Rund 280 Werkstätten in Australien bekommen einen chinesischen Eigentümer: Continental verkauft seine Kette mycar Tyre & Auto an den Autoservice-Konzern Tuhu. Die Transaktion bewertet mycar mit 403 Millionen australischen Dollar, umgerechnet rund 250 Millionen Euro.[1] Zur Kette gehören mehr als 1.600 Beschäftigte.

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Nach der Abspaltung von Aumovio und dem Verkauf von ContiTech trennt sich Continental nun auch von einem Teil seines Handels. Aus dem Regal verschwinden die Reifen trotzdem nicht: mycar soll Continental-Reifen künftig als Vertriebspartner weiter anbieten. Offen bleibt, ob der Konzern denselben Schritt auch bei seiner deutschen Kette Vergölst geht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Continental verkauft mycar Tyre & Auto mit rund 280 Filialen für umgerechnet rund 250 Millionen Euro an Tuhu.
  • Tuhu führt nach eigenen Angaben 8.825 Werkstätten und damit das nach Filialzahl größte Werkstattnetz der Welt.
  • mycar wird Vertriebspartner für Continental-Reifen, die Partnerschaft beider Konzerne in China läuft weiter.
  • Der Abschluss steht unter dem Vorbehalt behördlicher Freigaben, einen Termin nennt Continental nicht.

Warum trennt sich Continental von seinen Werkstätten in Australien?

Michelin-Reifen auf Sockel neben kleiner Werkstatt mit Schild „VERKAUFT“, weißer Hintergrund
Continental verkauft mycar zur Konzentration auf Reifenherstellung. Der 2018 erworbene australische Reifenhändler war erfolgreich aufgebaut worden

Kerngeschäft Reifen. Continental begründet den Verkauf mit der Konzentration auf die Entwicklung und Herstellung von Reifen.[1] Gekauft hatte der Konzern mycar im Jahr 2018, um den Vertrieb in Australien auszubauen. „mycar Tyre & Auto hat sich unter dem Dach von Continental sehr erfolgreich entwickelt und ist heute im australischen Markt außergewöhnlich gut aufgestellt“, sagt Dalibor Kalina, der das Reifengeschäft von Continental in der Region Asien-Pazifik leitet.

Filialen binden Kapital. Ein Reifenhersteller verdient am Produkt: Im zweiten Quartal 2026 erreichte die Reifensparte von Continental eine bereinigte operative Marge von 15,3 Prozent, nach 12,1 Prozent im Vorjahresquartal.[2] Für den Anstieg sorgten vor allem Premiumreifen ab 18 Zoll und günstigere Rohstoffe. Eine Werkstattkette verdient dagegen an Arbeitsstunden und Auslastung. Die Kosten für Mieten, Hebebühnen und Mechaniker steigen mit jeder neuen Filiale, und dieses Profil passt schlecht zu einem Konzern, der Anleger mit seiner Reifenmarge überzeugen will.

Dritter Schritt. Der Verkauf setzt die Neuaufstellung des Konzerns fort. Im September 2025 ging die Autosparte als Aumovio an die Börse, im Juli 2026 verkaufte Continental die Industriesparte ContiTech für vier Milliarden Euro an den Finanzinvestor Lone Star. Mit mycar gibt Continental jetzt auch ein Stück Einzelhandel ab.

Was bekommt Tuhu für 250 Millionen Euro?

Ein fertiges Netz. Tuhu zählte zum 30. Juni 2026 insgesamt 8.825 Werkstätten unter eigener Marke und rund 31 Millionen zahlende Nutzer innerhalb von zwölf Monaten.[1] Mit mycar erhält der Konzern auf einen Schlag rund 280 Filialen in Australien, die Wartung, Reifen, Bremsen, Fahrwerk, Batterien und allgemeine Reparaturen anbieten. „Australien ist ein äußerst attraktiver und vielversprechender Markt für Autoservice, und mycar Tyre & Auto ist ein unverwechselbares Unternehmen“, sagt Tuhu-Gründer und Vorstandschef Min Chen.

