Die Deutsche Industrie- und Handelskammer hat ihre Wachstumsprognose für 2026 drastisch gesenkt. 0,3 Prozent statt 1,0 Prozent. Die Stimmung in den Betrieben ist so schlecht wie zuletzt in der Pandemie.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 bestätigt, was Mittelständler seit Wochen ahnen. Die Erholung kommt nicht. Der Iran-Krieg trifft eine Wirtschaft, die schon vorher auf Kante genäht war.
Das Wichtigste in Kürze
- Die DIHK senkt ihre Wachstumsprognose von 1,0 auf 0,3 Prozent für 2026.
- Von 23.416 befragten Betrieben bewerten 26 Prozent ihre Lage als schlecht, nur 23 Prozent als gut.
- Energie- und Rohstoffpreise gelten für 70 Prozent als größtes Risiko, im Januar waren es noch 48 Prozent.
- Ein Viertel der Unternehmen plant Stellenabbau, nur jeder zehnte will einstellen.
Die Stimmung der Pandemie ist zurück

Die Lage ist ernst. Vier Jahre Stagnation haben die Substanz aufgezehrt, und nun kommt der Krieg im Nahen Osten obendrauf. 26 Prozent der Betriebe nennen ihre Geschäftslage schlecht, nur 23 Prozent gut. Diese Werte gab es zuletzt während der Coronapandemie. Im Handel urteilt sogar ein gutes Drittel der Häuser negativ.
Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin der DIHK, spricht von einer Doppelkrise. Hohe Arbeitskosten, Energiepreise, Bürokratie und Steuern belasteten die Unternehmen schon vor Kriegsbeginn. Der Sprung bei Öl, Gas, Baumaterialien und Kunststoffen hat den Druck nun ins Unerträgliche gehoben. Der Kostendruck zieht sich durch nahezu alle Branchen, und viele Betriebe können ihn nicht mehr weitergeben. „Die zuletzt massiv gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise sind für viele Betriebe der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, sagt Melnikov.
Das eigentliche Problem heißt nicht Iran. Das eigentliche Problem heißt: eine deutsche Wirtschaft, die seit Jahren keine ernsthafte Reform mehr verträgt. Diese Quittung lässt sich nicht länger verschieben.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was die Zahlen wirklich sagen

Die Investitionen erzählen den eigentlichen Befund. Nur 22 Prozent der Unternehmen wollen ihre Budgets erhöhen, mehr als ein Drittel muss kürzen. Ersatzinvestitionen machen heute 70 Prozent aller geplanten Ausgaben aus. So hoch war der Anteil noch nie. Kapazitätserweiterungen liegen auf dem Niveau der Finanzkrise 2008/2009. Produktinnovation ist Nebensache geworden.
Der Arbeitsmarkt folgt der Logik der Bilanzen. Ein Viertel der Befragten plant Stellenabbau, nur jeder zehnte will einstellen. Solche Werte gab es zuletzt in der Pandemie. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate haben sich seit Januar um acht Prozentpunkte verschlechtert: Ein Drittel rechnet mit schlechteren Geschäften, gerade einmal 13 Prozent noch mit besseren.
Was Sie aus der Prognose machen sollten

Die DIHK liegt mit 0,3 Prozent unter der Bundesregierung, die Ende April 0,5 Prozent ansetzte. Diese Lücke ist kein Detail. Sie zeigt, dass die Unternehmen die Lage härter beurteilen als das Wirtschaftsministerium. An diesem Mittwoch legen die Wirtschaftsweisen ihr Frühjahrsgutachten vor. Im November hatten sie noch 0,9 Prozent erwartet. Die Korrektur nach unten ist sicher.
Planen Sie konservativ. Liquiditätspuffer zählt im zweiten Halbjahr mehr als jede Umsatzhoffnung. Investitionen in echte Effizienz, also in Energieverbrauch und Prozessautomatisierung, rechnen sich auch im flachen Markt. Investitionen in Wachstumsfantasie tun das gerade nicht. Sprechen Sie früh mit Ihren Banken, bevor das Rating von außen nachgezogen wird. Beobachten Sie Kunden und Lieferanten genau. Die Datev-Zahlen zeigen bereits, wo die Substanz im Maschinenbau dünn wird, die EU-Kommission hat dazu ihre Wachstumsprognose für Deutschland halbiert, und der Welthandel bremst durch den Iran-Krieg zusätzlich.
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