Mobilität

PHENOGY bringt ein

Natrium-Ionen-Zellchemie und Zelldesign. Gegründet 2019 in Root bei Luzern, rund 60 Beschäftigte an Standorten in der Schweiz, in Bremen, den USA und Singapur.

Heidelberg bringt ein

Das spezifische Druckverfahren und die industrielle Serienfertigung über die Tochter HD Advanced Technologies, von der Beschaffung bis zur Wartung.

Was zu beobachten ist: Zahlen zu Investition, Kapazität und Zeitplan nennen beide Seiten noch nicht. Für stationäre Speicher lohnt sich Natrium-Ionen ab 2027 als Alternative, gerade dort, wo Gewicht kaum zählt und die Zyklenfestigkeit stärker wiegt als bei Auto-Akkus. Erst wenn die gedruckte Zelle günstiger vom Band läuft als importierte Lithium-Technik, wird aus der Wette ein Standbein.

Quelle

[1] Heidelberger Druckmaschinen / HD Advanced Technologies: „HD Advanced Technologies und PHENOGY starten Zusammenarbeit für Technologie- und Industrieplattform für Natrium-Ionen-Batteriespeicher“

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