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Der Autozulieferer Weber Magdeburg hat beim Amtsgericht Konstanz Insolvenz beantragt. Betroffen sind rund 120 Beschäftigte, die Zylinderköpfe für Oberklasse-Autos fertigen. Für den Stammsitz der Albert-Weber-Gruppe in Markdorf am Bodensee soll laut Südkurier bis Ende Oktober eine Lösung stehen.

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Am 30. Juni erfuhr die Belegschaft in Magdeburg, dass Porsche seine Aufträge bis Ende September vollständig abziehen will. Das teilte die IG Metall im Juli mit.[5] Am 14. Oktober bestellte das Gericht den Anwalt Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Weber Magdeburg hat Insolvenz beantragt, rund 120 Beschäftigte sind betroffen.
  • Auf Porsche entfielen laut Schwäbischer Zeitung rund 90 Prozent der Aufträge des Werks.
  • Das Insolvenzverfahren ist beantragt, aber noch nicht eröffnet.
  • Am Stammsitz Markdorf arbeiten 200 bis 250 Menschen, laut Südkurier soll dort bis Ende Oktober eine Lösung stehen.

Was passiert jetzt mit den Beschäftigten in Magdeburg?

Aluminium-Zylinderkopf mit Etikett »Ohne Auftrag« vor weißem Hintergrund
Plathner prüft vor Ort die Lage bei Weber Magdeburg und klärt, ob Löhne durch Insolvenzgeld der Bundesagentur finanzierbar sind

„Ich werde mir jetzt zusammen mit meinem Team vor Ort einen Überblick über die aktuelle Lage der Weber Magdeburg GmbH verschaffen“, sagt Plathner. Zuerst prüft er, ob sich die Löhne über das Insolvenzgeld vorfinanzieren lassen.[1] Insolvenzgeld zahlt die Bundesagentur für Arbeit für höchstens drei Monate vor der Eröffnung des Verfahrens. Bisher hat das Gericht nur die vorläufige Verwaltung angeordnet.

Das Werk geht auf ein Fertigungszentrum des DDR-Kombinats Schwermaschinenbau „Karl Liebknecht“ zurück. Ab 2000 gehörte das Werk zu Schaeffler, danach übernahm die Weber-Gruppe den Betrieb. In Magdeburg entstehen neben Zylinderköpfen auch Getriebe- und Gehäuseteile.[5]

Warum verlor Weber seinen wichtigsten Kunden?

Nach Darstellung von André Voß von der IG Metall Magdeburg ging der Auftrag an einen CNC-Fertiger aus Thüringen, der günstiger anbiete, weil er nicht nach Tarif zahle. Ursprünglich habe Porsche die Zylinderköpfe bis 2032 abnehmen wollen.[4]

Die Schwäbische Zeitung erfuhr aus Branchenkreisen eine andere Vorgeschichte. Demnach stützten Porsche und weitere Kunden das Werk seit geraumer Zeit mit Geld, weil fehlende Investitionen zu Qualitätsproblemen und Lieferschwierigkeiten geführt hätten.[4] Eine Stellungnahme von Porsche fand sich in den Berichten nicht.

Ein Werk mit einem einzigen großen Kunden hat wenig Spielraum. Zylinderköpfe gehören zum Verbrennungsmotor, dessen Stückzahlen mit dem Umstieg auf Elektroantriebe sinken. Neue Abnehmer für ein solches Bauteil sind schwer zu finden. Die Bearbeitungszentren kosten auch ohne Aufträge Geld.

Weber: Vom Porsche-Abzug zum Insolvenzantrag
Wie viele Stellen an den beiden Weber-Standorten auf dem Spiel stehen und wo das Verfahren steht
rund 120
Beschäftigte im insolventen Werk Magdeburg
200 bis 250
Beschäftigte am Stammsitz Markdorf, für den bis Ende Oktober eine Lösung stehen soll
rund 90 %
Anteil von Porsche an den Aufträgen des Werks Magdeburg
272 Mio. €
Umsatz der Weber-Gruppe 2023, nach eigenen Angaben 900 Beschäftigte an neun Standorten
Wo das Verfahren steht
30. Juni
Die Belegschaft in Magdeburg erfährt, dass Porsche seine Aufträge abzieht.
30. September
Bis zu diesem Tag wollte Porsche die Aufträge vollständig abziehen.
14. Oktober
Das Amtsgericht Konstanz bestellt Jan Markus Plathner zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
Ende Oktober
Für den Stammsitz Markdorf soll laut Südkurier eine Lösung stehen.

Was droht dem Stammsitz in Markdorf?

Seit Mitte 2025 sucht der Generalbevollmächtigte Jörg Gregel Investoren für die Werke in Markdorf, Neuenbürg und Magdeburg. Laut Südkurier dringen aus dem Unternehmen seit Wochen keine Informationen nach außen.[2] Robert Bäuerlein von der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben rechnet mit einer Insolvenz auch am Stammsitz, falls BMW als Kunde nicht bleibt: „Ich gehe vom Schlimmsten aus.“ Noch werde in Markdorf normal gearbeitet, die Beschäftigten sollen in der kommenden Woche informiert werden.[3]

Die Gruppe steckt nicht zum ersten Mal in der Krise. 2019 meldete Weber nach einem Streit mit dem Finanzinvestor Ardian Insolvenz in Eigenverwaltung an, 2020 kaufte die Gründerfamilie dessen Anteile zurück.[4]

In Sachsen-Anhalt ist Weber die zweite Zulieferer-Insolvenz binnen Wochen: Anfang Oktober beantragte KmB in Zörbig mit 200 Beschäftigten ein Verfahren.[5] Bohai schließt sein Werk in Harzgerode bis Januar. Auch Porsche will ein Viertel der Belegschaft abbauen, der frühere Werkseigentümer Schaeffler streicht 4.700 Stellen.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Brinkmann & PartnerWeber Magdeburg GmbH stellt Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens16.10.2026
  2. SüdkurierDie Ruhe vor dem Sturm? Beim Zulieferer Weber naht der Tag der Entscheidung über eine Insolvenz20.10.2026
  3. SüdkurierIch gehe vom Schlimmsten aus: In Magdeburg ist Albert Weber insolvent, Markdorf könnte bald folgen20.10.2026
  4. Schwäbische ZeitungPorsche stürzt Zulieferer vom Bodensee in Turbulenzen: Pleite droht03.07.2026
  5. Mitteldeutsche ZeitungPorsche zieht offenbar Aufträge ab: Weber in Magdeburg ist insolvent16.10.2026

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