Artikel teilen

Rank-Tracker erhalten von Google seit September Trefferlisten, auf denen die üblichen Websites fehlen. Der Tool-Anbieter Nozzle zählte seit dem 13. September 8,0 Prozent solcher Listen, in Österreich 18,8 Prozent. Ein Absturz im Ranking-Report kann deshalb ein Messfehler sein.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Beim Rank-Tracking für die Suchanfrage „white label local seo“ lieferte Google zunächst Anbieter von White-Label-SEO, drei Tage später ein Steakhouse in Jackson Hole und das Regierungsportal USA.gov.[1] Das Beispiel stammt aus einer Auswertung von 27,5 Millionen Trefferlisten, die Nozzle am 12. Oktober veröffentlichte. Der deutsche Anbieter SISTRIX beschreibt dasselbe Phänomen als branchenweites Problem.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Nozzle zeigten seit dem 13. September 8,0 Prozent der Trefferlisten überwiegend andere Websites als üblich, zuvor 0,17 Prozent.
  • Für Österreich maß Nozzle 18,8 Prozent, für die Schweiz 12,8 Prozent und für Deutschland 4,3 Prozent.
  • SISTRIX veröffentlicht nur noch mehrfach geprüfte Daten und hat die Aktualisierung auf Anforderung abgeschaltet.
  • Google hat die abweichenden Trefferlisten bislang nicht öffentlich kommentiert.

Was steht auf den falschen Trefferlisten?

Klemmbrett mit Liniengrafik, die einen Einbruch zeigt, markiert mit „Messfehler?“
Manipulierte Suchergebnisse ohne Fehlermeldung. Nozzle erkennt Vergiftung, wenn weniger als 50% der üblichen Websites erscheinen. Betroffene Listen zeigen nur 20,7% statt vorher 88,5% der Websites

Die abweichenden Seiten sehen aus wie echte Suchergebnisse, ohne Fehlermeldung und ohne Captcha.[1] Nozzle wertet eine Liste als vergiftet, sobald weniger als die Hälfte der für ein Keyword üblichen Websites darauf erscheint und die fehlenden Websites später zurückkehren. Auf solchen Listen standen im Schnitt nur 20,7 Prozent der Websites aus der vorherigen Abfrage, vor der Störung 88,5 Prozent.

In die Lücken rückten Reddit, Facebook, LinkedIn, Instagram und Quora. Die Website, deren Rankings ein Tool überwachte, fehlte auf 58,6 Prozent der vergifteten Listen in den Top 10, vor der Störung nur auf 2,7 Prozent. Stabil blieben allein die bezahlten Plätze: Anzeigen zeigten sogar häufiger dieselben Werbetreibenden wie in der vorherigen Abfrage, 83,7 statt 70,6 Prozent.[1]

Warum sperrt Google die Datensammler aus?

Nozzle beschreibt zwei Phasen: Ab dem 13. September scheiterten Abfragen bei Google massenhaft, ab dem 20. September kamen die durchgelassenen Abfragen teils mit ausgetauschten Treffern zurück. Vom 27. bis 29. September war ein Viertel aller Listen vergiftet, seit Oktober liegt die Quote bei 5 bis 11 Prozent pro Tag.[1]

SISTRIX vermutet hinter der Sperre KI-Konkurrenz: Google wolle Wettbewerbern wie ChatGPT den Zugriff auf den Suchindex erschweren und verhindern, dass Suchergebnisse ins Training offener KI-Modelle fließen.[2] Rank-Tracker sammeln Trefferlisten auf demselben Weg wie KI-Scraper, oft über private IP-Adressen aus Proxy-Netzen, und geraten deshalb mit in den Filter.

Die falschen Listen setzen eine Serie von Sperren fort. Im September 2025 strich Google den Parameter num=100, seitdem braucht eine Liste mit 100 Treffern zehn Abfragen statt einer.[2] Seit dem Sommer leitet Google zudem jeden Klick über eine /goto-Umleitung, die Tools einzeln auflösen müssen. Parallel ging der Konzern juristisch gegen das Auslesen vor und scheiterte im Juli mit einer DMCA-Klage gegen den Suchdaten-Anbieter SerpApi.

