Die Hellweg-Insolvenz verteilt die Karten im deutschen Baumarktmarkt neu. Von 114 Märkten der Kette und ihrer Schwester BayWa Bau & Garten haben 35 einen Käufer gefunden: Hornbach nimmt sechs, Obi bis zu zwölf, dazu greifen Bauhaus und Hagebau zu. Standorte ohne Investor schließen bis Ende November 2026.

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Die Hellweg-Insolvenz kommt in die Verkaufsphase. Mitte Juni 2026 hatte die Baumarktkette am Amtsgericht Essen Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, jetzt steht fest, wer welche Filialen bekommt. Für den börsennotierten Baumarktbetreiber Hornbach und die Rivalen Obi, Bauhaus und Hagebau bietet die Zerschlagung eine günstige Gelegenheit, das eigene Filialnetz zu erweitern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hellweg und die Schwesterkette BayWa Bau & Garten meldeten Mitte Juni 2026 Insolvenz in Eigenverwaltung an. Betroffen sind rund 4.000 Beschäftigte an 114 Standorten.
  • 35 Märkte haben einen Käufer gefunden. Hornbach übernimmt sechs, Obi plant bis zu zwölf Standorte, Bauhaus und Hagebau kommen dazu.
  • Filialen ohne Investor schließen bis Ende November 2026, die Übernahmen brauchen die Freigabe des Bundeskartellamts.
  • Der deutsche Baumarktmarkt konsolidiert weiter, wie zuletzt bei der Praktiker-Pleite 2013.

Warum ist Hellweg in die Insolvenz gerutscht?

Einkaufswagen mit Preisschild und Label auf weißem Hintergrund
Nach dem Corona-Boom brachen die Verkäufe in Bau- und Gartenmärkten ein, während Mieten, Energie und Nebenkosten stiegen

Der Absturz folgte auf den Corona-Boom. Während der Pandemie füllten sich die Bau- und Gartenmärkte, danach brach die Nachfrage nach Renovierung, Werkzeug und Pflanzen wieder ein. Zeitgleich stiegen Mieten, Einkaufs- und Energiekosten, während die Verbraucher ihr Geld zusammenhielten.

Diese Schere aus fallendem Umsatz und steigenden Kosten traf ein Familienunternehmen mit wenig Reserve. Mitte Juni 2026 folgte der Gang zum Amtsgericht Essen. Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland erreicht 2026 ohnehin einen Höchststand.

Wer übernimmt welche Filialen?

Die Konkurrenz pickt sich die besten Lagen heraus. Obi erhielt den Zuschlag für mindestens fünf Märkte, darunter die Hellweg-Standorte Berlin-Tiergarten, Berlin-Yorckstraße und Münster-Gievenbeck sowie zwei BayWa-Märkte in Nördlingen und Wolfratshausen.[1] Rund 250 Beschäftigte wechseln zum 1. Dezember 2026 mit, die Wiedereröffnung nach dem Umbau plant Obi für März 2027.

Insgesamt will Obi bis zu zwölf frühere Hellweg- und BayWa-Märkte in sein Netz holen und die Zahl seiner deutschen Standorte auf mindestens 363 steigern.[1] Hornbach sichert sich sechs Märkte und peilt eine Wiedereröffnung im Frühjahr 2027 an, auch Bauhaus und die Kooperation Hagebau greifen zu. So finden 35 der 114 Standorte einen Käufer, für die übrigen läuft die Frist bis Ende November.

Der deutsche Baumarktmarkt ist längst hart umkämpft, wie zuletzt der Streit um Obis Orange-Farbmarke vor dem Bundesgerichtshof zeigte. Selbst die Werbeflächen der Konkurrenz sind begehrt, seit Rewe die Baumarkttochter toom zur Retail-Media-Bühne macht.

