Der Flugzeug-Instandhalter RAS Saar hat am Flughafen Saarbrücken-Ensheim mehr als 70 seiner bislang etwa 90 Beschäftigten gekündigt, darunter Auszubildende. Das sagte der Anwalt des Unternehmens am Montag vor dem Arbeitsgericht Saarbrücken. Nur noch 17 Personen sollen den Betrieb fortführen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Abbau sei notwendig, um eine Insolvenz zu verhindern, erklärte der Anwalt laut Saarländischem Rundfunk. Für die Gekündigten liege ein Sozialplan mit einem Abfindungsprogramm vor. Die Geschäftsführung hat sich gegenüber dem SR bisher nicht geäußert.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- RAS Saar hat mehr als 70 von etwa 90 Beschäftigten am Flughafen Saarbrücken gekündigt, 17 sollen bleiben.
- Laut Unternehmensanwalt soll der Abbau eine Insolvenz abwenden.
- Mehrere Gekündigte klagen, weitere Verhandlungen folgen in den kommenden Wochen.
- Im Februar 2025 wollte RAS Saar in Saarbrücken noch mehr als 50 Fachkräfte einstellen.
Was kritisieren die Gekündigten am Sozialplan?

Mehrere Beschäftigte wehren sich mit einer Kündigungsschutzklage. Ihre Anwälte bemängelten beim ersten Termin, dass die Belegschaft keine eigene Kopie des Sozialplans bekommen habe und nur einen Blick darauf werfen durfte. Das Abfindungsprogramm benachteilige zudem vor allem langjährige Mitarbeitende. Weitere Klagen gegen die RAS Saar GmbH verhandelt das Gericht in den kommenden Wochen.[1]
Für eine solche Klage bleiben drei Wochen ab Zugang der Kündigung (§ 4 KSchG). In einem Betrieb dieser Größe verlangt § 17 KSchG außerdem eine Massenentlassungsanzeige bei der Agentur für Arbeit, sobald binnen 30 Tagen mehr als 25 Beschäftigte entlassen werden sollen. Ob RAS Saar die Anzeige erstattet hat, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Wie passt der Abbau zu den Wachstumsplänen von 2025?
RAS Saar gehört zur Rheinland Air Service (RAS) aus Mönchengladbach, die Regionalflugzeuge für Fluggesellschaften und Leasingfirmen wartet. Im Juli 2023 kaufte RAS den Saarbrücker Betrieb Aviation Technik Saar und verschmolz ihn 2024 mit Contact Air Technik zur RAS Saar GmbH. Im Hangar mit 3.200 Quadratmetern finden laut RAS bis zu sieben Flugzeuge Platz, darunter Regionaljets der Embraer-E-Familie.[2]
Im Februar 2025 besuchte der damalige FDP-Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic den Betrieb. Geschäftsführer Thomas von Hake nannte damals den Fachkräftemangel als größte Hürde für das Wachstum: Kurzfristig wolle das Unternehmen mehr als 50 neue Beschäftigte einstellen. Dafür setzte RAS Saar auf Transfergesellschaften im Saarland und auf frühere Beschäftigte von ZF und Ford.[3]
Warum aus diesen Plänen ein Abbau von mehr als drei Vierteln der Belegschaft wurde, hat RAS bisher nicht erklärt. Ein Wartungsbetrieb lebt von einzelnen Aufträgen: Je nach Prüfung steht ein Flugzeug zwei Wochen oder mehrere Monate im Hangar, wie RAS 2025 beschrieb.[3] Bleiben Maschinen aus, fehlt der Umsatz, während Hallenmiete und Fachpersonal weiter Geld kosten.
Was bedeutet der Abbau für den Flughafen und das Saarland?
RAS Saar hat am Flughafen eine Halle gemietet und wartet dort Flugzeuge für Airlines und weitere Kunden.[1] Der Flughafen selbst kommt ohne Landesgeld nicht aus: Seine Verluste liegen laut SR bei sieben bis neun Millionen Euro im Jahr, die Landesregierung will die Beihilfen fortsetzen.[4] Im Sommer 2026 kamen weniger Fluggäste als im Vorjahr, im Juni 9,1 Prozent weniger, im August 7,2 Prozent. Von Januar bis August meldet der Betreiber dagegen ein Plus von 2,71 Prozent.[5]
Im Saarland kommt der Abbau zu weiteren Einschnitten hinzu. ZF streicht in Saarbrücken weitere Verwaltungsstellen, in Dillingen hat der Solaranlagenbauer Next2Sun Insolvenz beantragt. Gerade die Beschäftigten aus der Autoindustrie wollte RAS Saar vor anderthalb Jahren noch für die Flugzeugwartung gewinnen. Auch die Fluggesellschaften stehen unter Kostendruck: Eurowings prüft wegen höherer Kerosinkosten Kurzarbeit im Winter.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Saarländischer RundfunkRAS Saar streicht mehr als 70 Arbeitsplätze am Flughafen Saarbrücken
- Rheinland Air ServiceBetter Together: RAS SAAR
- Rheinland Air ServiceMember of Parliament Oliver Luksic visits RAS SAAR
- Saarländischer RundfunkLandesregierung will Saarbrücker Flughafen weiter unterstützen
- Saarländischer RundfunkWeniger Sommer-Fluggäste am Saarbrücker Flughafen
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