Falsche Trefferlisten für Ranking-Tools
Nozzle-Auswertung von 27,5 Millionen Google-Trefferlisten, 20. August bis 9. Oktober 2026
8,0 %
der Trefferlisten seit dem 13. September vergiftet, davor 0,17 %
58,6 %
der vergifteten Listen ohne die eigene Website des Projekts in den Top 10, sonst 2,7 %
77,9 %
der vergifteten Listen zeigten binnen drei Tagen wieder die üblichen Websites

Anteil vergifteter Trefferlisten nach Zielland

Österreich
18,8 %
Schweiz
12,8 %
USA
8,5 %
Deutschland
4,3 %
Großbritannien
3,0 %

Zeitraum 13. September bis 9. Oktober 2026, Desktop und Mobilgeräte zusammen.

Google sperrt KI-Scraper aus und trifft dabei die Werkzeuge, mit denen Agenturen ihren Kunden Rechenschaft ablegen.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Zitat teilen

Was sollten SEO-Teams jetzt prüfen?

In die Spitzenphase fiel auch das Spam-Update vom September, das vom 24. September bis zum 8. Oktober lief.[3] Echte Verluste und Messfehler sehen in diesen Wochen im Report gleich aus.

  • Search Console gegenprüfen: Zeigt die Google Search Console unveränderte Impressionen und Klicks, ist der Website laut Nozzle nichts passiert.[1]
  • Drei Tage abwarten: 77,9 Prozent der vergifteten Listen enthielten binnen drei Tagen wieder die üblichen Websites.
  • Gegen die Historie vergleichen: Der Abgleich mit den üblichen Top-10-Websites der Vorwochen trennt Datenfehler sicherer von echten Verlusten als der Blick auf den Vortag.
  • Datum der Messung lesen: SISTRIX zeigt bei nicht bestandener Prüfung den letzten geprüften Stand, erkennbar am Aktualisierungsdatum.[2]

Agenturen, die Rankings in Österreich oder der Schweiz messen, trifft die Störung am stärksten. Schwankungen im Reporting erklären diese Agenturen am besten, bevor der Kunde nachfragt. Einen Überblick über die Werkzeuge gibt unser SEO-Tools-Vergleich.

FAQ: Rank-Tracking und falsche Trefferlisten

Was ist ein Rank-Tracker?

Ein Rank-Tracker ist ein SEO-Werkzeug, das regelmäßig die Google-Position einer Website für festgelegte Suchbegriffe abfragt. Das Tool ruft die Suchergebnisseiten automatisiert ab, oft täglich und getrennt nach Land, Stadt und Gerät.

Warum zeigt mein SEO-Tool einen Absturz, den die Search Console nicht zeigt?

Seit September liefert Google automatisierten Abfragen teils Trefferlisten mit ausgetauschten Websites. Laut Nozzle fehlte die eigene Website dann in 58,6 Prozent der Fälle in den Top 10. Bleiben Impressionen und Klicks in der Search Console stabil, liegt ein Messfehler nahe.

Ist der Sichtbarkeitsindex von SISTRIX noch verlässlich?

SISTRIX nennt Top-10-Rankings und Sichtbarkeitsindex weiterhin verlässlich. Der Anbieter veröffentlicht seit September nur mehrfach geprüfte Ergebnisse, aktualisiert manche Keywords deshalb seltener und hat die Aktualisierung auf Anforderung abgeschaltet.

Was hat die Abschaffung von num=100 verändert?

Mit dem Parameter num=100 ließen sich bis September 2025 die ersten 100 Google-Treffer mit einer einzigen Abfrage laden. Seitdem liefert Google höchstens zehn Treffer pro Abfrage, Ranking-Tools brauchen für 100 Positionen also zehn Abfragen.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. NozzlePoisoned Google SERPs
  2. SISTRIXWarum sich die Erfassung von Google-Rankings verändert
  3. Google Search Status DashboardSeptember 2026 spam update

Mehr Newshunger?

4,2 23 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?