DeepSeek steht nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Caijing vor dem Abschluss einer Finanzierungsrunde über rund 100 Milliarden Yuan, umgerechnet 13,4 Milliarden Euro. Geplant waren 50 Milliarden Yuan. Den Preis je Anteil hebt das KI-Labor trotz doppelter Nachfrage nicht an.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie zweite DeepSeek-Finanzierung wuchs laut Caijing binnen knapp zwei Wochen auf das Doppelte, die Bewertung vor dem Geldzufluss liegt weiter bei rund 500 Milliarden Yuan oder 66,8 Milliarden Euro.[1] Bloomberg hatte am 6. Oktober bereits von mindestens 80 Milliarden Yuan berichtet.[2] DeepSeek ließ eine Anfrage von Caijing unbeantwortet.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Caijing sammelt DeepSeek rund 100 Milliarden Yuan ein, doppelt so viel wie geplant.
- Die Bewertung vor der Runde bleibt bei rund 66,8 Milliarden Euro.
- Neu hinzu kommen vor allem Industrieinvestoren wie Geely und ein SMIC-naher Fonds.
- Für den Börsengang in Schanghai sollen Geldgeber ihre Einzelfonds in Blindpools umbauen.
Welche Geldgeber steigen neu ein?

Gründer Liang Wenfeng sucht laut Caijing gezielt Industriepartner aus vor- und nachgelagerten Branchen. Neu auf der Liste stehen Shixi Capital, gegründet unter Beteiligung des Speicherchip-Herstellers GigaDevice, die SMIC-nahe Beteiligungsgesellschaft Zhongxin Juyuan, Legend Capital aus dem Lenovo-Konzern, CPE Yuanfeng und Geely. Neue und alte Anteilseigner steuern je etwa die Hälfte bei.[1]
Unter den Altaktionären stockt der Batteriekonzern CATL am stärksten auf: Statt rund 5 Milliarden Yuan in der ersten Runde will CATL nun etwa 10 Milliarden Yuan zuschießen, rund 1,3 Milliarden Euro. Tencent, IDG Capital, Monolith und Shixiang beteiligen sich ebenfalls erneut. Seit dem Sommer knüpft DeepSeek solche Verbindungen selbst: Das Labor zeichnete im Juli Aktien des Speicherherstellers CXMT und beteiligte sich im August am Börsengang des Roboterbauers Unitree. Ende August lag das Ziel der Runde ohne Stimmrechte für die Geldgeber noch bei rund 50 Milliarden Yuan, verbunden mit fünf Jahren Sperrfrist.
Warum steigt die Bewertung nicht mit?
Zhipu, einer der zwei börsennotierten chinesischen Sprachmodell-Anbieter, verlor laut Caijing seit dem Höchststand knapp 70 Prozent an Wert und kommt noch auf rund 301,8 Milliarden Hongkong-Dollar, etwa 34,4 Milliarden Euro. Die Kursverluste bei Zhipu und MiniMax drücken auf die Preise im privaten Markt. Ein beteiligter Investor nennt die Stimmung kühler als vor zwei Monaten.[1]
Für Altaktionäre ohne Nachschuss hat die feste Vorab-Bewertung eine Kehrseite: Bei 50 Milliarden Yuan frischem Geld hätten die neuen Anteile rechnerisch gut 9 Prozent des Kapitals ausgemacht, bei 100 Milliarden Yuan knapp 17 Prozent. Miao Tianyi, geschäftsführender Partner von Puzhuo Capital, hält die Bewertung nur für haltbar, solange DeepSeek dreistellig wächst und bald einen positiven operativen Cashflow erreicht.
Doppelte Summe zum alten Preis, ohne Stimmrecht und mit Sperrfrist: Die Investoren kaufen sich einen Platz bei DeepSeek, keinen Einfluss.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Finanzierung in zwei Runden
Was ändert der Umbau vor dem Börsengang?
DeepSeek bereitet den Börsengang an der Schanghaier Tech-Börse STAR Market vor, den Antrag will das Unternehmen laut Caijing bis Jahresende stellen, die Notierung ist für 2027 geplant. Ende September begann die begleitende Investmentbank, die Hintergründe der Investoren zu prüfen. Chinas Aufsicht rechnet bei der Zahl der Anteilseigner durch Fonds hindurch bis zu den einzelnen Geldgebern, die Obergrenze liegt bei 200. DeepSeek verlangt deshalb, dass Investoren eigens aufgelegte Einzelfonds in Blindpools umwandeln, die in der Zählung als ein Aktionär gelten.[1]
Für Family Offices und Fonds aus der DACH-Region, die per Zweckvehikel in chinesische KI-Firmen investieren, schrumpft damit der Spielraum. Im Blindpool wählen die Geldgeber das Einzelziel nicht mehr selbst. Die EU zählt anders: Ein Wertpapierangebot an weniger als 150 Privatanleger je Mitgliedstaat bleibt nach der Prospektverordnung prospektfrei, die Zahl der späteren Aktionäre spielt dafür keine Rolle. Unternehmen, die DeepSeek-Modelle einsetzen, gewinnen dagegen: Ein Börsenprospekt würde erstmals geprüfte Zahlen zu Umsatz, Kosten und Eigentümern liefern, die Sie in die Bewertung des Anbieters einbeziehen können.
Quellen
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