Partner statt Rivale. Continental und Tuhu arbeiten in China bereits strategisch zusammen, und diese Partnerschaft soll bestehen bleiben.[1] Continental verkauft die Filialen also an einen Kunden, der Continental-Reifen weiter anbietet, und behält in Australien eine eigene Vertriebsorganisation. Continental-Chef Christian Kötz hatte erst vergangene Woche erklärt, er sehe Chinas Autobauer als Chance und nicht als Bedrohung. Für einen markenneutralen Reifenhersteller sind chinesische Konzerne vor allem Abnehmer.

Continental verkauft die Werkstatt und behält das Regal. Der Konzern gibt 280 Filialen an einen Käufer ab, der Continental-Reifen weiter anbietet, und spart sich dabei Mieten und Mechaniker.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der mycar-Verkauf in Zahlen
Was Continental abgibt und wer übernimmt
250 Mio. €
Unternehmenswert von mycar, entspricht 403 Mio. australischen Dollar
280
Filialen in Australien mit mehr als 1.600 Beschäftigten wechseln zu Tuhu
8.825
Werkstätten betreibt Tuhu unter eigener Marke, Stand 30. Juni 2026
15,3 %
bereinigte Marge der Continental-Reifensparte im zweiten Quartal 2026

Was bedeutet der Verkauf für Werkstätten und Flotten in Deutschland?

Deutsche Schwesterkette. In Deutschland gehört die Reifen- und Autoservicekette Vergölst seit 1974 zu Continental. Vergölst zählt nach eigenen Angaben mehr als 450 Standorte, darunter über 250 Franchisepartner, und beschäftigt rund 1.900 Menschen.[3] Die Mitteilung zum mycar-Verkauf erwähnt Vergölst nicht. Der australische Fall zeigt allerdings, nach welchem Muster Continental eigene Filialen abgibt: an einen Käufer, der die Reifen weiter abnimmt.

Freigabe ausstehend. Der Abschluss hängt noch an behördlichen Genehmigungen.[1] In Australien prüft das Foreign Investment Review Board Übernahmen durch ausländische Käufer oberhalb festgelegter Schwellenwerte.[4] Für Einkäufer und Flottenverantwortliche im DACH-Raum folgen aus dem Deal zwei Aufgaben:

  • Flottenbetreiber mit Serviceverträgen bei Vergölst prüfen vorsorglich, ob ihre Vereinbarungen eine Klausel für einen Eigentümerwechsel enthalten.
  • Freie Reifenhändler beobachten, ob Continental nach dem Rückzug aus dem eigenen Handel die Konditionen für Handelspartner anpasst.

Häufige Fragen zum mycar-Verkauf

Wie viel zahlt Tuhu für mycar?

Die Transaktion bewertet mycar Tyre & Auto mit 403 Millionen australischen Dollar, umgerechnet rund 250 Millionen Euro. Dieser Unternehmenswert umfasst rund 280 Filialen in Australien und mehr als 1.600 Beschäftigte.

Warum verkauft Continental mycar?

Continental konzentriert sich auf die Entwicklung und Herstellung von Reifen. Nach der Abspaltung von Aumovio und dem Verkauf von ContiTech gibt der Konzern auch Teile des Handels ab. mycar wird aber Vertriebspartner für Continental-Reifen.

Verkauft Continental auch Vergölst?

Angaben dazu macht Continental nicht. Die Mitteilung zum mycar-Verkauf erwähnt die deutsche Kette nicht. Vergölst gehört seit 1974 zu Continental und betreibt nach eigenen Angaben mehr als 450 Standorte in Deutschland.

Quellen

[1] Continental AG: „Continental Sells mycar Tyre & Auto to Tuhu“ (24.09.2026)

[2] Continental AG: „Results first half 2026“ (04.08.2026)

[3] Vergölst GmbH: „Unternehmen“

[4] Foreign Investment Review Board: „Foreign Investment Review Board“

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