Kurz vor dem Börsengang in Hongkong verhandelt der Kimi-Entwickler Moonshot AI laut Reuters mit der ersten Firma seines Gründers. Recurrent AI und mehrere ihrer Investoren fordern einen Ausgleich von 10,5 Prozent der Gründungsanteile. Gründer Yang Zhilin weist die Vorwürfe zurück.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMoonshot AI steht seit 2024 in einem Schiedsstreit mit Recurrent AI, dem Start-up, das Yang 2016 mit dem heutigen Moonshot-Technikchef Zhang Yutao gründete.[1] Neben der Firma selbst beteiligt sich ein Teil ihrer Geldgeber an dem Verfahren. Moonshot lehnte gegenüber Reuters eine Stellungnahme ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Reuters verhandelt Moonshot AI vor dem Börsengang über einen Vergleich mit Recurrent AI und deren Investoren.
- Die Gegenseite fordert laut Reuters 10,5 Prozent der Gründungsanteile, beim Bewertungsstand vom Juni mehr als 625 Millionen Euro.
- Yang Zhilin und Zhang Yutao sollen nach Darstellung von Recurrent AI Technik und Daten ohne Zustimmung zu Moonshot verlagert haben, beide bestreiten das.
- Das Schiedsverfahren läuft seit 2024 in Hongkong.
Worum geht der Streit?

Bei der Gründung von Moonshot im Jahr 2023 erhielt Recurrent AI 9,5 Prozent der Anteile.[1] In einem Anwaltsschreiben vom 11. März, das Reuters einsehen konnte, werfen Recurrent AI und mehrere Investoren Yang und Zhang vor, Moonshot ohne Beschluss des Verwaltungsrats gegründet und Geldgeber falsch informiert zu haben. Laut dem Schreiben wurden im April 2023 Server mit Daten für ein Sprachmodell ohne Genehmigung an eine Moonshot-Tochter übertragen.[2] Reuters fand in dem Brief keine Belege für diese Vorwürfe und konnte sie nicht unabhängig prüfen.
Yang wies die Vorwürfe zurück: Die Gründung von Moonshot sei mit dem Verwaltungsrat von Recurrent AI abgesprochen gewesen. Die Kanzlei MinterEllison, die Yang, Zhang und Moonshot vertritt, nannte die Ansprüche schon im November 2024 rechtlich wie sachlich unbegründet.[1] Gegen Moonshot-Präsidentin Zhang Yutong prüft die Gegenseite laut Reuters ein eigenes Verfahren auf den Kaimaninseln.
Warum drängt der Börsengang auf einen Vergleich?
Die Forderung bemisst sich an den Gründungsanteilen, nicht am heutigen Kapital, das spätere Finanzierungsrunden verwässert haben. Bei der Bewertung von 30 Milliarden Dollar aus der Runde im Juni entsprechen die 10,5 Prozent laut Reuters gut 700 Millionen Dollar, rund 625 Millionen Euro zum Kurs von 0,89 Euro je Dollar (EZB, 9. Oktober 2026).[1] Für den Börsengang in Hongkong peilt Moonshot rund 43,5 Milliarden Euro an. Rechnerisch stiege der Wert der Forderung damit auf rund eine Milliarde Euro.
Ein offener Streit um Eigentum gehört in den Börsenprospekt. Die Informanten von Reuters erwarten nicht, dass er den Börsengang gefährdet. Bleibt er ungelöst, könnten Anleger aber Fragen zu Unternehmensführung, Anteilsverhältnissen und Offenlegung stellen.[1]
Moonshot will an die Börse, während ein Schiedsgericht noch über die eigene Gründung verhandelt. Jede höhere Bewertung verteuert den Vergleich.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Bewertung von Moonshot AI
Was lernen Gründer und Investoren daraus?
Ein Vergleich in Aktien hat Vorbilder. Uber legte 2018 den Streit mit der Google-Schwester Waymo um angeblich mitgenommene Geschäftsgeheimnisse zu Roboterautos bei und überließ Waymo dafür 0,34 Prozent seiner Anteile, damals rund 245 Millionen Dollar wert. Yang bot laut dem Portal 36Kr Anfang 2025 ebenfalls an, Aktien abzugeben, das Angebot blieb aber unter den Erwartungen der Investoren.[3]
Für Gründer und Geldgeber in der DACH-Region zeigt der Fall, wo Beteiligungsverträge Lücken lassen. Wechselt ein Gründer in ein neues Vorhaben, sollten schriftliche Verzichtserklärungen der Altinvestoren und eine klare Zuordnung von Code und Trainingsdaten vorliegen. Vorstände einer Aktiengesellschaft unterliegen hierzulande dem Wettbewerbsverbot nach § 88 AktG, GmbH-Geschäftsführer der von den Gerichten entwickelten Geschäftschancenlehre. Ohne saubere Dokumentation landet die Frage Jahre später beim Schiedsgericht, im ungünstigsten Fall kurz vor einem Börsengang.
Quellen
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