Next2Sun aus Dillingen an der Saar hat für zwei seiner Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Der Agri-PV-Anbieter stellt Solarmodule senkrecht auf landwirtschaftliche Flächen, seine Gruppe beschäftigt mehr als 140 Menschen. Vorausgegangen war eine gescheiterte Kapitalrunde. Für die 2024 beschlossene höhere Agri-PV-Vergütung fehlt zudem bis heute die Genehmigung der EU-Kommission.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Antrag ging am 5. Oktober beim Amtsgericht Saarbrücken ein.[1] „Ganz ohne Personalabbau wird’s wahrscheinlich nicht gehen“, sagte Geschäftsführer Sascha Krause-Tünker der Bild.
Das Wichtigste in Kürze
- Insolvenz beantragt haben zwei Gesellschaften, die Next2Sun AG und die Projektgesellschaften arbeiten ohne Verfahren weiter.
- Die Aktienemission brachte zu wenig verbindliches Kapital, Anlegergeld nimmt Next2Sun deshalb nicht an.
- Die höhere Agri-PV-Vergütung aus dem Solarpaket I hängt seit Mai 2024 am Beihilfevorbehalt, Berlin und Brüssel sind über eine Rückholklausel uneins.
Welche Teile von Next2Sun sind insolvent?

Der Antrag betrifft die Next2Sun Technology GmbH und die Next2Sun Mounting Systems GmbH. Nicht betroffen sind nach jetzigem Stand die Next2Sun AG, die Next2Sun Projekt GmbH und die Betreibergesellschaften fertiger Agri-PV-Anlagen. Auch die beiden insolventen Firmen sollen den Geschäftsbetrieb fortführen, während Next2Sun laufende Projekte auf ihre Wirtschaftlichkeit prüft und weiter Investoren sucht.[1]
In der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsleitung im Amt und saniert unter Aufsicht eines Sachwalters. Bislang ist das Verfahren beantragt, über die Eröffnung entscheidet das Amtsgericht. Vorstand Heiko Hildebrandt will „alles daransetzen, die vorhandenen Chancen für eine Fortführung und Sanierung des Unternehmens zu nutzen“.[1]
Warum reichte das Kapital nicht?
Mitte September hatte die laufende Aktienemission erst einen Bruchteil des angestrebten Volumens erreicht. Next2Sun senkte die Mindestzeichnung auf 600 Euro und warb gezielt um Privatanleger, weil institutionelle Geldgeber im derzeitigen Marktumfeld nicht zu gewinnen seien.[2] Ende September lagen laut Bild Zeichnungen und Finanzierungsangebote über mehr als fünf Millionen Euro vor, zwei größere Zusagen waren aber nicht ausreichend abgesichert.
Krause-Tünker beziffert das Wachstum der Gruppe von 2021 bis 2024 auf im Schnitt gut 80 Prozent, 2024 habe Next2Sun bei mehr als 26 Millionen Euro Gesamtleistung die operative Gewinnschwelle erreicht. Die Belastungen im Jahr 2025 führt Next2Sun auf die ausgebliebene Agri-PV-Förderung zurück, außerdem auf Investoren und Banken, die bei Finanzierungen für erneuerbare Energien zögern.[2]
Woran hängt die Agri-PV-Förderung in Brüssel?
Das Solarpaket I trat im Mai 2024 in Kraft und sieht unter anderem höhere Vergütungen für Agri-PV vor. Anwenden darf die Bundesnetzagentur die neuen Ausschreibungsregeln nach § 101 EEG erst, wenn die EU-Kommission sie beihilferechtlich genehmigt hat. Bis dahin gilt das EEG in der Fassung vom 15. Mai 2024. Zum Gebotstermin am 1. Juli 2026 fehlte die Genehmigung weiterhin.[3]
Streitpunkt ist eine Rückholklausel. Die Kommission verlangt einen Mechanismus, der zu viel gezahlte Förderung bei hohen Strompreisen zurückholt. Das Bundeswirtschaftsministerium hält ihn laut Bild erst ab Mitte 2027 für nötig, geeinigt haben sich beide Seiten bisher nicht.
Auch die Stadtwerke Heidenheim verschoben 2025 wegen der fehlenden Genehmigung den Bau einer Agri-PV-Anlage mit 30 Megawatt Spitzenleistung in Altheim, wie die Fachzeitung ZfK berichtete. Der Leipziger Solaranbieter EKD hatte bereits am 2. Oktober Insolvenz beantragt, allerdings als Anbieter von Anlagen für Hausdächer.
Was bedeutet das Verfahren für Beschäftigte und Kunden?
Ausstehende Löhne der Beschäftigten beider Gesellschaften sichert das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit für bis zu drei Monate vor der Verfahrenseröffnung. Wie viele der mehr als 140 Stellen auf die beiden Firmen und auf Dillingen entfallen, hat Next2Sun nicht mitgeteilt.
Landwirte und Stadtwerke mit Next2Sun-Anlagen prüfen jetzt am besten, mit welcher Gesellschaft ihr Vertrag besteht. Bei Verträgen mit der nicht insolventen Projektgesellschaft ändert der Antrag zunächst nichts. Forderungen gegen eine der beiden insolventen Firmen melden Gläubiger nach der Eröffnung beim Sachwalter an. Projektierer neuer Agri-PV-Anlagen kalkulieren bis zu einer Einigung über die Rückholklausel weiter mit der Vergütung nach altem Recht.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Next2SunTrotz breiter Unterstützung: Next2Sun beantragt Insolvenzverfahren für Teile der Unternehmensgruppe
- Next2SunTechnologie gefragt wie nie, Kapital knapp wie selten: Next2Sun kämpft um seine Zukunft
- BundesnetzagenturAusschreibung Solaranlagen erstes Segment: Gebotstermin 1. Juli 2026 (Stand 18.08.2026)
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