Seit dem 1. Juli fällt auf jedes Billigpaket aus China ein Zoll von drei Euro pro Artikel an. Im zweiten Quartal 2026 kostete dieser Zoll Temu, Shein und AliExpress erstmals messbar Reichweite. Für deutsche Onlinehändler verschiebt sich damit die Kalkulation der Billigkonkurrenz.

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Der neue EU-Zoll auf Kleinsendungen trifft die großen China-Shops an ihrem wundesten Punkt, dem Preis. Allein in Frankreich verlor Temu binnen eines Quartals mehr als drei Millionen Besucher und rutschte hinter Booking.com. Hinter dem Rückgang steht das Ende einer Zollfreigrenze, die das Geschäftsmodell erst möglich machte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU auf jedes Paket unter 150 Euro aus Drittländern einen Pauschalzoll von 3 Euro pro Artikel; die frühere Zollfreigrenze ist gestrichen.
  • Im zweiten Quartal 2026 verloren Temu und AliExpress in Frankreich deutlich an Reichweite; in Ungarn kamen rund 750.000 Kleinpakete aus Drittländern weniger an.
  • 2024 gelangten 4,6 Milliarden solcher Kleinsendungen in die EU, rund 12 Millionen pro Tag, 91 Prozent davon aus China.
  • Geplant ist zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr von 2 Euro je Sendung; ab 2028 soll die 150-Euro-Grenze mit dem EU-Zolldatenraum ganz fallen.

Warum bricht das Billigpreis-Modell?

Paket unter Schranke, daneben Holzschild mit
Temu, Shein und AliExpress nutzten Zollfreigrenze für Waren unter 150 Euro. EU führt ab Juli 2026 Pauschalzoll von 3 Euro pro Artikel ein

Das Geschäftsmodell von Temu, Shein und AliExpress ruhte auf einer Zollfreigrenze. Ware unter 150 Euro ließ sich direkt aus chinesischen Fabriken verschicken, ohne die Einfuhrabgaben, die europäische Händler längst tragen. Genau diese Lücke hat die EU zum 1. Juli 2026 geschlossen und einen Pauschalzoll von 3 Euro pro Artikel eingeführt, befristet bis Mitte 2028.[1]

Der Aufschlag wirkt dort am härtesten, wo die Shops am stärksten sind: bei Kleinstpreisen. Auf einen Artikel für fünf Euro schlägt der Zoll rund 60 Prozent auf, und der Vorsprung gegenüber dem hiesigen Handel schmilzt. Die EU-Kommission zählte 2024 rund 4,6 Milliarden solcher Kleinpakete, zwölf Millionen täglich, 91 Prozent davon aus China.[2]

Wie stark trifft es Temu, Shein und AliExpress?

Die ersten Quartalszahlen zeigen den Effekt. Der Marktforscher Médiamétrie registrierte für Temu in Frankreich einen Verlust von über drei Millionen Besuchern binnen drei Monaten, auch AliExpress büßte Reichweite ein; Shein hielt sich nur im Quartalsvergleich. Der Werbedienstleister smec beobachtete parallel, dass Temu seine Sichtbarkeit in Google Shopping zwischen März und Juni halbierte und Shein sich fast vollständig aus den Anzeigen-Auktionen zurückzog.

Die Plattformen reagieren unterschiedlich. AliExpress rückt von der reinen Billigware ab und setzt stärker auf Markenprodukte, während Temu sein Lager in Europa ausbaut und selbst zum Erstanbieter wird. Shein wiederum spürt den Druck bis in die Bewertung, die den Börsengang in Hongkong belastet. Vorgemacht hat den Bruch der US-Markt, der seine eigene Zollfreigrenze schon 2025 kippte.

Die Zollfreigrenze war das Fundament der Billigimporte, nicht ein Detail am Rand. Fällt sie in Stufen weg, verschwindet der Preisvorsprung, auf dem das ganze Modell steht.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der EU-Zoll und die China-Shops in Zahlen

Was sich seit dem 1. Juli 2026 für Billigimporte geändert hat

3 €
Pauschalzoll pro Artikel seit dem 1. Juli 2026, befristet bis Mitte 2028
4,6 Mrd.
Kleinpakete unter 150 Euro kamen 2024 in die EU, 91 Prozent davon aus China
12 Mio.
solcher Pakete erreichten die EU im Schnitt an jedem Tag
−3 Mio.
Besucher verlor Temu in Frankreich binnen eines Quartals (Q2 2026)
2 €
geplante Bearbeitungsgebühr je Sendung, Höhe und Termin noch offen

Was bedeutet der EU-Zoll für den DACH-Handel?

Für deutsche Unternehmen endet die Schonzeit nicht am 1. Juli. Auf den Pauschalzoll soll eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr von rund zwei Euro je Sendung folgen, deren Höhe und Termin die EU-Kommission noch festlegt.[2] Ab 2028 soll die 150-Euro-Grenze mit dem geplanten EU-Zolldatenraum vollständig fallen, dann greifen die regulären Einfuhrsätze.[1]

Für den heimischen Handel kippt damit ein jahrelanger Wettbewerbsnachteil. Inländische Händler zahlen Mehrwertsteuer und Zoll, lassen ihre Ware prüfen und konkurrieren nicht länger gegen abgabenfreie Direktimporte, ein Muster, das auch der Streit um Plattformhaftung und Produktfälschungen begleitet.

Onlinehändler stellen ihre Kalkulation jetzt am besten auf die neuen Landekosten um, prüfen Sortimente mit Kleinstpreisen und verfolgen die Preise der China-Shops, deren Vormarsch die Innenstädte ohnehin verändert. Der Preiskampf endet nicht, aber er läuft künftig auf gleicher Abgabenhöhe.

FAQ: EU-Zoll auf Billigpakete aus China

Quellen

[1] Europäische Kommission, Generaldirektion Steuern und Zollunion: „Guidance and legal text on temporary flat fee on low-value imports which will apply until 1 July 2028″

[2] Europäisches Parlament: „EU targets low-value imports via e-commerce platforms“

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