Rivian macht Ernst mit dem günstigen Elektroauto: Der kommende R3 soll spürbar weniger kosten als der R2, das Einstiegsmodell R4 noch einmal weniger. Firmenchef RJ Scaringe nannte für den R3 eine Preislage, die umgerechnet bei rund 30.000 bis 34.000 Euro liegt. Damit rückt der kalifornische Hersteller vom Luxus-SUV in genau jenes Segment, in dem Volkswagen, Renault und Chinas Marken um jeden Käufer ringen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRivian verkauft bislang vor allem teure Elektro-SUV und -Pickups in Nordamerika. Mit dem Sprung unter den R2 greift der Hersteller die Kernfrage der Branche an: Wie günstig lässt sich ein brauchbares Elektroauto bauen, ohne Geld zu verbrennen? Ausgerechnet ein Umweltrekord des R2 liefert dazu den ersten Beleg.
Das Wichtigste in Kürze
- Rivian-Chef RJ Scaringe stellt für den R3 einen Preis in Aussicht, der umgerechnet bei rund 30.000 bis 34.000 Euro liegt (Kurs 0,87, Stand 23. September 2026); der R4 soll noch darunter starten.
- Gebaut wird der R3 ab 2028 im Werk in Georgia, das auf bis zu 400.000 Fahrzeuge im Jahr ausgelegt ist.
- Der R2 halbiert seine Lebenszyklus-Emissionen gegenüber dem Spitzenmodell R1S und erreicht Rivians Klimaziel für 2030 damit vier Jahre früher.
- Für 2026 hebt Rivian das Auslieferungsziel auf 65.000 bis 70.000 Fahrzeuge an, nach rund 42.000 im Vorjahr; operativ steht weiter ein Milliardenverlust.
Warum wird der R3 günstiger als der R2?

Gemeinsame Basis. Der R3 nutzt dieselbe technische Plattform und dasselbe Werk wie der R2, fällt aber kleiner und leichter aus. Weniger Material, eine kleinere Batterie und die gleiche Fertigungslinie senken die Stückkosten, ohne dass Rivian eine zweite Fabrik hochziehen muss. „Wir haben die Preise noch nicht genannt, aber sie bewegen sich deutlich nach unten“, sagte Firmenchef RJ Scaringe zum R3, der R4 gehe „noch einen Schritt weiter“.[1] Der größte Kostenblock bleibt die Batterie, weshalb Elektroautos bis heute teurer sind als Verbrenner.
Noch ein Konzept. Der R4 ist bislang wenig mehr als eine Ansage. Nach Angaben des Fachdiensts Electrek arbeiten noch keine Entwicklerteams an dem Modell, ein Termin fehlt. Der R3 dagegen läuft ab 2028 im Werk im US-Bundesstaat Georgia vom Band, das auf bis zu 400.000 Fahrzeuge im Jahr ausgelegt ist.
Teslas Drehbuch, noch einmal gespielt
Von oben nach unten. Rivian geht denselben Weg wie Tesla vor zehn Jahren: erst ein teures Aushängeschild, dann Modelle für die Masse. Tesla finanzierte mit Roadster und Model S die Entwicklung des Model 3, Rivian nutzt die Margen aus R1 und R2, um den R3 und den R4 günstiger zu kalkulieren. Wie hart der Preiskampf inzwischen läuft, zeigt der Blick nach China, wo Leapmotor als einer der wenigen Rivalen überhaupt Gewinn schreibt.
Effizienz als Beleg. Dass die kleinere Plattform trägt, zeigt die Ökobilanz des R2: Das Modell halbiert seine Lebenszyklus-Emissionen gegenüber dem R1S und erreicht Rivians Klimaziel für 2030 vier Jahre früher.[2] Ein leichteres, effizienteres Auto braucht weniger Zellen, was den Preis senkt. Preiskampf und Umweltvorteil hängen also an derselben Konstruktion. Bei langer Haltedauer entscheidet ohnehin der Wertverlust mit, der bei Stromern besonders schwer wiegt.
Ein günstiger Rivian nützt deutschen Käufern vorerst wenig, weil die Modelle hier nicht zu haben sind. Das Preisniveau, das Scaringe ausruft, setzt aber jeden Hersteller unter Druck, der den Massenmarkt für sich beansprucht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für den europäischen Markt?
Kein DACH-Verkauf. Rivian bietet seine Autos in Europa bisher nicht an, ein R3 wird also so bald nicht bei einem deutschen Händler stehen. Als Preissignal wirkt der Wagen trotzdem: Rund 30.000 Euro für einen praktischen Elektro-SUV treffen genau die Lücke, die europäische Hersteller gerade zu schließen versuchen. Volkswagen stellt mit dem ID. Polo für 25.000 Euro sein eigenes Volumenmodell dagegen.
Druck von zwei Seiten. Der EU-Antisubventionszoll verteuert chinesische Stromer, doch Marken wie Xiaomi drängen trotzdem nach Deutschland. Mit Rivian steuert nun auch ein amerikanischer Anbieter das günstige Segment an. Für europäische Werke wird der Korridor zwischen 25.000 und 35.000 Euro damit zur eigentlichen Front.
Fuhrparkverantwortliche und Händler sollten den R3-Start 2028 als festen Termin im Kalender führen, auch ohne Europastart: Das Modell definiert mit, was ein Elektroauto in dieser Klasse kosten darf. Beim Kalkulieren zählen ohnehin der Wertverlust und die Ladekosten mehr als der Kaufpreis allein, denn beide entscheiden stärker über die Gesamtbilanz.
Quellen
[1] Electrek: „Rivian R3 will be materially cheaper than R2, and R4 goes even lower“ (22.09.2026)
[2] Rivian: „Half the Carbon, Twice the Reach: Inside Rivian’s Impact Reports“
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