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Nach 17 Arbeitstagen Prüfung genehmigte die EU-Kommission am Dienstag den Verkauf der Industriesparte ContiTech an den Finanzinvestor Lone Star. Continental erwartet aus dem Geschäft rund 3,1 Milliarden Euro und will davon etwa 2,5 Milliarden an die Aktionäre ausschütten.

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Am 18. September hatte Lone Star das Vorhaben in Brüssel angemeldet, am 13. Oktober kam die Freigabe.[1] Übernehmen will der Fonds die ContiTech Deutschland GmbH mit rund 22.000 Beschäftigten, die technische Produkte aus Gummi, Kunststoff und Textil für Landwirtschaft, Bau, Energie und Bergbau herstellt.[3]

Das Wichtigste in Kürze

  • Lone Star zahlt einen Unternehmenswert von 4,0 Milliarden Euro, dazu bis zu 250 Millionen Euro erfolgsabhängig.[2]
  • Die Kommission sieht wegen der begrenzten Marktstellung der Beteiligten keine Wettbewerbsprobleme.
  • Den Vollzug hält Continental noch 2026 für möglich, danach bleibt nur das Reifengeschäft.
  • Rund 2,5 Milliarden Euro sollen als Sonderdividende oder als Mix aus Dividende und Aktienrückkauf an die Aktionäre gehen.

Warum genügten Brüssel 17 Arbeitstage?

Reifen, orangefarbene Laufstreifenrolle mit Anhänger „Freigegeben“, weißer Hintergrund
Kommission prüft Unternehmenskauf M.12551 im vereinfachten Verfahren, da sich Geschäftstätigkeiten von Käufer und Zielfirma kaum überschneiden

Die Kommission hat den Fall M.12551 im vereinfachten Verfahren geprüft.[1] Dieses Verfahren wählt die Behörde, sobald sich die Geschäfte von Käufer und Zielfirma kaum überschneiden. Ein Finanzinvestor bringt meist keine eigene Gummiproduktion mit, deren Marktanteile sich mit denen von ContiTech addieren würden. Die gesetzliche Frist für die erste Prüfphase beträgt 25 Arbeitstage, die Kommission entschied nach 17.

Länger dauern kann die Prüfung, sobald sich zwei Geschäfte überschneiden. UniCredit besitzt in Deutschland bereits die HypoVereinsbank, für die Übernahme der Commerzbank läuft deshalb die erste Prüffrist der Kommission bis zum 16. November.

Was bleibt von den vier Milliarden bei Continental?

Der Mittelzufluss liegt rund 900 Millionen Euro unter dem Unternehmenswert, weil Lone Star Schulden der Sparte samt Pensions- und Leasingverpflichtungen übernimmt.[2] Von den erwarteten 3,1 Milliarden Euro reserviert der Vorstand etwa 2,5 Milliarden für die Aktionäre, den Rest für den Abbau eigener Schulden. Bei gut 200 Millionen Continental-Aktien ergeben die 2,5 Milliarden rechnerisch rund 12,50 Euro je Aktie, knapp 18 % des Kurses von 70,54 Euro am Mittwochmittag.

Mit dem Vollzug endet der Umbau, den Continental im September 2025 mit der Abspaltung der Autosparte Aumovio vorangetrieben hat. Im Juli besiegelte der Konzern den ContiTech-Verkauf, im September verkaufte Continental zusätzlich die australische Werkstattkette mycar. Volkswagen ging bei seiner Großmotorentochter ähnlich vor und verkaufte Everllence an Bain Capital.

Continental gibt 81 % des ContiTech-Erlöses an die Aktionäre weiter und setzt für die Zukunft allein auf Reifen.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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ContiTech wechselt zu Lone Star
Die wichtigsten Zahlen zum Verkauf, den die EU-Kommission am 13. Oktober freigegeben hat
4,0 Mrd. €
Unternehmenswert, dazu bis zu 250 Mio. € erfolgsabhängig
3,1 Mrd. €
erwarteter Mittelzufluss bei Continental nach übertragenen Schulden
2,5 Mrd. €
für die Aktionäre, rechnerisch rund 12,50 € je Aktie
22.000
Beschäftigte wechseln mit ContiTech zum neuen Eigentümer
4. Juli 2026
Vertrag unterzeichnet

Vorstand und Aufsichtsrat von Continental stimmen dem Verkauf zu

18. September 2026
Anmeldung in Brüssel

Lone Star meldet den Kauf bei der EU-Kommission an

13. Oktober 2026
Freigabe nach 17 Arbeitstagen

vereinfachtes Verfahren, keine Bedenken gegen den Wettbewerb

bis Ende 2026
Vollzug möglich

danach bleibt Continental ein reiner Reifenhersteller

Was ändert der neue Eigentümer für Beschäftigte und Kunden?

Laut IGBCE verpflichtet ein Eckpunktepapier den Käufer zu Investitionen, zur Sicherung von Arbeitsplätzen und zu Ausbildungsplätzen in Deutschland. „Wir konnten als Arbeitnehmervertretung den Verkauf nicht verhindern“, sagte Hasan Allak, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats, im Juli.[4] Lone Star hat nach eigenen Angaben seit 1995 insgesamt 26 Private-Equity-Fonds mit Kapitalzusagen von zusammen rund 83 Milliarden Euro aufgelegt.[3]

Für Industriekunden ändert sich zunächst nur der Eigentümer des Lieferanten. Finanzinvestoren finanzieren Übernahmen üblicherweise zu einem Teil mit Krediten, die später das gekaufte Unternehmen bedient. Prüfen Sie deshalb gerne, ob Ihre Lieferverträge mit ContiTech eine Klausel für den Kontrollwechsel enthalten, und behalten Sie die Bonität des Lieferanten nach dem Vollzug im Blick. Mehr zum Kerngeschäft, das Continental behält, lesen Sie in der Analyse zur Neuaufstellung als Reifenhersteller.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Europäische KommissionFall M.12551, Lone Star Funds / ContiTech (Anmeldung 18.09.2026, Freigabe)13.10.2026
  2. Continental AGContinental AG veräußert Unternehmensbereich ContiTech (Ad-hoc-Mitteilung vom 04.07.2026)
  3. Lone Star FundsLone Star Funds Announces Agreement to Acquire ContiTech, the Material Solutions Group of Continental AG06.07.2026
  4. IGBCEVerkauf von ContiTech: IGBCE und Betriebsräte werden Käuferzusagen einfordern04.07.2026

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