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Rund 750 Beschäftigte in Hagen und Krefeld warten auf einen Käufer für ihre Werke: Swiss Steel will beide Standorte der Deutschen Edelstahlwerke verkaufen und schließen, falls der Verkauf scheitert. In Siegen setzt der Konzern die Stahlerzeugung vorübergehend aus, betroffen sind dort rund 220 Menschen. Vor elf Tagen hatte Konzernchef Frank Koch nur einen weiteren Abbau angekündigt, jetzt stehen die Werke fest.

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Am Dienstag stellte Swiss Steel in Luzern das Programm DEW 2030 vor.[1] An diesem Mittwoch laden Unternehmen und IG Metall die Beschäftigten in Siegen-Geisweid zu Versammlungen ein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hagen mit rund 300 und Krefeld mit rund 450 Beschäftigten sollen verkauft werden, ohne Käufer droht die Schließung.
  • Das Stahlwerk in Siegen pausiert, das Siegener Walzwerk mit rund 700 Beschäftigten bleibt im Verbund.
  • Witten mit mehr als 1.000 Beschäftigten übernimmt die Stahlerzeugung und bekommt Investitionen.
  • Über Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt DEW nun mit den Betriebsräten.

Was plant Swiss Steel an welchem Standort?

Ein Metallring und ein Bund Draht mit einem orangen Anhänger „ZU VERKAUFEN“ auf grauem Boden
DEW sucht Käufer für Drahtwalzwerke in Hagen (300 Mitarbeiter) und Krefeld (450 Mitarbeiter). Bei Scheitern droht Betriebsstillegung

Im Drahtwalzwerk Hagen arbeiten nach Angaben eines Unternehmenssprechers rund 300 Menschen, am Krefelder Standort rund 450. Für beide Werke sucht DEW einen Käufer. Scheitern die Gespräche, will das Unternehmen den Betrieb einstellen, für Hagen nennt Swiss Steel dafür die kommenden Monate als Frist.[1]

In Siegen ruht künftig das Stahlwerk mit rund 220 Beschäftigten, das Walzwerk verarbeitet dann Stahl aus Witten. Bessert sich der Markt, könnte die Schmelze laut Unternehmen wieder anlaufen.

Zusammengerechnet stehen knapp 1.000 Arbeitsplätze zur Disposition, gut ein Drittel der rund 2.700 Beschäftigten in den vier Werken. Swiss Steel spricht von einer Entscheidung, Interessenausgleich und Sozialplan mit den Betriebsräten stehen aber noch aus. Der Umbau soll in Stufen binnen rund zwei Jahren laufen, wo möglich will DEW Versetzungen anbieten.[1]

IG Metall und Betriebsrat wollen die Suche nach einem Käufer unterstützen, sagte die Krefelder Gewerkschaftssekretärin Zanda Grundberg dem WDR.

Warum setzt der Konzern auf Witten?

„Der strukturell kleinere Markt macht diese Neuaufstellung notwendig“, sagt Swiss-Steel-Chef Frank Koch. Die DEW-Werke sind für deutlich größere Mengen gebaut, als der Markt heute abnimmt: Seit 2021 schrumpft der europäische Langstahlmarkt in allen Produktgruppen von DEW, die Fixkosten der vier Standorte bleiben. Hohe Energiekosten und Importdruck belasten die Werke zusätzlich, der EU-Schutzzoll bringt laut Swiss Steel nur kurzfristig Entlastung.[1] Auch ein günstigerer Industriestrompreis brächte keine zusätzlichen Aufträge.

In Hagen hat sich der Absatz zwischen 2018 und 2025 mehr als halbiert. Nach dem Hochwasser im Juli 2021 kamen verlorene Mengen nicht zurück, mehr als 70 Prozent der Kunden stammen aus der Autoindustrie.[1] Witten beliefert dagegen schon heute margenstärkere Märkte wie die zivile Luftfahrt und die Rüstungsindustrie. Mit den gebündelten Mengen sollen Elektrolichtbogenofen und Stranggießanlage nahezu voll ausgelastet laufen und die Kosten je Tonne sinken.

Deutsche Edelstahlwerke: vier Werke, drei Wege
Beschäftigte je Standort und was Swiss Steel mit dem Werk vorhat
rund 300
Beschäftigte im Drahtwalzwerk Hagen: Verkauf geplant, ohne Käufer folgt die Schließung
rund 450
Beschäftigte am Standort Krefeld: Verkauf geplant, ohne Käufer folgt die Schließung
rund 220
Beschäftigte im Stahlwerk Siegen, das vorerst pausiert. Das Walzwerk mit rund 700 Beschäftigten bleibt
über 1.000
Beschäftigte in Witten, wo DEW künftig den Stahl für den Verbund schmilzt und investiert
Wo der Umbau steht
November 2024
Swiss Steel kündigt den Abbau von rund 800 Vollzeitstellen an.
3. Oktober 2026
Konzernchef Frank Koch kündigt weiteren Abbau in Deutschland an, ohne Werke zu nennen.
13. Oktober 2026
Swiss Steel legt das Programm DEW 2030 vor und nennt erstmals die betroffenen Werke.
Als Nächstes
Verhandlungen mit den Betriebsräten über Interessenausgleich und Sozialplan, parallel die Käufersuche.
Bis etwa 2028
Umsetzung in Stufen über rund zwei Jahre.

Was bedeutet der Umbau für Region und Kunden?

Im November 2024 kündigte Swiss Steel den Abbau von rund 800 Vollzeitstellen an.[2] Anfang Oktober deutete Koch weiteren Stellenabbau in Deutschland an, ohne Werke zu nennen.

Die Stahlindustrie an Rhein und Ruhr verliert seit Monaten Kapazität. ArcelorMittal beendet die Stahlerzeugung in Duisburg, als Gründe nennt der Konzern steigende CO2-Kosten und billige Importe. Bei Thyssenkrupp Steel sind rund 4.000 der geplanten 11.000 Stellen abgebaut oder an andere Arbeitgeber übertragen. In Sachsen schließt die Walzengießerei Coswig Ende November.

Abnehmer von Draht aus Hagen und von Stahl aus Krefeld klären jetzt mit DEW, welches Werk ihre Güten künftig liefert. In der Autoindustrie verlangt ein Wechsel des Lieferwerks meist eine neue Freigabe der Teile. Wie viele der knapp 1.000 Stellen bleiben, entscheiden Käufersuche und Sozialplan.

Quellen

2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Swiss Steel GroupSwiss Steel Group positions Deutsche Edelstahlwerke for long-term competitiveness13.10.2026
  2. Swiss Steel GroupSwiss Steel Group consistently implements planned capacity adjustments15.11.2024

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