Kunden haben bei Binance am Sonntag netto 3,64 Mrd. Dollar (rund 3,2 Mrd. Euro) abgezogen, in den ersten neuneinhalb Stunden nach dem Neustart der Auszahlungen. Die Börse beziffert den Abfluss auf 2,1 % ihrer Reserven, gemessen am Stand vor dem Diebstahl.
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Binance zahlte zwischen 7 und 16:30 Uhr deutscher Zeit rund 4,0 Mrd. Euro aus und nahm 880 Mio. Euro an Einzahlungen entgegen.[1] Nach dem ersten Ansturm gingen die Auszahlungen laut Binance zurück, die Einzahlungen blieben hoch. Stand: Sonntag, 1. November, 20:30 Uhr.
Das Wichtigste in Kürze
- Binance meldet für die ersten neuneinhalb Stunden netto 3,2 Mrd. Euro Abfluss.
- Der Datendienst DefiLlama misst über 24 Stunden netto rund 3,5 Mrd. Euro.
- Die 2,1 % beziehen sich auf die Reserven vom 28. Oktober, also vor dem Diebstahl.
- Für 531 von 552 Coins war am späten Nachmittag noch keine Auszahlung möglich.
Wie groß ist der Abfluss wirklich?

Binance bezieht die 2,1 % auf ein Kundenvermögen von rund 149 Mrd. Euro. Die Zahl stammt aus dem Reservenachweis vom 28. Oktober, einen Tag bevor Token für 5,5 Mrd. Euro aus den Wallets der Börse abflossen.[1] Binance will den neuen Stand vom 31. Oktober am Montag veröffentlichen. Erst dieser Bericht zeigt, was nach Diebstahl, Ersatz und Abzug auf den Konten liegt.
Der Datendienst DefiLlama zählt nur die Wallets, die er Binance zuordnen kann. Für diese Adressen maß der Dienst am Sonntag um 17:37 Uhr binnen 24 Stunden netto rund 3,5 Mrd. Euro Abfluss bei einem Bestand von rund 114 Mrd. Euro, berichtet The Block.[2] Bei den zehn nächstgrößten Börsen kamen im selben Zeitraum zusammen nur rund 320 Mio. Euro netto an, das meiste bei OKX. DefiLlama erfasst Coinbase und Kraken allerdings nicht.
Was unterscheidet Binance von FTX und Bybit?
FTX verlor im November 2022 binnen 72 Stunden netto rund 5,2 Mrd. Euro, stoppte die Auszahlungen und ging wenige Tage später in die Insolvenz.[4] Bei Bybit flossen im Februar 2025 nach einem Diebstahl von rund 1,3 Mrd. Euro laut CoinDesk mehr als 3,5 Mrd. Euro ab, die Börse zahlte trotzdem durchgehend aus.[3] Bybit hatte die Kundengelder, bei FTX fehlten sie. Über das Schicksal einer Börse entscheidet deshalb die Deckung, nicht die Höhe des Abflusses.
Binance lässt Auszahlungen nur in Stufen zu. Am Sonntag um 17:22 Uhr waren laut Statusseite 531 der 552 gelisteten Coins noch gesperrt, 14 weitere wie Bitcoin und Ether nur teilweise freigegeben.[2] Die Börse prüft die Auszahlungen unter anderem für Cardano, Chainlink und Litecoin noch. Die gestaffelte Freigabe begrenzt den Abfluss auch technisch, weil viele Kunden ihr Guthaben noch gar nicht abheben können. Ein verlässliches Bild liefern erst der neue Reservenachweis und die nächsten Stufen.
Der Sonntag in vier Schritten (deutsche Zeit)
2,1 % klingen nach Entwarnung. Binance bezieht die Quote aber auf die Reserven vor dem Diebstahl.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was sollten Firmen mit Guthaben bei Binance jetzt tun?
Binance hat den Schaden aus dem Abfluss in der Nacht auf Freitag nach eigenen Angaben zu 95 % aus Firmenmitteln ersetzt und erst danach die Auszahlungen wieder freigegeben. Kunden tragen laut Binance keinen Verlust. Firmen mit Guthaben bei der Börse ohne festen Sitz sollten trotzdem zwei Dinge erledigen:
- Ab Montag im neuen Reservenachweis prüfen, ob das eigene Konto erfasst ist; Binance bietet dafür eine Prüfung je Konto an.
- Angebote angeblicher Helfer für noch gesperrte Coins ignorieren. Binance kündigt die nächsten Stufen auf der eigenen Statusseite und auf X an.[1]
Bestände, die dauerhaft liegen bleiben, gehören in eine eigene Hardware-Wallet, aber nur direkt vom Hersteller bezogen, seit in Ledger-Geräten eines Zwischenhändlers ein Spionagechip auftauchte.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Binance auf XBinance began restoring withdrawals in phases at 06:00 UTC on November 1, 2026 …
- The BlockBinance sees $3.64 billion in net outflows after reopening withdrawals following record hack
- CoinDeskBericht über die Abflüsse bei Bybit nach dem Diebstahl (22. Februar 2025)
- Reuters, über Malay MailCrypto exchange FTX saw US$6b in withdrawals in 72 hours, says CEO message to staff
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