Michelin will in den kommenden Jahren 100 Millionen Euro in sein Reifenwerk in Bad Kreuznach investieren. Die Summe nannte Industriedirektor Thirapol Muengnao beim Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Werks, wie die Rhein-Zeitung und die Allgemeine Zeitung berichten. Zeitplan und Einzelprojekte ließ der Reifenhersteller offen.

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Das Michelin-Werk in Bad Kreuznach beschäftigt mehr als 1.600 Menschen und ist der größte Industriearbeitgeber der Stadt. Im November 2023 hatte der Konzern angekündigt, bis Ende 2025 die Werke in Karlsruhe und Trier zu schließen und in Homburg die Fertigung neuer Lkw-Reifen zu beenden. Betroffen waren insgesamt 1.532 Beschäftigte. Bad Kreuznach blieb damals verschont und bekommt nun Geld.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Rhein-Zeitung kündigte Michelin 100 Millionen Euro für Bad Kreuznach an, Zeitplan und Projekte fehlen noch.
  • Das Werk fertigt mit mehr als 1.600 Beschäftigten Pkw-Reifen von 15 bis 20 Zoll.
  • Bis 2027 fließen bereits mehr als 30 Millionen Euro in neue Anlagen.
  • Zuvor schloss Michelin die Werke Karlsruhe und Trier, Goodyear beendete 2025 die Reifenproduktion in Fulda.

Warum setzt Michelin gerade auf Bad Kreuznach?

Reifen vor weißem Hintergrund mit Anhänger
Michelin Bad Kreuznach spezialisiert sich auf Premium-Pkw-Reifen ab 18 Zoll und Hightech-Reifen, während das Unternehmen Budget-Lkw-Reifen aus Niedriglohnländern bezieht

Große Reifen. Die Schließungen von 2023 begründete Michelin mit Lkw-Budgetreifen aus Niedriglohnländern sowie steigenden Produktionskosten in Deutschland.[3] Bad Kreuznach fertigt dagegen Premiumreifen für Pkw. Für Reifen ab 18 Zoll und für Hightech-Reifen gilt das Werk im Konzern als strategisch wichtig.[4] In diesem Segment konkurriert Michelin vor allem über Laufleistung und Rollwiderstand, der Stückpreis gibt seltener allein den Ausschlag.

Kurze Wege. Rund 75 Prozent der Erstausrüstungsreifen aus Bad Kreuznach gehen an Kunden im Umkreis von 1.000 Kilometern.[2] Die Reifen erreichen die Autobauer damit ohne lange Seefracht. Werkdirektor Guilhem Vogel sagte beim Festakt: „Heute transformieren wir unser Werk mit der Unterstützung unserer Zentrale.“

Wie belastbar ist die Zusage?

Offene Details. Die 100 Millionen Euro sind angekündigt, aber weder in Projekte zerlegt noch terminiert.[1] Die Pressemitteilung des Werks spricht nur von hohen Investitionen in den kommenden Jahren und nennt keine Summe.[2] Offen bleibt auch, ob das laufende Programm von mehr als 30 Millionen Euro bis 2027 in der Summe steckt. Zu neuen Arbeitsplätzen oder Fördergeld machte Michelin keine Angaben.

Schrumpfende Branche. Goodyear beendete Ende September 2025 die Reifenproduktion in Fulda, mehr als 1.000 Stellen fielen weg. Im brandenburgischen Fürstenwalde trifft der Abbau rund 700 Beschäftigte.[5] Als Gründe nannte Goodyear die Kostenstruktur und Importe aus Asien. Continental setzt dagegen nach dem Verkauf von ContiTech ganz auf Reifen.

Michelin in Deutschland: Geld für Bad Kreuznach
Die angekündigte Investition und der Abbau an den übrigen Standorten
100 Mio. €
kündigte Michelin laut Rhein-Zeitung für die kommenden Jahre an, Zeitplan und Projekte sind offen
über 30 Mio. €
fließen bis 2027 in neue Anlagen, darunter die Extrusionshalle vom März 2026
über 1.600
Beschäftigte fertigen in Bad Kreuznach Pkw-Reifen von 15 bis 20 Zoll
1.532
Beschäftigte traf der Abbau in Karlsruhe, Trier und Homburg bis Ende 2025

Michelin schließt, wo Billigreifen aus Niedriglohnländern den Preis setzen, und investiert, wo große Premiumreifen nah am Kunden entstehen. Das Risiko für Bad Kreuznach liegt deshalb bei den Autobauern im Umkreis, von denen einige gerade ihre eigenen Werke infrage stellen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet die Investition für die Region?

Rückhalt vor Ort. Am Festakt nahm auch der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling teil. Betriebsratschef Thorsten Bayer nannte Michelin „ein Stück Heimat“ für Tausende Arbeitnehmer.[2] Die Zukunft des Werks hängt allerdings an der Autoproduktion in Deutschland und den Nachbarländern. Mercedes knüpft zwei deutsche Werke an sein Sparziel, und gegen den Stellenabbau in der Branche mobilisierte die IG Metall zuletzt 175.000 Beschäftigte.

Mögliche Aufträge. Regionale Handwerksbetriebe und Anlagenbauer erfahren aus der Ankündigung noch nicht, was Michelin konkret beschafft. Beim Bau der Extrusionshalle stammte rund die Hälfte der mehr als 60 beteiligten Firmen aus der Region.[4] Sobald der Konzern Projekte und Zeitplan nennt, lohnt sich deshalb der frühe Kontakt zur Werkleitung.

Quellen

[1] Rhein-Zeitung (Öffentlicher Anzeiger): Michelin investiert 100 Millionen Euro in Kreuznach (22.09.2026)

[2] Nahe News: Seit 60 Jahren „Made in Bad Kreuznach“: Michelin feiert Jubiläum (22.09.2026)

[3] Michelin: Michelin wird bis Ende 2025 Standorte in Deutschland restrukturieren (28.11.2023)

[4] Chemie Rheinland-Pfalz: Michelin weiht neue Produktionshalle in Bad Kreuznach ein (20.03.2026)

[5] hessenschau: Zeitplan zur Schließung des Goodyear-Werks in Fulda steht (21.11.2024)

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