Die Hellweg-Zerschlagung in Zahlen
Eine Baumarktkette wird unter der Konkurrenz aufgeteilt
114
Standorte insgesamt, davon 68 Hellweg und 46 BayWa Bau & Garten
4.000
Beschäftigte sind von der Insolvenz betroffen
35
Märkte haben bereits einen Käufer gefunden
340
Verwaltungsstellen in Dortmund und Garching fallen weg
bis 12
frühere Hellweg- und BayWa-Märkte will allein Obi übernehmen
30 %
geplante Gläubigerquote im Insolvenzplan

Die Hellweg-Pleite ist keine Ausnahme, sondern der Preis eines Verdrängungswettbewerbs, in dem vier Ketten um 114 Standorte ringen. Hornbach und Obi kaufen jetzt genau die Flächen, für die Hellweg die Miete nicht mehr erwirtschaftete.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet die Zerschlagung für den Baumarktmarkt?

Der Markt konsolidiert, wie schon 2013. Damals meldeten Praktiker und die Traditionstochter Max Bahr Insolvenz an, und dieselben Namen teilten sich das Filialnetz: Bauhaus, Obi, Hagebau, Hornbach. Hellweg gehörte 2013 zu den Käufern, jetzt steht die Kette selbst auf der Verkaufsliste.

Für die verbliebenen Betreiber ist die Aufteilung ein Wachstumsschub ohne Neubau. Weil vier Bieter um dieselben Lagen konkurrieren, prüft das Bundeskartellamt jede Übernahme einzeln. Härter trifft die Zerschlagung die Verwaltung: In der Dortmunder Hellweg-Zentrale und am BayWa-Sitz in Garching fallen rund 340 Stellen weg.

Der Fall reiht sich in einen breiteren Rückzug aus der Fläche ein. Ceconomy baut parallel Saturn in MediaMarkt um, und Konzerne wie Miele warnen offen vor dem Standort Deutschland. Hohe Mieten und zurückhaltende Kunden setzen den stationären Handel unter Druck, egal ob Elektronik, Möbel oder Baumarkt.

Für Kunden bleibt die Auswahl vorerst erhalten, nur unter neuem Logo. Vor Ende November lohnt der Blick auf offene Bestellungen und Garantiefälle in einem schließenden Hellweg-Markt, denn Gewährleistungsansprüche wechseln nicht automatisch zum neuen Betreiber.

FAQ: Hellweg-Insolvenz

Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?

Bei der Insolvenz in Eigenverwaltung nach Paragraf 270 InsO bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt und saniert das Unternehmen unter Aufsicht eines Sachwalters und des Gerichts. Ziel ist der Erhalt möglichst vieler Betriebsteile, statt das Unternehmen sofort zu zerschlagen.

Welche großen Baumarktketten sind in Deutschland aktiv?

Zu den größten Baumarktketten in Deutschland zählen Obi, Bauhaus, Hornbach, die Rewe-Tochter toom, die Kooperation Hagebau sowie Globus Baumarkt. Nach der Hellweg-Insolvenz teilen mehrere dieser Anbieter die frei werdenden Standorte unter sich auf.

Bekommen Hellweg-Mitarbeiter bei den Käufern einen neuen Job?

Teilweise: Obi übernimmt an fünf Standorten rund 250 Beschäftigte mit. Eine Jobgarantie für alle rund 4.000 Betroffenen fehlt allerdings, denn Filialen ohne Käufer schließen, und in den Zentralen in Dortmund und Garching fallen etwa 340 Stellen weg.

Wann fällt die endgültige Entscheidung über die Hellweg-Filialen?

Über den Insolvenzplan mit einer geplanten Gläubigerquote von 30 Prozent stimmen die Gläubiger im September 2026 ab. Nicht übernommene Filialen schließen bis Ende November 2026, die verkauften Standorte gehen zum 1. Dezember 2026 an die neuen Betreiber über.

Quelle

[1] Obi: „OBI plant die Übernahme von mindestens fünf Hellweg bzw. BayWa Bau & Garten Märkten“

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