Deutschlands Brauereien setzten 2025 sechs Prozent weniger Bier ab als im Vorjahr, Carlsberg will sein Werk in Lübz trotzdem ausbauen. Der Genehmigungsantrag für ein neues Sudhaus sieht zwei Millionen Hektoliter Bier im Jahr vor, dazu eine Million Hektoliter Bier-Mischgetränke. Die Belegschaft von rund 220 Menschen soll gleich groß bleiben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDen Antrag der Carlsberg Supply Company Deutschland machte das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg am 19. Oktober öffentlich.[1] Einen Tag später bestätigte der Konzern dem Nordkurier die Pläne und nannte die Größenordnung der Investition.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Carlsberg will die genehmigte Kapazität der Brauerei Lübz auf zwei Millionen Hektoliter Bier und eine Million Hektoliter Bier-Mischgetränke im Jahr erweitern.
- Für das neue Sudhaus nennt Carlsberg einen hohen einstelligen Millionenbetrag, die Anlage soll im zweiten Quartal 2027 in Betrieb gehen.
- Gegen das Vorhaben sind bis zum 28. Dezember 2026 schriftliche Einwendungen möglich.
Was hat Carlsberg in Lübz beantragt?

Beantragt ist eine Genehmigung nach Paragraf 16 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes für eine wesentliche Änderung der Brauerei. Neben Bier und Bier-Mischgetränken sollen in Lübz künftig auch Limonaden hergestellt werden. Nach dem Start des neuen Sudhauses baut Carlsberg die Technik des alten zurück.[1]
Für das Sudhaus nennt Michaela Brendel aus der Geschäftsführung einen Betrag „im hohen einstelligen Millionenbereich“. „Mit dem neuen Sudhaus investieren wir gezielt in moderne Brautechnologie und eine deutlich höhere Prozesseffizienz am Standort Lübz“, sagte Brendel dem Nordkurier. Das Plus an Braukapazität beziffert Carlsberg auf rund 60 Prozent.[2]
Warum baut eine Brauerei aus, während der Bierabsatz sinkt?
Brauereien und Bierlager in Deutschland setzten 2025 rund 7,8 Milliarden Liter ab, 6,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Statistische Bundesamt meldete damit den stärksten Rückgang beim Absatz seit Beginn der Zeitreihe 1993. Biermischungen verloren 5,2 Prozent gegenüber 2024, alkoholfreies Bier zählt die Behörde nicht mit.[3]
Für das einzelne Werk zählt vor allem die Auslastung: Sudhaus, Abfüllung und Mehrweglogistik verursachen Fixkosten, die sich kurzfristig kaum senken lassen, wie die Dr.-Web-Analyse zum Brauereisterben im Juli gezeigt hat. Warsteiner holt die Produktion aus Herford und Paderborn an den Stammsitz, streicht dort aber rund 125 Stellen. In Braunschweig schließt Wolters zum Jahresende. Ob Lübz Mengen von anderen Carlsberg-Brauereien übernimmt, hat der Konzern nicht gesagt.
Wachsen soll Lübz auch mit Limonade: Seit Jahresbeginn verkauft die Brauerei die Marke Lümo.[2] Für gezuckerte Erfrischungsgetränke plant der Bund ab Juli 2027 eine Abgabe von 26 oder 32 Cent je Liter, je nach Zuckergehalt, also ungefähr ab dem Zeitpunkt, zu dem das neue Sudhaus anlaufen soll.
Lübz soll 60 Prozent mehr Braukapazität bekommen, aber keine zusätzliche Stelle: So sieht Wachstum in einer schrumpfenden Branche aus.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt macht den Genehmigungsantrag öffentlich.
Antrag samt Gutachten liegt in Schwerin aus und ist im UVP-Portal abrufbar.
Bis zu diesem Tag nimmt das Amt schriftliche Einwendungen an.
Das neue Sudhaus soll laufen, das alte wird danach zurückgebaut.
Wie geht das Verfahren weiter?
Carlsberg hat zusätzlich den vorzeitigen Beginn der Arbeiten beantragt, die Genehmigung selbst steht noch aus.[1] Eine Umweltverträglichkeitsprüfung hält das Amt nach einer Vorprüfung für nicht nötig und stützt sich dabei auf Prognosen zu Lärm, Geruch und Staub.[4] Vom 27. Oktober bis 26. November liegen die Unterlagen in Schwerin aus, parallel sind sie im UVP-Portal der Länder abrufbar.
Schon Arla steckt in Upahl 35 Millionen Euro in die Skyr-Produktion, mit Lübz folgt die nächste Erweiterung eines Lebensmittelwerks in Westmecklenburg. Auf Rügen dagegen hat Outokumpu die geplante Anlage in Sassnitz abgesagt. Anlagenbauer und Handwerksbetriebe aus der Region können den Umfang des Umbaus ab dem 27. Oktober in den Antragsunterlagen nachlesen.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt WestmecklenburgWesentliche Änderung einer Brauerei am Standort Lübz, Bekanntmachung Nr. B85/26
- NordkurierLübzer Brauerei im Aufwind: Mutter Carlsberg investiert viele Millionen
- Statistisches Bundesamt6,0 % weniger Bier im Jahr 2025 abgesetzt
- Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt WestmecklenburgÄnderung der Brauerei in Lübz, Bekanntmachung Nr. B84/26
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