CATL hat in Ungarn die Probeproduktion für sein größtes Batteriewerk außerhalb Chinas gestartet. Seit dem 22. September laufen im Werk Debrecen zwei Zelllinien, geplant sind bis 2030 rund 100 Gigawattstunden Kapazität im Jahr. Für Europas Autobauer rückt die Batterie damit ein Stück näher ans eigene Montageband.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

7,34 Milliarden Euro steckt der chinesische Marktführer in den Standort, Ungarns größte ausländische Direktinvestition überhaupt. Rund 9.000 Arbeitsplätze sollen entstehen, die ersten Zellen aber laufen noch im Probebetrieb vom Band.

Das Wichtigste in Kürze

  • CATL fuhr am 22. September 2026 im ungarischen Debrecen zwei Zelllinien im Probebetrieb an, die reguläre Serienproduktion peilt der Konzern zum Jahresende an.
  • Die erste Ausbaustufe umfasst 34 Gigawattstunden, der Endausbau bis 2030 rund 100 Gigawattstunden im Jahr, genug für über eine Million Elektroautos.
  • Mit 7,34 Milliarden Euro Investition und rund 9.000 Arbeitsplätzen ist das Werk Ungarns größte ausländische Direktinvestition.
  • Als Kunden gelten die europäischen Werke von Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen und Stellantis, die ihre Elektroautos teils in Ungarn selbst bauen.

Warum startet CATL erst mit einer Probeproduktion?

Batterie mit Aufschrift „Probelauf“ steht auf einem Umriss der ungarischen Landkarte
CATL kalibriert in Probeproduktion Elektrodenbeschichtung und Zellformierung, um Ausschuss zu minimieren. Seit Herbst 2024 entstanden bereits 537.000 Module

Erst einfahren, dann Serie. Eine Zellfabrik läuft nicht mit dem Einschalten. In der Probeproduktion fährt CATL die Linien ein, kalibriert die Beschichtung der Elektroden und die Formierung der Zellen und drückt den Ausschuss so weit nach unten, dass sich die Zellen wirtschaftlich fertigen lassen. Module baut der Standort schon seit Herbst 2024, gut 537.000 Stück sind zusammengekommen, die Zellfertigung selbst beginnt jetzt.

Zölle und Regeln als Treiber. Zellen aus einem EU-Werk umgehen Frachtwege und Handelsrisiken und helfen den Herstellern zugleich bei der EU-Batterieverordnung, die seit 2025 einen ausgewiesenen CO2-Fußabdruck und Sorgfaltspflichten in der Lieferkette verlangt. Reibungslos lief der Aufbau nicht: Erst nach Auflagen zum Arbeitsschutz und der Nutzungserlaubnis vom August 2026 durfte der Probebetrieb starten.[1]

Wer bekommt die Zellen aus Debrecen?

Kunden nebenan. CATL nennt „führende europäische Autohersteller“ mit eigener Elektroauto-Fertigung in Ungarn, konkret zählen Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen und Stellantis dazu. Der Weg ist kurz: BMW baut wenige Kilometer entfernt im selben Debrecen die Neue Klasse, deren iX3 schon vor dem Marktstart 100.000 Bestellungen sammelte. Mercedes fertigt im ungarischen Kecskemét die elektrische C-Klasse.

Erst 34, dann 100 Gigawattstunden. Die erste Ausbaustufe bringt 34 Gigawattstunden, der Vollausbau bis 2030 rund 100 Gigawattstunden im Jahr. Das reicht rechnerisch für mehr als eine Million Fahrzeuge und macht Debrecen zu CATLs zweitem europäischen Standort nach dem thüringischen Werk in Arnstadt bei Erfurt.

CATL Debrecen: Zellwerk für Europa
Ungarns größte ausländische Direktinvestition fährt an
7,34 Mrd €
Investition in Debrecen, Ungarns größte ausländische Direktinvestition
100 GWh
geplante Jahreskapazität bis 2030, genug für über eine Million Elektroautos
9.000
geplante Arbeitsplätze am Standort Debrecen
537.000
gefertigte Batteriemodule seit Herbst 2024

Vom Probebetrieb zur Serie

22. September 2026: Start der Probeproduktion mit zwei Zelllinien, erste Ausbaustufe 34 Gigawattstunden. Zum Jahresende 2026: geplanter Beginn der regulären Serienfertigung, zweites CATL-Werk in Europa nach Arnstadt in Thüringen.

Debrecen bringt die Batterie nach Europa, aber nicht in europäische Hand. Gefertigt wird auf ungarischem Boden, die Entscheidungen fallen weiter in Ningde, und deutsche Hersteller gewinnen kurze Wege und verlieren im selben Vertrag ein Stück Unabhängigkeit.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für Europas Batterie-Lieferkette?

China füllt die Lücke. Europas eigene Zellprojekte kommen kaum voran, seit Northvolt in die Insolvenz ging und weitere Vorhaben stocken. In die Lücke drängen chinesische Hersteller: BYD baut im ungarischen Szeged, CATL steht in Thüringen und nun in Debrecen. Schon heute stammen zwei von fünf Elektroauto-Batterien weltweit von CATL, während Europas eigene Werke leer bleiben.

Nähe mit Preis. Kürzere Wege und EU-Zellen senken für deutsche Hersteller die Kosten wie das Risiko, doch die Wertschöpfung und das Know-how der Zelltechnik bleiben bei CATL. Genau deshalb dringt Daimler Truck auf eine europäische Batterie-Allianz, und selbst Chinas eigene Autobauer wollen weg vom übermächtigen Zulieferer. Bei neuen Elektroauto-Projekten gehört die Herkunft der Zellen künftig in jede Kalkulation, samt ihrem Einfluss auf Lebensdauer und Restwert.

Wo baut CATL sein neues Batteriewerk in Europa?

CATL baut sein zweites europäisches Werk im ungarischen Debrecen. Am 22. September 2026 startete dort die Probeproduktion mit zwei Zelllinien. Die erste Ausbaustufe umfasst 34 Gigawattstunden, bis 2030 sollen es rund 100 Gigawattstunden im Jahr werden. Das erste CATL-Werk in Europa steht im thüringischen Arnstadt.

Welche Autohersteller beliefert CATL aus Ungarn?

Das Werk in Debrecen versorgt europäische Autohersteller mit Zellen und Modulen fürs Elektroauto, darunter Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen und Stellantis. Mehrere davon fertigen ihre Elektroautos selbst in Ungarn, BMW baut die Neue Klasse sogar direkt in Debrecen.

Wie viel investiert CATL in das Werk in Ungarn?

CATL investiert rund 7,34 Milliarden Euro in den Standort Debrecen. Damit ist das Batteriewerk die größte ausländische Direktinvestition in der Geschichte Ungarns. Rund 9.000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Die reguläre Serienproduktion peilt der Konzern zum Jahresende 2026 an.

Quelle

[1] CATL: „CATL Kicks Off Trial Production of Battery Cells in Hungary“

Mehr Newshunger?

4,4 16 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?