Die Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf zum vierten Mal seit 2020 Insolvenz beantragt. Der Betrieb in den 83 Filialen läuft vorerst weiter, für rund 12.000 Beschäftigte ist offen, welche Häuser schließen. Im Juni hatte Galeria noch eine Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro erhalten.

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Die neue Galeria-Insolvenz kommt wenige Wochen vor dem Weihnachtsgeschäft, in dem Warenhäuser einen großen Teil ihres Jahresumsatzes machen. In einer Mitteilung erklärte Galeria, der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die Lage zu ordnen und das Unternehmen zu stabilisieren.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt, nach 2020, 2022 und 2024 zum vierten Mal.
  • Alle 83 Warenhäuser bleiben vorerst geöffnet, für rund 12.000 Beschäftigte sind Insolvenzgeld und Schließungen offen.
  • Im Juni hatte der US-Finanzierer Gordon Brothers eine durch die Ware besicherte Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro bereitgestellt.

Was steht fest, was ist noch offen?

Eine Rolltreppe mit einem daran befestigten orangen Schild mit der Aufschrift „VORERST GEÖFFNET“
Galeria beantragt Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Düsseldorf. Gericht ernennt vorläufigen Insolvenzverwalter. Eigenverwaltung unklar

Mit dem Antrag steht Galeria auf der ersten Stufe des Verfahrens: Das Amtsgericht Düsseldorf entscheidet über die Eröffnung und setzt zunächst einen vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Ob Galeria eine Eigenverwaltung anstrebt, ließ das Unternehmen offen.[1]

Ungeklärt ist, ob die Belegschaft Insolvenzgeld erhält und welche Standorte schließen müssen.[1] Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz.

Warum steht Galeria vier Monate nach dem Rettungskredit wieder vor Gericht?

Die Kreditlinie von Gordon Brothers sollte einen laufenden Kredit ablösen und offene Mieten begleichen. Als Sicherheit dient die Ware in den Filialen. Geknüpft ist die Finanzierung an einen dreijährigen Sanierungsplan mit weiteren Schließungen.[1] Schon im April blieben Mieten aus.

Bei einer warenbesicherten Kreditlinie richtet sich der verfügbare Rahmen nach dem Wert des Lagerbestands. Sinkt der Bestand, schrumpft auch der abrufbare Kredit. Ein Teil des Geldes war von Beginn an für alte Verbindlichkeiten verplant und fehlte für Sortiment und Umbauten. Im Herbst bezahlen Händler zudem die Ware für Weihnachten, Wochen bevor die Kassen klingeln.

Jedes bisherige Verfahren endete mit Schließungen: Nach dem ersten schloss die Kette laut ver.di 47 Filialen, nach dem zweiten rund 40 weitere, 2024 dann 9 von 92.[2] In den bisherigen Verfahren verzichteten die Gläubiger auf Milliardenforderungen. Das Handelsforschungsinstitut EHI beziffert den Nettoumsatz 2019 auf 4,5 Milliarden Euro und 2025 auf noch 2 Milliarden Euro.[1] Schwache Konsumlaune und der Onlinehandel bis hin zu Temu und Shein ziehen Kundschaft aus den Innenstädten ab.

Galeria: vier Insolvenzanträge in sechs Jahren
Filialen, Beschäftigte, Finanzierung und Umsatz im Überblick
83
Warenhäuser bleiben vorerst geöffnet, 33 davon stehen seit Juli auf dem Prüfstand
12.000
Beschäftigte warten auf Klarheit über Insolvenzgeld und Schließungen
bis zu 160 Mio. €
Kreditlinie von Gordon Brothers aus dem Juni 2026, besichert durch die Ware
4,5 → 2 Mrd. €
Nettoumsatz 2019 mit 174 Filialen gegenüber 2025 laut EHI
Vier Anträge, drei Schrumpfrunden
2020
Erster Antrag, danach schließen 47 Filialen.
2022
Zweiter Antrag, rund 40 weitere Häuser schließen.
2024
Dritter Antrag nach der Signa-Pleite, 9 von 92 Häusern schließen.
Oktober 2026
Vierter Antrag in Düsseldorf, Zukunft der 83 Häuser offen.

Drei Insolvenzen haben Galeria von Milliardenschulden befreit, aber kein Warenhaus hervorgebracht, für das die Kundschaft wieder in die Innenstadt fährt. Ein vierter Neustart muss deshalb mit deutlich weniger als 83 Häusern rechnen.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet der Antrag für Beschäftigte, Vermieter und Lieferanten?

Für die Belegschaft zählt zuerst das Insolvenzgeld: Die Bundesagentur für Arbeit ersetzt damit den ausgefallenen Nettolohn für bis zu drei Monate vor der Eröffnung des Verfahrens. „Mit jedem Eigentümerwechsel wurde zu wenig ins Unternehmen investiert“, kritisierte ver.di-Vorstandsmitglied Silke Zimmer schon nach der Kreditzusage im Sommer.[2]

Vermieter der 33 Häuser auf dem Prüfstand sollten jetzt Nachnutzungen planen. Im Insolvenzverfahren kann der Verwalter Mietverträge mit einer Frist von drei Monaten zum Monatsende kündigen, unabhängig von der vereinbarten Laufzeit. Lieferanten geben Ware im vorläufigen Verfahren am besten nur gegen Vorkasse oder mit Zusage des vorläufigen Verwalters heraus und melden Altforderungen nach der Eröffnung zur Insolvenztabelle an.

Galeria ist im Einzelhandel kein Einzelfall: Allianz Trade zählte zwischen Juni 2025 und Mai 2026 gut 2.600 insolvente Händler.[1] Zuletzt schloss der Discounter Kodi 43 Filialen und seine Zentrale in Oberhausen, die Baumarktkette Hellweg wird abgewickelt. Für 2026 rechnen Fachleute mit mehr als 500 Großinsolvenzen.

Quellen

[1] Stuttgarter Zeitung (dpa): „Galeria stellt abermals Insolvenzantrag“ (02.10.2026)

[2] ver.di: „Galeria 2026: Droht jetzt die vierte Insolvenz?“

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