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Der Düsseldorfer Buch- und Pressehändler Hollmann ist insolvent und schließt zum 1. Dezember alle acht Läden am Flughafen. 51 Beschäftigte verlieren ihre Stelle, die Flächen übernimmt im kommenden Jahr Lagardère Travel Retail. Den Zuschlag für Buch und Presse hatte der Flughafen schon im Dezember 2024 an den französischen Konzern vergeben.

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Hollmann Buch & Presse begann im Dezember 1946 mit einem Handkarren voller Zeitungen. Im 80. Jahr steht bei dem Familienunternehmen statt einer Jubiläumsfeier die Abwicklung an, wie die Rheinische Post berichtet.[1] Geschäftsführer Daniel Seidl, ein Enkel des Gründers Paul Hollmann, sagte über den Entschluss: „Es gab viele Tränen.“[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Hollmann schließt zum 1. Dezember alle acht Läden am Flughafen Düsseldorf, 51 Beschäftigte sind betroffen.
  • Das Amtsgericht Düsseldorf eröffnete am 25. September das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.
  • Die Flächen gehen im kommenden Jahr an Lagardère Travel Retail, das 2024 die Ausschreibung des Flughafens gewann.
  • Gläubiger melden ihre Forderungen bis zum 4. November beim Sachwalter an.

Warum gibt Hollmann nach 80 Jahren auf?

Zeitungspaket auf Metallbox mit Pilotenmütze und orangefarbenem Schild „LETZTER AUFRUF“
Insolvenz wegen Corona-Folgen: Amtsgericht Düsseldorf eröffnet Verfahren gegen Händler mit Läden im Terminal nach Antrag vom Juli

Den Insolvenzantrag stellte Hollmann am 6. Juli. Das Amtsgericht Düsseldorf eröffnete das Verfahren am 25. September wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung.[2] Als Hauptursache nennt Sachwalter Jens M. Schmidt laut Rheinischer Post die Folgen der Corona-Pandemie. Ein Händler, dessen Läden alle im Terminal liegen, verdient nur, solange Reisende kommen.

Das Verfahren läuft in Eigenverwaltung: Die Geschäftsführung bleibt im Amt und wickelt den Betrieb selbst ab, ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht sie dabei.[4] Auf fast 1.000 Quadratmetern verkaufte Hollmann Bücher, Zeitschriften und Geschenke.[1] Seit April 2019 gehört der Händler zur QTRADO-Gruppe, die ihn auch mit Presse beliefert.[5]

Was hat die Lagardère-Konzession damit zu tun?

Im Dezember 2024 vergab der Flughafen Düsseldorf nach einer europaweiten Ausschreibung eine Master-Konzession für Buch und Presse, Souvenirs und Reisebedarf an Lagardère Travel Retail.[3] Bei diesem Modell bündelt der Flughafen eine ganze Warengruppe bei einem Betreiber, statt die Flächen an mehrere Händler zu verpachten. Lagardère kündigte elf neue Läden an, acht davon unter der Marke Relay, und nannte Hollmann als regionalen Partner für Presse und Buch.[3]

Die angekündigte Partnerschaft bewahrte Hollmann nicht vor der Insolvenz. Ob die neue Vergabe den Umsatz der eigenen Hollmann-Läden geschmälert hat, haben weder der Sachwalter noch der Flughafen öffentlich erklärt. Laut Rheinischer Post übernimmt Lagardère die Flächen im kommenden Jahr, und Seidl rechnet damit, dass ein Großteil der Gekündigten dort unterkommt.[2] Die Beschäftigten müssen sich bei Lagardère allerdings neu bewerben.

Hollmann: Aus für acht Läden am Flughafen Düsseldorf
Betroffene und Fristen des Insolvenzverfahrens, Stand 13. Oktober 2026
51
Beschäftigte verlieren ihre Stelle und müssen sich beim neuen Betreiber bewerben
8
Läden für Bücher, Presse und Geschenke schließen zum 1. Dezember
fast 1.000
Quadratmeter Verkaufsfläche bespielte Hollmann im Flughafen
1946
gründete Paul Hollmann den Zeitungsgroßhandel, aus dem das Flughafengeschäft hervorging
Vom Zuschlag bis zur Schließung
19. Dezember 2024
Lagardère gewinnt die Master-Konzession für Buch, Presse, Souvenirs und Reisebedarf.
6. Juli 2026
Hollmann beantragt beim Amtsgericht Düsseldorf die Insolvenz.
25. September 2026
Das Gericht eröffnet das Verfahren in Eigenverwaltung.
4. November 2026
Frist für Gläubiger, Forderungen beim Sachwalter anzumelden.
1. Dezember 2026
Alle acht Hollmann-Läden am Flughafen schließen.

Was folgt für Gläubiger und andere Händler?

Für Lieferanten und Verlage läuft eine Frist: Forderungen nimmt der Sachwalter bis zum 4. November entgegen, die Gläubigerversammlung tagt am 25. November um 10 Uhr am Amtsgericht Düsseldorf.[2] Grossisten mit offenen Rechnungen sollten die Anmeldefrist deshalb nicht verstreichen lassen.

Hollmann reiht sich in eine Serie von Handelspleiten in Nordrhein-Westfalen ein. Für die Düsseldorfer Warenhauskette Galeria bewilligte die Arbeitsagentur gerade Insolvenzgeld für 9.650 Beschäftigte, der Oberhausener Filialist Kodi schließt 43 Filialen. Am Flughafen entscheidet allerdings die Konzession über die Fläche, nicht ein Mietvertrag. Geht die Konzession an einen Konzern, verliert der Mittelständler seinen Standort auch ohne Kündigung durch einen Vermieter.

Händler an Flughäfen oder Bahnhöfen sollten deshalb früh prüfen, wann ihre Konzession ausläuft und ob der Betreiber Warengruppen neu bündeln will. Eine Kooperation mit dem künftigen Hauptkonzessionär sichert den eigenen Laden nicht automatisch, wie der Fall Hollmann zeigt.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Rheinische PostHollmann Buch & Presse: Düsseldorfer Traditionshändler ist insolvent12.10.2026
  2. t-online DüsseldorfInsolvenz am Flughafen Düsseldorf: Traditionsunternehmen schließt acht Geschäfte13.10.2026
  3. Lagardère Travel RetailLagardère Travel Retail gewinnt nach europaweiter Ausschreibung eine Travel Essentials master concession mit elf neuen Stores am Flughafen Düsseldorf19.12.2024
  4. Bundesministerium der Justiz§ 270 InsO, Grundsatz
  5. Hollmann Buch & PresseÜber uns (abgerufen am 13.10.2026)

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