Chinas Marktaufsicht hat auf einen Schlag über 4.200 Sicherheitszertifikate für Powerbanks und Lithium-Akkus kassiert. Auslöser waren Brände wie der einer Powerbank an Bord eines Flugzeugs und Hersteller, die nach der Prüfung heimlich billigere Zellen verbauten. Für Händler und Käufer in der EU verschiebt der Schritt die Frage vom Preis zur Herkunft der Zelle.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenPowerbank-Zertifikate sind in China plötzlich keine Formalie mehr. Innerhalb von acht Monaten strich oder suspendierte die Marktaufsicht 44.900 CCC-Zeugnisse, gut 4.200 davon allein für mobile Akkus. Hinter der Zahl steckt kein Papierkram, sondern ein Prüfsystem, das die verbauten Zellen nach der Zertifizierung nicht mehr erfasste.
Das Wichtigste in Kürze
- Chinas Marktaufsicht widerrief über 4.200 CCC-Zertifikate für Powerbanks und Lithium-Akkus.
- Die Prüfstellen selbst gerieten ins Visier: 131 geahndete Verstöße, rund 2,08 Millionen Euro Bußgeld.
- Auslöser sind gehäufte Brände und nachträglich getauschte Billigzellen.
- Für EU-Händler zählt jetzt die Lieferkette, nicht der Zertifikatsstempel.
Was hat Chinas Marktaufsicht gestrichen?

Über 4.200 Zertifikate für Powerbanks und Lithium-Akkus hat die chinesische Marktaufsicht SAMR widerrufen oder annulliert, weil die Produkte den Prüfvorgaben nicht mehr dauerhaft entsprachen.[1] Die Zahl ist Teil einer größeren Aufräumaktion.
Zwischen Januar und August 2026 zog die Behörde insgesamt 44.900 CCC-Zeugnisse aus dem Verkehr. Geprüft wurden zudem alle 34 Zertifizierungsstellen und 90 Prüflabore des Landes. Die 131 geahndeten Verstöße der Prüfer kosteten 17,36 Millionen Yuan Bußgeld, nach dem Kurs vom 18. September 2026 rund 2,08 Millionen Euro.
Warum widerruft China Zertifikate statt Produkte?
Der Schwachpunkt sitzt im Prüfvorgang. Ein CCC-Zeichen bestätigt ein einzelnes eingereichtes Muster. Tauscht ein Hersteller danach die teure gegen eine billigere Batteriezelle, bleibt der Stempel gültig, während das verkaufte Gerät ein anderes ist. Genau diese Lücke greift die Behörde an, indem sie die Prüfstellen statt nur die Endprodukte belangt.
Neu ist das Muster nicht. Bereits 2025 ordnete die Marktaufsicht den Rückruf von rund 700.000 Powerbanks der Marken Romoss, Anker und Xiaomi an. Anker nannte selbst nicht genehmigte Materialwechsel als Ursache für durchschmorende Zellen. Seit dem 1. August 2024 gilt die CCC-Pflicht für Powerbanks, seit dem 28. Juni 2025 verbietet die Luftfahrtbehörde Geräte ohne gültiges Zeichen an Bord.[2] Dass frische Muster die Prüfung bestehen, zeigte zuletzt der Nadeltest der neuen chinesischen Powerbank-Norm.
Ein Prüfsiegel ist nur so viel wert wie die Zelle, die am Ende im Gehäuse steckt. Chinas Aufsicht zieht daraus die härtere Konsequenz als Europa und bestraft die Prüfer, nicht nur das Produkt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Käufer und Händler in der EU?
Der Stempel wandert, das Risiko bleibt. Ein in China widerrufenes Zertifikat gilt hier nicht automatisch, denn in der EU greifen die Produktsicherheitsverordnung GPSR seit dem 13. Dezember 2024 und die Durchführungsregeln der Batterieverordnung seit dem 20. April 2026. Betroffene Modelle können darum weiter in europäischen Regalen liegen, zumal die meisten Powerbanks aus chinesischer Fertigung stammen, wie schon Europas Abhängigkeit vom Naturgraphit aus China zeigt.
Händler und Importeure sollten daher Herkunft der Zellen und Konformität der Lieferanten dokumentieren, statt sich auf einen Zertifikatsstempel zu verlassen. Marktplatz-Händler haften zunehmend mit, wie das Urteil zur Marktplatzhaftung gegen Alibaba zeigt. Käufer prüfen die Wattstunden-Angabe und packen jede Powerbank ins Handgepäck, denn die Lufthansa Group verbietet seit Januar 2026 das Laden im Flug. Dass Aufsichtsbehörden bei Technik aus China härter durchgreifen, zeigt auch das US-Verbot neuer Saugroboter-Modelle.
Quellen
[1] IT之家: „市场监管总局:撤销、注销充电宝、锂电池 CCC 认证证书 4200 余张“
[2] Civil Aviation Administration of China: „CAAC Bans Passengers from Carrying Power Banks Without CCC Markings“
FAQ: China widerruft 4.200 Powerbank-Zertifikate
Was ist das CCC-Zertifikat für Powerbanks?
CCC steht für China Compulsory Certification, das staatliche Pflichtzeichen für viele Elektroprodukte. Seit dem 1. August 2024 dürfen Powerbanks in China nur mit gültigem CCC-Zeichen verkauft und im Flugzeug mitgeführt werden. Das Zertifikat bestätigt, dass ein Muster die Sicherheitsprüfung bestanden hat.
Warum widerruft China so viele Akku-Zertifikate?
Die Marktaufsicht SAMR fand Produkte, die nach der Prüfung nicht mehr den Vorgaben entsprachen, etwa weil Hersteller günstigere Zellen einbauten. Zusätzlich prüfte sie die Zertifizierungsstellen selbst und ahndete 131 Verstöße. Auslöser waren gehäufte Brände von Powerbanks, auch an Bord von Flugzeugen.
Sind Powerbanks aus China in der EU noch sicher?
Ein in China widerrufenes Zertifikat gilt nicht automatisch in der EU, wo die Produktsicherheitsverordnung GPSR und die CE-Kennzeichnung greifen. Betroffene Modelle können hier weiter im Handel stehen. Käufer sollten auf Rückrufe im EU-Schnellwarnsystem Safety Gate und auf eine klare Wattstunden-Angabe achten.
Darf ich eine Powerbank im Flugzeug mitnehmen?
Powerbanks gehören ins Handgepäck, nie in den aufgegebenen Koffer. Bis 100 Wattstunden sind sie ohne Genehmigung erlaubt, darüber gelten Grenzen der Airline. Die Lufthansa Group verbietet seit Januar 2026 zusätzlich das Laden und Benutzen während des Fluges.
Was sollten Händler und Importeure jetzt prüfen?
Händler und Importeure sollten die Herkunft der verbauten Zellen und die GPSR-Konformität ihrer Lieferanten dokumentieren, statt sich allein auf einen Zertifikatsstempel zu verlassen. Regelmäßige Kontrolle der Safety-Gate-Meldungen hilft, betroffene Chargen früh aus dem Sortiment zu nehmen.
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