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Ein Zusatzchip im Gehäuse las beim Einrichten die 24 Wörter der Wiederherstellungsphrase vom Display ab und funkte sie über das Mobilfunknetz an die Täter. Ledger hat dieses Implantat in Geräten des südostasiatischen Händlers CryptoBilis bestätigt. In Deutschland verkauft MediaMarktSaturn seit dem 13. Oktober keine Ledger-Geräte mehr.

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Zwei Ledger-Geräte aus zwei MediaMarkt-Filialen hat der Krypto-Analyst Johannes nach eigener Darstellung aufgeschraubt, in beiden fand er zusätzliche Kabel und ein Mobilfunkmodul.[1] Unabhängig geprüft hat diesen Fund bisher niemand. Ledger bestätigt nur, dass ein Kunde in Deutschland ein Implantat gemeldet hat, Geld verlor dieser Kunde laut Ledger nicht.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Ledger bestätigte am 10. Oktober ein Hardware-Implantat in einem Gerät, das der Händler CryptoBilis verkauft hatte.
  • Der Zusatzchip sendet die Wiederherstellungsphrase per eSIM über LTE, Sicherheitschip und Betriebssystem bleiben unverändert.
  • Onchain-Analysten schätzen den Schaden auf bis zu 81 Millionen Euro aus über 300 Wallets, Ledger hat die Zahl nicht bestätigt.
  • MediaMarktSaturn hat Ledger-Geräte aus Filialen und Onlineshops genommen.

Wie überlistet der Zusatzchip die Hardware-Wallet?

Schwarzes Hardware-Wallet in Plastikverpackung mit deutschen Warn- und Original-Stickern
Implantat erkennt Wiederherstellungsphrase auf Display und sendet sie über eSIM an Täter, die damit Wallet leeren

Den Sicherheitschip rührt das Implantat nicht an. Laut Ledgers Sicherheitsteam Donjon sitzt eine zusätzliche Platine im Gehäuse, erkennt die Phrase, sobald das Display sie beim Einrichten zeigt, und sendet die Wörter über eine vorab eingerichtete eSIM.[3] Mit den 24 Wörtern stellen die Täter die Wallet auf eigener Hardware wieder her und leeren sie.

Ledgers Echtheitsprüfung Genuine Check schlägt nicht an. Der Test fragt kryptografisch ab, ob der Sicherheitschip von Ledger stammt, zusätzliche Bauteile daneben erkennt er laut Ledger nicht.[4]

Ist der Fall neu?

2020 erbeuteten Angreifer bei Ledger rund eine Million E-Mail-Adressen, von etwa 272.000 Kunden landeten Name, Postadresse und Telefonnummer im Netz.[5] Im Jahr darauf bekamen Kunden per Post präparierte Geräte, die nach der Wiederherstellungsphrase fragten, wie Branchenmedien damals berichteten. Diesmal muss das Opfer keinen Fehler machen: Ein Gerät aus dem Handel normal einzurichten genügt.

Den Aufwand, den Sicherheitschip selbst zu knacken, sparen sich die Täter. Wie viel Arbeit ein solcher Angriff kostet, zeigten Forscher, die mit einem Laser den Schlüssel aus einem gesperrten Chip holten. Angriffe auf die Lieferkette kannten Krypto-Anleger bisher vor allem aus Software, etwa als ein manipuliertes Tracking-Skript von Adform Wallet-Adressen austauschte oder 34 präparierte Pakete Wallets plünderten.

Trezor entzieht einem Teil seiner Wiederverkäufer zum 1. Januar 2027 die Zulassung. Belege für manipulierte Trezor-Geräte lägen nicht vor, schreibt Chief Commercial Officer Danny Sanders an die Partner.[6]

Spionagechip in Ledger-Geräten
Vom Händler in Südostasien bis zum Verkaufsstopp in Deutschland
24 Wörter
liest das Implantat beim Einrichten vom Display und sendet sie per eSIM
bis 81 Mio. €
Schaden aus über 300 Wallets schätzen Onchain-Analysten, Ledger hat die Zahl nicht bestätigt
272.000
Kundenadressen gelangten 2020 nach einem Datenleck bei Ledger ins Netz

So weitete sich der Fall aus

9. Oktober 2026
Ledger fordert CryptoBilis auf, Verkauf und Versand zu stoppen
10. Oktober 2026
Ledger bestätigt ein Implantat im Gerät eines betroffenen Kunden
12. Oktober 2026
Ein Krypto-Analyst meldet Funde in Geräten aus zwei MediaMarkt-Filialen, unabhängig unbestätigt
13. Oktober 2026
MediaMarktSaturn nimmt Ledger-Geräte aus dem Verkauf, Ledger beschreibt den Mechanismus
1. Januar 2027
Ein Teil der Trezor-Wiederverkäufer verliert die Zulassung

Ledgers Echtheitstest bestätigt den echten Sicherheitschip, die Täter setzen ihren eigenen Chip einfach daneben. Geprüft wird damit das falsche Bauteil.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was sollten Unternehmen mit Krypto-Beständen jetzt tun?

Käufern bei CryptoBilis rät Ledger, unbenutzte Geräte nicht einzurichten und Bestände von bereits genutzten Geräten auf ein neues Gerät mit neuer Phrase zu übertragen.[3] Einen Zusammenhang zwischen den Diebstählen und Geräten aus deutschen Filialen hat Ledger bisher nicht bestätigt. Für Firmen, die Krypto-Zahlungen akzeptieren oder Bestände halten, reicht diese Auskunft als Entwarnung nicht.

  • Bestand: Halten Sie fest, welche Hardware-Wallets Ihr Unternehmen seit September im Einzelhandel oder bei Wiederverkäufern gekauft hat.
  • Umzug: Übertragen Sie im Zweifel die Bestände auf ein direkt beim Hersteller gekauftes Gerät mit neu erzeugter Phrase.
  • Rüge: Kaufleute müssen einen versteckten Mangel dem Verkäufer unverzüglich nach der Entdeckung anzeigen, sonst gilt die Ware als genehmigt (§ 377 HGB).[7] Bei Verbrauchern vermutet das Gesetz im ersten Jahr, dass der Mangel schon beim Kauf bestand (§ 477 BGB).[8]
  • Beweise: Nach einem Verlust schalten Sie zuerst die Polizei ein und öffnen das Gerät erst danach, so empfiehlt Ledger.

Quellen

8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Johannes (@0xJohannes_) auf XBeitrag zu zwei geöffneten Ledger-Geräten aus MediaMarkt-Filialen (12. Oktober 2026)
  2. Ledger auf XUpdate on Ledger devices at MediaMarkt Saturn13.10.2026
  3. Ledger auf XUpdate zur Untersuchung der CryptoBilis-Geräte (13. Oktober 2026)
  4. Ledger SupportHilfeartikel zur Echtheitsprüfung Genuine Check
  5. LedgerNachricht des CEO zum Datenleck vom Juli 2020 (21. Dezember 2020)
  6. Danny Sanders (Trezor) auf XSchreiben an die Trezor-Vertriebspartner (13. Oktober 2026)
  7. Bundesministerium der Justiz§ 377 Handelsgesetzbuch
  8. Bundesministerium der Justiz§ 477 Bürgerliches Gesetzbuch

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