Die deutsche Wirtschaft investiert kaum noch in ihre eigene Zukunft. Eine neue McKinsey-Studie zeigt, dass die Nettoinvestitionen 2024 auf 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung gefallen sind, den schwächsten Wert unter 34 Industrie- und Schwellenländern. Für Geschäftsführer und Entscheider liefert die Studie zugleich einen überraschenden Gegenbefund: Eine winzige Gruppe von Unternehmen wächst trotzdem kräftig.

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„Abwarten ist die teuerste Strategie“, warnt McKinsey-Manager Fabian Billing zur Lage der deutschen Nettoinvestitionen, die 2024 auf 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung gefallen sind. Noch 2019 hat dieser Wert rund zwei Prozent erreicht. Zum Vergleich steckt China 23 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in neue Produktionskapazität, die USA vier Prozent, die EU zwei Prozent.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutsche Nettoinvestitionen fallen 2024 auf 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung, den schwächsten Wert unter 34 Industrie- und Schwellenländern
  • Neue Investitionsprojekte kosten hierzulande je nach Branche 40 bis 250 Prozent mehr als am günstigsten internationalen Standort
  • Nur 29 von 16.200 untersuchten Unternehmen erzeugen fast die Hälfte des deutschen Produktivitätswachstums zwischen 2019 und 2023
  • 22 Prozent der befragten Konzernchefs planen, ihre Investitionen in Deutschland zu reduzieren

Warum die Investitionslücke so groß geworden ist

Bauwerk aus Holzklötzen auf Münzstapeln, darüber Holzteil an Schnur mit 0,2 %-Schild
Arbeitskosten ohne Produktivitätssteigerung, hohe Energiepreise und lange Genehmigungsverfahren machen Investitionen in Deutschland 40 bis 250 Prozent teurer als weltweit

Den größten Hebel bilden laut Studienautor Jan Mischke die Arbeitskosten ohne einen Produktivitätsausgleich. Dazu kommen hohe Energiepreise, langsame Genehmigungen und lange Entwicklungszeiten. Über den gesamten Lebenszyklus eines Projekts summiert sich das: Neue Investitionsvorhaben kosten in Deutschland 40 bis 250 Prozent mehr als am jeweils günstigsten Standort weltweit, ob bei Chemie, Stahl, Batterien, Halbleitern oder Rechenzentren. Die Deindustrialisierung zeigt diesen Kostenabstand bereits in der amtlichen Statistik. McKinsey liefert nun die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung dazu.

Die Substanzverwaltung statt Wachstum trifft die Industrie doppelt hart. Volkswagen plant den Abbau von bis zu 100.000 Stellen, offiziell bestätigt sind 50.000, und reduziert parallel die europäische Produktionskapazität. Auch die DIHK-Konjunkturumfrage bestätigt die schwache Stimmung: Ein Viertel der Unternehmen plant Stellenabbau.

29 Firmen tragen fast die Hälfte des Wachstums

Pflanze mit Medaille wächst aus Betonspalt
29 von 16.200 untersuchten Unternehmen erzeugen fast die Hälfte des deutschen Produktivitätswachstums

Der eigentliche Überraschungsbefund der Studie liegt woanders. Unter 16.200 untersuchten deutschen Unternehmen erzeugen gerade 29 Firmen, 0,2 Prozent der Stichprobe, fast die Hälfte des gesamten Produktivitätswachstums zwischen 2019 und 2023. Diese Produktivitätschampions kommen aus Telekommunikation, Pharma, Medien und Finanzdienstleistungen. Ein gemeinsames Muster eint die Gruppe: Sie haben ihre Geschäftsfelder konsequent weiterentwickelt, sich auf höherwertige Segmente konzentriert, konsequent internationalisiert und sich nicht vor Exits gescheut.

Die schwache Gesamtwirtschaft entpuppt sich damit als Verteilungsfrage. Eine kleine Gruppe treibt das Wachstum, der große Rest verwaltet nur den Bestand.

Was das für Entscheider bedeutet

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Überregulierung kostet Deutschland 146 Milliarden Euro jährlich. 22 Prozent der CxOs planen Investitionskürzungen, 64 Prozent halten fest

Für die Praxis zählt vor allem eine Zahl: Überregulierung kostet Deutschland laut McKinsey jährlich 146 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig planen 22 Prozent der befragten CxOs, ihre Deutschland-Investitionen zu reduzieren, während 64 Prozent am Standort festhalten wollen. Unternehmen, die wie die Champions vorgehen, sollten ihr Portfolio konsequent auf wachstumsstarke Segmente ausrichten und die eigenen Entwicklungszeiten deutlich verkürzen. KI braucht dabei einen festen Platz als Betriebssystem der Organisation, nicht als einzelnes Pilotprojekt am Rand. Die Standortanalyse von Dr. Web zeigt, dass 60 Prozent der internationalen Unternehmen Deutschland trotz allem als Europazentrale halten, solange Reformen bei Steuern und Genehmigungen kommen. Auch die Autoindustrie, laut VDA-Prognose bis 2035 mit 225.000 wegfallenden Jobs konfrontiert, steht exemplarisch für die Kosten des Abwartens.

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