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Ursula Gather führt die Krupp-Stiftung, die knapp 21 Prozent an Thyssenkrupp hält. Im Interview mit der WAZ stellte sich die Kuratoriumschefin hinter die Abgabe der Stahlsparte, die Mehrheit soll der Konzern dort nicht behalten. Mit diesem Anteil könnte die Stiftung eine Abspaltung auf der Hauptversammlung blockieren.

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„Ich habe den Eindruck, dass es aktuell ein gutes Zeitfenster für einen solchen Schritt gibt“, sagte Gather der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Gemeint ist die Trennung von Thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg, Europas zweitgrößtem Stahlhersteller. Vorstandschef Miguel López will die Sparte ohne Geld von Bund und Land Nordrhein-Westfalen verselbstständigen, Gather hält das für machbar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Krupp-Stiftung ist mit rund 21 Prozent größter Einzelaktionär von Thyssenkrupp.
  • Kuratoriumschefin Ursula Gather unterstützt laut WAZ eine eigenständige Stahlsparte, an der Thyssenkrupp höchstens eine Minderheit hält.
  • Als Gründe nennt Gather den Sanierungstarifvertrag, die Trennung von HKM, den EU-Außenschutz und den Bau der Duisburger Direktreduktionsanlage.
  • Eine Abspaltung braucht drei Viertel des Kapitals, das auf der Hauptversammlung vertreten ist.

Warum zählt die Stimme der Krupp-Stiftung?

Ein Stahlträger auf einem Sockel mit einem Aufkleber „»Freigegeben«“ und einem Holzstempel
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hält 21 Prozent Thyssenkrupp-Anteile, 200.000 weitere Aktionäre den Rest. Abspaltung benötigt Dreiviertel-Mehrheit des Grundkapitals

Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hält nach Angaben von Thyssenkrupp rund 21 Prozent am Grundkapital, die übrigen Aktien verteilen sich auf rund 200.000 Aktionäre.[1] Für eine Abspaltung verlangt das Umwandlungsgesetz eine Mehrheit von mindestens drei Vierteln des vertretenen Grundkapitals.[2] Liegt die Präsenz auf der Hauptversammlung unter 84 Prozent, reicht der Stiftungsanteil rechnerisch für eine Sperrminorität.

Gegen den größten Aktionär kann der Vorstand die Stahlsparte deshalb kaum abspalten. Gather hatte 2018 im Spiegel eine Zerschlagung des Konzerns noch abgelehnt. Inzwischen trägt die Stiftung den Umbau zur Finanzholding mit und will an TKMS und an der Werkstofftochter tk accelis beteiligt bleiben. Bei beiden Firmen behält Thyssenkrupp die Mehrheit, beim Stahl nicht.

Was spricht laut Gather jetzt für den Schritt?

Die Gründe decken sich mit dem, was die Stahltochter Ende September auf ihrem Kapitalmarkttag vorrechnete. Seit Ende 2025 gilt der Sanierungstarifvertrag mit der IG Metall. Von rund 11.000 Stellen, die wegfallen oder an Dritte gehen sollen, sind rund 4.000 umgesetzt, die Trennung von den Hüttenwerken Krupp Mannesmann ist seit dem Sommer vollzogen. Die seit Juli geltenden EU-Quoten und Zölle erfassen nach Angaben des Unternehmens mehr als 80 Prozent des europäischen Flachstahlmarkts.[3] Eine Verselbstständigung mit eventueller Minderheitsbeteiligung nennt Thyssenkrupp Steel dort ausdrücklich als Ziel.

Ganz ohne Staat kommt der Duisburger Stahl allerdings nicht aus, denn für die Direktreduktionsanlage haben Bund und Land rund zwei Milliarden Euro Förderung zugesagt. Die Absage an Staatshilfe betrifft nur die Trennung vom Konzern. Offen bleibt die Rolle von Jindal: Ende August hatte die Börsen-Zeitung über ein Angebot des indischen Konzerns für 60 Prozent berichtet, im Juli prüfte López laut Manager Magazin einen Börsengang der Stahlsparte.

Mit 21 Prozent hat die Krupp-Stiftung die Abspaltung in der Hand. Ein Ja der Stiftung ersetzt aber weder einen Käufer noch einen Börsengang für den Stahl.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Thyssenkrupp: Wer über den Stahl entscheidet
Die Rolle der Krupp-Stiftung und der Stand der Sparten unter dem Holdingdach
~21 %
Anteil der Krupp-Stiftung am Grundkapital der Thyssenkrupp AG
75 %
des vertretenen Grundkapitals muss einer Abspaltung zustimmen
unter 84 %
Präsenz auf der Hauptversammlung, unterhalb der die Stiftung allein blockieren kann
~2 Mrd. €
Förderung von Bund und Land für die Direktreduktionsanlage in Duisburg
Seit Oktober 2025
TKMS

an der Börse, Thyssenkrupp hält 51 Prozent

2026
tk accelis

Abspaltung des Werkstoffhandels, die Mehrheit bleibt beim Konzern

Ziel
Steel Europe

eigenständig, Thyssenkrupp behält höchstens eine Minderheit

Was bedeutet das für Kunden und Zulieferer?

Thyssenkrupp Steel liefert Flachstahl vor allem an die Autoindustrie. Als eigenständige Firma haftet die Sparte künftig allein, ohne Konzernmutter im Rücken. Prüfen Sie gerne schon jetzt, ob Ihre Lieferverträge eine Kontrollwechsel-Klausel enthalten und an welche Gesellschaft Bürgschaften und Zahlungsziele geknüpft sind.

Einen Termin für eine Abstimmung der Aktionäre hat Thyssenkrupp noch nicht genannt. Der Stellenabbau läuft parallel weiter, der Sozialplan sieht Abfindungen bis zu 220.000 Euro vor. Für das Elektroband aus Duisburg setzt die EU zusätzlich auf Mindestpreise gegen Importe aus China.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. thyssenkrupp AGDie thyssenkrupp Aktie: Aktionärsstruktur (abgerufen am 14.10.2026)
  2. Bundesministerium der Justiz§ 65 UmwG, Beschluß der Hauptversammlung, auf die Spaltung anzuwenden über § 125 UmwG
  3. thyssenkrupp Steel Europe AGCapital Market Day: thyssenkrupp Steel bekräftigt Strategie und nennt Mittelfristziele (Pressemitteilung vom 28.09.2026)

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