Das Energie-Start-up Reverion aus Eresing bei München hat 175 Millionen Dollar eingesammelt, umgerechnet rund 152 Millionen Euro. Mit dem Geld plant das Unternehmen eine Fabrik für Brennstoffzellenkraftwerke mit bis zu 800 neuen Arbeitsplätzen. Wo diese Fabrik stehen soll, hat Reverion noch nicht entschieden.

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Reverion baut Kraftwerke, die in einen Container passen: Sieben Anlagen laufen bereits bei Kunden, jede mit bis zu 500 Kilowatt Leistung.[1] Die neue Finanzierungsrunde soll aus dieser Kleinserie eine Großserie machen. Den Großteil des Geldes will Reverion in einen zusätzlichen Produktionsstandort in Deutschland stecken, für den Gemeinden und Landkreise jetzt Flächen anbieten können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Reverion schließt eine Series B über 175 Millionen Dollar ab, rund 152 Millionen Euro; angeführt hat die Runde der Fonds Kembara.
  • Die geplante Fabrik soll 250 Megawatt Kraftwerksleistung im Jahr fertigen und bis zu 800 Stellen schaffen; am Stammsitz Eresing arbeiten heute gut 200 Menschen.
  • Einen Standort hat Reverion noch nicht gewählt, der Landkreis Landsberg am Lech wirbt um die Fabrik.
  • Eine Investitionssumme für die Fabrik, Fördergelder und einen Zeitplan nennt das Unternehmen bisher nicht.

Was hat Reverion mit den 152 Millionen Euro vor?

Miniaturmodell: Container auf Rasenfläche mit Zaun, Sackkarre und Schild
Finanzierungsrunde mit zehnfacher Kapazität: Kembara-Fonds führt an, neu dabei sind Aurum Impact, Carbon Equity, KfW Capital und Allianz

Zehnfache Kapazität. Angeführt hat die Runde der europäische Deeptech- und Klimafonds Kembara, neu dabei sind außerdem Aurum Impact, Carbon Equity und KfW Capital, die Beteiligungstochter der staatlichen Förderbank.[1] Ebenfalls neu an Bord ist die Allianz, die sich im September auch am Scaleup Europe Fund der EU beteiligt hat. Die geplante Megafactory soll 250 Megawatt Fertigungskapazität pro Jahr bieten, zehnmal so viel wie die heutige Produktion. Rechnerisch entspräche das 500 Anlagen der heutigen 500-Kilowatt-Klasse im Jahr. Wie viel der 152 Millionen Euro in Hallen und Maschinen fließt, beziffert Reverion nicht. „Mit dem Abschluss der Series B legen wir den Grundstein für die industrielle Großserienfertigung unserer Technologie“, sagt Stephan Herrmann, CEO und Mitgründer von Reverion.[1]

Strom ohne Flamme. Die Anlagen von Reverion arbeiten mit Festoxid-Brennstoffzellen und wandeln Biogas, Erdgas oder Wasserstoff elektrochemisch in Strom um. Die Container scheiden das CO₂ aus dem Brennstoff in reiner Form ab, im Rückwärtsbetrieb erzeugen dieselben Geräte per Elektrolyse speicherbare Gase aus überschüssigem Strom. Den elektrischen Wirkungsgrad von 74,2 Prozent hat Reverion im laufenden Kundenbetrieb gemessen. Seit August bezieht das Unternehmen die Zellstapel als Kernkomponente in großen Mengen von Doosan Fuel Cell aus Südkorea.[3] Am neuen Standort dürfte deshalb der Bau der kompletten Anlagen im Mittelpunkt stehen.

Warum wollen Rechenzentren Strom aus dem Container?

Warten aufs Netz. Reverion meldet, dass die Nachfrage nicht mehr überwiegend aus dem landwirtschaftlichen Biogassektor kommt, sondern zunehmend aus der Technologiebranche. Der Grund liegt im Stromnetz: Die Schwarz-Gruppe will ihr Rechenzentrum in Dummerstorf erst 2032 in Betrieb nehmen, weil der Baubeginn vom Stromanschluss abhängt. Für das geplante Rechenzentrum in Wenzenbach muss TenneT zuerst ein Umspannwerk bauen, ebenfalls bis 2032. Brennstoffzellen auf dem Gelände hängen am Gasnetz und erzeugen den Strom dort, wo die Server stehen. „Hyperscaler brauchen enorme, verlässliche Leistung, können dabei aber keine Abstriche bei ihren Klimazielen machen“, sagt Robert Trezona, der bei Kembara den Bereich Klima leitet.[1]

