Für den insolventen Rohrhersteller Prinz-Mayweg haben sich zwei Wochen nach dem Insolvenzantrag mehrere Wettbewerber als mögliche Käufer gemeldet. Am Stammsitz Wickede, in Altena und in zwei Werler Werken arbeiten 310 Menschen für die Gruppe. Bis April 2027 soll ein Investor feststehen, das Insolvenzgeld deckt die Löhne aber nur für drei Monate.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenPrinz-Mayweg-Geschäftsführerin Christine Jüngst fasst die Vorgeschichte der Insolvenz in zwei Sätzen zusammen: „Wir hatten Corona, den Ukraine-Krieg, die Halbleiterkrise und die Flut hat uns in Altena durchgespült. Die Kriegskasse war dann nicht mehr gefüllt.“[1] Der Autozulieferer fertigt geschweißte wie gezogene Präzisionsstahlrohre für Autositze sowie Cockpit- und Airbaghalterungen. Die Kunden sitzen fast ausschließlich in Europa.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Amtsgericht Essen hat am 9. September 2026 vorläufige Insolvenzverfahren für Prinz & Co. Stahlrohre, die Mayweg KG und die MÜWI Verwaltungs GmbH angeordnet. Vorläufiger Verwalter ist Christian Holzmann von Brinkmann & Partner.
- Betroffen sind 310 Beschäftigte: 150 in Altena, 110 in Wickede, 30 in Werl-Westönnen und 20 in Werl.
- Der Gläubigerausschuss hat am 14. September den Verkauf der Gruppe eingeleitet, eine Handvoll Wettbewerber hat bereits Interesse angemeldet.
- Die Werke produzieren weiter, Löhne und Gehälter sichert eine Vorfinanzierung des Insolvenzgelds.
Wie weit ist das Insolvenzverfahren bei Prinz-Mayweg?

Vorläufiges Verfahren. Geschäftsführerin Jüngst musste wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung den Antrag stellen. Das Amtsgericht Essen ordnete am 9. September Sicherungsmaßnahmen an, eröffnet ist das eigentliche Insolvenzverfahren noch nicht.[2][3] In den ersten Tagen nach dem Antrag kam kein Vormaterial mehr in die Werke, inzwischen hat Holzmann die Versorgung wieder in Gang gebracht. Die Anlagen laufen laut Verwalter normal, die Auftragslage sei gut.[1]
Interesse, noch kein Angebot. Am 14. September beschloss der Gläubigerausschuss, die Gruppe möglichst als Ganzes zu verkaufen. Seitdem haben sich Holzmann zufolge mehrere operativ tätige Unternehmen aus demselben Markt gemeldet, um einen Kauf zu prüfen. Namen und Gebote nennt der Verwalter nicht. „Wir prüfen alles sorgfältig, wir brechen nichts übers Knie“, sagte Holzmann dem Soester Anzeiger.[1] Auf der Leiter eines Insolvenzverkaufs steht Prinz-Mayweg damit auf der ersten Sprosse: Eine Liste möglicher Käufer liegt vor, unterschrieben ist noch kein Kaufvertrag.
Warum greifen Wettbewerber so früh zu?
Antrieb egal. Die Rohre aus Wickede und Altena stecken in Sitzgestellen, Airbaghalterungen und den Hydraulikarmen von Heckklappen. Diese Teile braucht ein Elektroauto genauso wie ein Benziner. Dem Aluminiumgießer Bohai in Harzgerode fehlte dieser Vorteil: Das Werk goss überwiegend Teile für Verbrennungsmotoren und schließt nach anderthalb Jahren Investorensuche.
Freigaben als Kaufgrund. In der Autoindustrie gibt jeder Hersteller ein Bauteil erst nach einer Erstmusterprüfung für die Serie frei. Ein Lieferantenwechsel kostet deshalb Monate. Ein Wettbewerber, der Prinz-Mayweg übernimmt, kauft neben Maschinen und Fachkräften vor allem freigegebene Teilenummern samt Kundenbeziehungen. Nach demselben Muster sicherten sich Hornbach, Obi und Bauhaus 35 Filialen der insolventen Baumarktkette Hellweg.
Bei Prinz-Mayweg bieten die Wettbewerber vor allem für Kundenfreigaben von Sitz- und Airbagrohren, die auch im Elektroauto verbaut werden. Ob in Altena und Wickede danach weiter Rohre entstehen, entscheidet der Käufer mit seiner eigenen Werksplanung.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Verkauf für Wickede, Altena und die Belegschaft?
Kosten statt Aufträge. Als Ursachen nennt Holzmann gestiegene Rohstoff- und Energiepreise, hohe Fixkosten und einen Umsatzeinbruch im Sommer.[2] Stahl bleibt in Deutschland teuer, weil der Strompreis über die Kosten jeder Tonne mitentscheidet. Die Arbeitsagentur zahlt Insolvenzgeld für höchstens drei Monate vor der Eröffnung des Verfahrens, beim Fensterbauer Höhbauer in der Oberpfalz reicht dieser Zeitraum bis Ende November. Danach muss der Betrieb seine vollen Kosten selbst verdienen. An dieser Hürde hing im August die Kartonfabrik in Baiersbronn: Der Kaufinteressent hatte seine Finanzierung noch nicht gesichert, eine Fortführung zu Vollkosten schloss der Verwalter aus.[4]
Keine Garantie. Ein Käufer aus derselben Branche legt Produktion häufig an eigenen Standorten zusammen. Garantien für die 310 Arbeitsplätze könne heute niemand geben, räumte Holzmann ein. Einen Investor, der nach fünf Monaten selbst insolvent werde, wolle er nicht ins Unternehmen holen.[1] Für Wickede steht viel auf dem Spiel: „Prinz & Co. ist ein Wickeder Traditionsbetrieb und ein wichtiger Arbeitgeber“, sagte Bürgermeister Alexander Heine.[2]
Lieferketten prüfen. Einkäufer bei Sitz- und Interieurzulieferern sollten jetzt mit dem Verwalter über Abrufmengen sprechen. Für kritische Rohre lohnt eine zweite freigegebene Bezugsquelle. Lieferanten der Gruppe melden offene Forderungen aus der Zeit vor dem Antrag nach der Eröffnung des Verfahrens beim Insolvenzverwalter an.
Quellen
[1] Soester Anzeiger: Schon eine Handvoll Interessenten: Mitbewerber wollen Prinz-Mayweg kaufen (25.09.2026, mit Insolvenzverwalter Christian Holzmann und Geschäftsführerin Christine Jüngst)
[2] wickede.ruhr HEIMAT ONLINE: Drei Traditionsunternehmen in der Krise: Insolvenzverfahren bei Prinz & Co., Mayweg und MÜWI (10.09.2026)
[3] Insolvenzbekanntmachungen der Länder: Amtsgericht Essen, Az. 161 IN 115/26, 161 IN 116/26 und 161 IN 117/26 (09.09.2026)
[4] Brinkmann & Partner: Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH: Entscheidung über Fortführung steht bevor, Zukunft offen (26.08.2026)
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