Arla baut sein Milchwerk in Upahl bei Grevesmühlen für 35 Millionen Euro aus. Ab der zweiten Jahreshälfte 2028 soll die erweiterte Anlage zusätzlichen Skyr liefern, weil die Nachfrage seit drei Jahren schneller wächst als die Kapazität der Molkereien. Zwei andere Lebensmittelhersteller haben ihre Neubaupläne in Deutschland gerade gestoppt.

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Im Arla-Werk Upahl haben 430 Beschäftigte im Jahr 2023 rund 500 Millionen Kilogramm Milch von 330 Höfen aus der Region verarbeitet.[2] Seit 2015 entsteht dort Skyr für Deutschland und weitere europäische Märkte. Am 1. Oktober hat Arla Foods angekündigt, die Skyr-Kapazität in Nordwestmecklenburg zu erweitern.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Arla investiert 35 Millionen Euro in zusätzliche Skyr-Kapazität am Standort Upahl.
  • Die kommerzielle Produktion auf der erweiterten Anlage soll in der zweiten Jahreshälfte 2028 beginnen.
  • Schon 2020 hat Arla die Milch aus seinem geschlossenen Pulverwerk in Karstädt nach Upahl umgeleitet.
  • Neue Arbeitsplätze oder Fördergeld nennt die Molkereigenossenschaft nicht.

Warum baut Arla ausgerechnet in Upahl aus?

Miniaturkran in offenem Skyr-Becher mit Aufkleber ERWEITERUNG 2028
Arlas Skyr-Absatz in Europa wächst um über 33 % in drei Jahren, Nachfrage übersteigt teilweise die Produktionskapazität

In Arlas europäischen Märkten ist der Skyr-Absatz in drei Jahren um mehr als 33 % gewachsen. In mehreren Märkten ist die Nachfrage schneller gestiegen als die verfügbare Kapazität.[1] Das Werk produziert außerdem Joghurt, Quark, Trinkmilch und Sahne, unter eigenen Marken wie Hansano und für Handelsmarken.[2]

Ein Ausbau im Bestand nutzt Gebäude, Milchlogistik und eine eingearbeitete Belegschaft, die ein Neubau erst schaffen müsste. Neue Projekte kosten in Deutschland je nach Branche 40 bis 250 Prozent mehr als am günstigsten Standort im Ausland, so eine Studie von McKinsey. Zwei Lebensmittelhersteller haben gerade Neubauten aufgegeben: McCain hat seine Pommesfabrik in Mehrum gestoppt, obwohl rund 60 Millionen Euro Förderung zugesagt waren. Haribo baut das geplante 300-Millionen-Werk in Neuss nicht und modernisiert stattdessen sein altes Werk in der Stadt.

Was haben die Milchbauern davon?

Arla gehört als Genossenschaft seinen Milchbauern und begründet die Investitionen damit, mehr Wert aus deren Milch zu holen.[1] Wie knapp die Rechnung der Höfe ist, zeigt der Milchpreis: Im April 2026 haben die Molkereien 38,29 Cent je Kilogramm ausgezahlt, die Erzeugung kostet die Höfe im Schnitt 53,12 Cent. Ein Frischprodukt wie Skyr bringt der Molkerei je Liter Milch mehr Wertschöpfung als Butter oder Pulver für den Weltmarkt.

Upahl ist schon einmal gewachsen, weil Arla ein anderes Werk aufgegeben hat. Im Juli 2020 hat die Genossenschaft die Schließung ihrer Molkerei im brandenburgischen Karstädt bekanntgegeben, die ausschließlich Magermilchpulver herstellte.[3] Als Gründe nannte Arla die seit 2017 sinkende Milchmenge im Osten und Norden sowie eine zu kleine Anlage. Die rund 95 Millionen Kilogramm Milch im Jahr gingen ab 2021 nach Upahl, die 19 Beschäftigten in Karstädt verloren ihre Stelle.

Arla in Upahl: Skyr-Ausbau im Bestand
Investition, Nachfrage und Stationen des Milchwerks in Nordwestmecklenburg
35 Mio. €
fließen in zusätzliche Skyr-Kapazität am Standort Upahl
51 Mio. €
hat Arla seit 2023 schon in Skyr-Werke in Dänemark, Deutschland und Schweden gesteckt
+33 %
mehr Skyr hat Arla in drei Jahren in seinen europäischen Märkten abgesetzt
430
Beschäftigte verarbeiteten 2023 rund 500 Millionen Kilogramm Milch von 330 Höfen
Sechs Stationen des Werks
1994
Die Hansa-Milch eröffnet das Werk in Upahl.
2011
Der Standort kommt mit der Fusion zu Arla Foods.
2015
In Upahl startet die Skyr-Produktion.
2020
Die Milch aus dem geschlossenen Werk Karstädt geht nach Upahl.
1. Oktober 2026
Arla kündigt die Investition von 35 Millionen Euro an.
2. Halbjahr 2028
Die erweiterte Anlage soll die kommerzielle Produktion aufnehmen.

Arla erweitert sein Werk in Upahl, wo Milch, Linien und Belegschaft schon vorhanden sind, während McCain und Haribo ihre Neubaupläne begraben. Die Lebensmittelindustrie investiert in Deutschland derzeit lieber im Bestand als auf der grünen Wiese.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet die Investition für die Region?

Arla hat die Investition beschlossen und öffentlich gemacht, Bau und Inbetriebnahme stehen noch aus. Der Konzern zählt Upahl zu den größten Produktionsstätten für Milchprodukte in Deutschland.[2]

Seit dem 1. Juni 2026 gehört auch das Deutsche Milchkontor zu Arla. Die fusionierte Genossenschaft zählte zum Start rund 11.200 Landwirte, 28.800 Beschäftigte und 19,4 Milliarden Kilogramm Milch im Jahr.[4] Welche der nun zahlreicheren deutschen Werke künftig welche Produkte herstellen, hat Arla bislang nicht mitgeteilt.

Handelsunternehmen, die Skyr als Eigenmarke beziehen, sollten bis 2028 mit knappen Mengen rechnen und Lieferverträge früh verhandeln. Für Milchviehbetriebe im Einzugsgebiet bedeutet die neue Linie, dass ab 2028 mehr ihrer Milch in ein wachsendes Frischprodukt fließt.

Quellen

[1] Arla Foods: Arla invests €63 million in skyr and cottage cheese as demand for protein-rich foods grows (01.10.2026)

[2] Arla Foods Deutschland: Erfolgsgeschichte: Arla Milchwerk in Upahl feiert 30-jähriges Bestehen (05.09.2024)

[3] top agrar: Arla schließt Milchwerk in Karstädt (15.07.2020)

[4] Arla Foods: Arla Foods and DMK Group officially unite to create Europe’s leading dairy cooperative (01.06.2026)

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