Konkurrenz aus Kalifornien. Bloom Energy liefert bereits im Gigawatt-Maßstab: Oracle bekommt für ein Rechenzentrum in New Mexico bis zu 2,45 Gigawatt Brennstoffzellen aus Kalifornien. Der Cloud-Anbieter Nebius hat bei Bloom 250 Megawatt garantierte Leistung bestellt. Allein Oracle bräuchte fast zehn Jahresproduktionen der Reverion-Fabrik. Auch der Münsterländer Hersteller 2G Energy baut in Heek eine zweite Montagehalle, dort allerdings für Gasmotoren-Kraftwerke, die ab 2028 US-Rechenzentren versorgen. „Mit diesem Kapital ist der Weg geebnet, um der Nachfrage gerecht zu werden und gleichzeitig das Unternehmen in Richtung langfristiger Profitabilität zu führen“, sagt Reverion-COO Felix Fischer.[1]

Reverion: vom Container zur Großserie
Finanzierung, Ausbauziel und Stand der Fabrikpläne im Oktober 2026
152 Mio. €
Series B über 175 Mio. Dollar, angeführt vom Fonds Kembara
250 MW
Fertigungskapazität pro Jahr in der geplanten Fabrik, das Zehnfache von heute
bis zu 800
neue Stellen am künftigen Standort, heute arbeiten gut 200 Menschen in Eresing
74,2 %
elektrischer Wirkungsgrad, gemessen im laufenden Kundenbetrieb
2022
Reverion entsteht als Ausgründung der TU München
Mai 2026
Reverion startet die deutschlandweite Standortsuche
Aug. 2026
Liefervertrag mit Doosan Fuel Cell für Zellstapel
Sept. 2026
Reverion schließt die Series B ab
offen
Standortentscheidung, Förderung und Baugenehmigung
offen
Start der Serienfertigung, ohne Zeitplan

Welche Region bekommt die bis zu 800 Jobs?

Kriterien statt Spatenstich. Seit Mai sucht Reverion bundesweit eine Fläche für die Serienfertigung. Das Landratsamt Landsberg am Lech nennt als Kriterien Flächengröße, Verkehrsanbindung, Energie- und Gasversorgung sowie eine schnelle Genehmigung.[2] Die Kreisverwaltung möchte die Fabrik in der Nähe von Eresing halten. Herrmann sagte beim Besuch von Landrätin Daniela Groß: „Dafür benötigen wir geeignete Flächen mit Entwicklungsperspektive.“ Am liebsten bliebe das Unternehmen nah am Hauptsitz und an den Fachkräften, die dort arbeiten.

Status: Geld da, Fläche offen. Die Fabrik steht damit vor der Standortentscheidung. Weder eine Förderzusage noch ein Bauantrag liegt vor, einen Termin für den Produktionsstart nennt Reverion nicht. Angekündigte Werke scheitern in Deutschland regelmäßig, am bekanntesten Intel in Magdeburg: Der Konzern strich die 30-Milliarden-Fabrik im Juli 2025 samt zugesagter 10 Milliarden Euro Bundesförderung. Das Start-up bringt dagegen privates Kapital mit. Von Subventionen ist in der Mitteilung keine Rede.

Reverion hat das Geld für bis zu 800 Jobs eingesammelt, bevor irgendeine Gemeinde einen Bebauungsplan beschlossen hat. Den Zuschlag bekommt die Region, die Gasanschluss und Baurecht schneller liefert als ihre Konkurrenten.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Gelegenheit für Gewerbegebiete. Wirtschaftsförderer mit einer großen, erschlossenen Gewerbefläche und leistungsfähigem Gasanschluss können sich jetzt bei Reverion ins Gespräch bringen. Zulieferer aus dem Anlagenbau, der Elektrotechnik und der Logistik gewinnen einen möglichen Abnehmer, der Container-Kraftwerke in Serie bauen will. Betreiber von Rechenzentren, die bis 2032 auf ihren Netzanschluss warten, sollten Gaspreis und Lieferzeit der Brennstoffzellen mit den Kosten jedes Jahres vergleichen, in dem ihr Projekt ohne Strom stillsteht.

Quellen

[1] Reverion, Pressemitteilung: „175 Millionen Dollar für Reverion: Megafactory soll Produktion des effizientesten Kraftwerks der Welt verzehnfachen“ (29.09.2026)

[2] Landkreis Landsberg am Lech, Pressemitteilung: „Vom Weltrekord zur Großserie: Reverion sucht Raum für die Energiezukunft“ (29.05.2026)

[3] Reverion: „Reverion und Doosan Fuel Cell: Partnerschaft für großvolumige Brennstoffzellenlieferung“ (11.08.2026)

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