Der Leipziger Solaranbieter Energiekonzepte Deutschland hat am 2. Oktober Insolvenz beantragt, nach mehr als 45.000 installierten Anlagen seit 2018. Der Londoner Eigentümer Pemberton stellt kein weiteres Geld bereit. Ein Käufer müsste auf einen Markt setzen, in dem ab 2027 die Einspeisevergütung für neue Dachanlagen wegfallen soll.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Insolvenz von Energiekonzepte Deutschland (EKD) trifft einen Solaranbieter, der zuletzt rund 1.000 Anlagen im Monat auf Hausdächer montierte. Beim Amtsgericht Leipzig beantragte die Energiekonzepte Deutschland GmbH am Freitag die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte den Antrag gegenüber dem Fachmagazin pv magazine.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- EKD spricht von rund 400 betroffenen Beschäftigten, Handelsblatt und MDR nennen 340.
- Das Insolvenzgeld sichert vorerst Löhne und Gehälter, der Betrieb an den mehr als 15 Standorten läuft weiter.
- Für neue Dachanlagen soll 2027 die feste Einspeisevergütung enden, der Branchenverband BSW-Solar rechnet mit einem Nachfrageeinbruch.
Wie weit ist das Insolvenzverfahren?

Das Verfahren steht auf der ersten Stufe: Der Antrag liegt beim Amtsgericht, eine Eröffnung steht noch aus. In den kommenden Wochen prüft EKD mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, ob ein Investor, ein Umbau oder der Verkauf einzelner Sparten das Unternehmen ganz oder teilweise erhält.[2]
Laut Handelsblatt sollen insgesamt sieben Gesellschaften der Gruppe Anträge stellen, darunter die Holding und die Montagegesellschaft. Bestätigt hat EKD bisher nur den Antrag der GmbH. Ende 2025 hatte EKD bereits 86 Beschäftigten gekündigt und Berichte über eine drohende Insolvenz damals zurückgewiesen.[2]
Pemberton übernahm EKD 2025 und setzte eine neue Führung ein, seit Juli 2025 leitet Christian Arnold das Unternehmen.[1] EKD unterhält Standorte in Essen, Göttingen, Gifhorn, Baar-Ebenhausen und weiteren Orten, die Zentrale sitzt in Leipzig.
Warum scheitert EKD, obwohl der Solarzubau wächst?
Pemberton nennt einen erheblichen und anhaltenden Rückgang im Geschäft mit Solaranlagen für Privathaushalte. Die Zahlen des BSW-Solar stützen diese Diagnose: Im ersten Quartal 2026 sank der Zubau im Heimsegment unter 30 Kilowattpeak gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 21 Prozent. Solarparks auf Freiflächen legten im selben Quartal um 20 Prozent zu.[3]
Im ersten Halbjahr wuchs der Zubau gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar um rund neun Prozent auf 7,4 Gigawattpeak. Der Verband führt das Plus aber auf Sondereffekte zurück: den Wunsch nach Unabhängigkeit in der Energiekrise und Vorzieheffekte vor dem angekündigten Förderende.[4] Ein Installateur für Einfamilienhäuser bezahlt in dieser Phase Monteure und Vertrieb für eine Nachfrage, die ab 2027 deutlich schrumpfen dürfte.
Nach der EEG-Novelle, die das Bundeskabinett am 29. Juli beschlossen hat, erhalten neue Dachanlagen ab dem 1. Januar 2027 keine feste Einspeisevergütung über 20 Jahre mehr. Nach Umfragen des BSW-Solar unter Immobilienbesitzern und in der Branche würden die Pläne die Nachfrage von Privathaushalten und Kleingewerbe um mehr als zwei Drittel einbrechen lassen.[5] E.ON füllt die Lücke mit einem eigenen Bonusmodell, verlangt dafür aber Steuerrechte über Speicher und Wärmepumpe.
Solarparks wachsen um 20 Prozent, Dachanlagen auf Eigenheimen verlieren 21 Prozent. EKD hat vor allem auf das schrumpfende Segment gesetzt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Antrag für Kunden und Partnerbetriebe?
Für Kunden bleibt der Kundenservice die Anlaufstelle, teilte EKD mit.[2] Geleistete Anzahlungen für noch nicht montierte Anlagen werden im eröffneten Verfahren zur Insolvenzforderung, sofern der Verwalter den Vertrag nicht erfüllt. Herstellergarantien auf Module und Wechselrichter gelten unabhängig vom Installateur weiter.
Handwerksbetriebe, die für EKD montieren, sollten neue Aufträge bis zur Eröffnung nur gegen eine schriftliche Zahlungszusage des vorläufigen Verwalters annehmen. Hausbesitzer mit offenen EKD-Aufträgen prüfen am besten jetzt, ob ein anderer Installateur die Anlage noch 2026 ans Netz bringt. Nach dem Kabinettsbeschluss behalten nur Anlagen, die bis Jahresende in Betrieb gehen, die bisherige Einspeisevergütung.
Die Leipziger Pleite reiht sich in eine Serie großer Insolvenzen ein, vom Batteriehersteller Varta in Ellwangen bis zur Warenhauskette Galeria.
Quellen
[1] Energiekonzepte Deutschland: „News“, darunter „CEO-Wechsel bei Energiekonzepte Deutschland“ (15.07.2025) (abgerufen am 05.10.2026)
[2] pv magazine: „Energiekonzepte Deutschland stellt Insolvenzantrag“ (02.10.2026)
[3] Bundesverband Solarwirtschaft: „Schwacher Photovoltaik-Jahresauftakt“ (02.05.2026)
[4] Bundesverband Solarwirtschaft: „Photovoltaik wächst, Solarbranche warnt vor politischer Ausbaubremse“ (14.07.2026)
[5] Bundesverband Solarwirtschaft: „EEG-Novelle und Netzpaket gefährden Solarausbau“ (24.07.2026)
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