2G Energy baut in Heek im Kreis Borken eine zweite Produktionsstätte, in der ab 2028 containerisierte Kraftwerke für US-Rechenzentren in Fließfertigung entstehen sollen. Der jüngste Auftrag von Energy Vault umfasst 275 Megawatt und übersteigt die gesamte Produktion von 2G im Jahr 2025.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIn Heek montiert 2G Energy die Kraftwerke, mit denen amerikanische KI-Rechenzentren den langen Wartezeiten auf einen Netzanschluss ausweichen. Der Münsterländer Hersteller setzt Gasmotoren-Aggregate in Container, testet die Anlagen im Werk und verschifft sie in die USA.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Die zweite Produktionsstätte von 2G Energy in Heek soll Ende 2027 in Betrieb gehen, ab 2028 folgt die Fließfertigung.
- 2G beziffert die zusätzliche Kapazität auf mindestens 300 Millionen Euro Umsatz im Jahr.
- Im dritten Quartal 2026 buchte 2G Aufträge über 400 Millionen Euro, darunter 275 Megawatt für Energy Vault.
- Für 2028 peilt der Vorstand 750 bis 850 Millionen Euro Umsatz an, im ersten Halbjahr 2026 lag die EBIT-Marge bei 0,6 Prozent.
Was plant 2G Energy in Heek?

Zweite Fertigung. Ende Juli kündigte 2G eine Montagehalle am Stammsitz an, in der ab Anfang 2028 containerisierte Kraftwerke in Fließfertigung entstehen sollen.[3] Am 29. September nannte der Vorstand das Jahresende 2027 als Termin der Inbetriebnahme, der Personalaufbau läuft bereits.[1] Eine erste neue Produktionshalle ging Anfang 2026 in Betrieb.[2]
Offene Eckdaten. Die Standortentscheidung ist gefallen, der zweite Produktionsstandort befindet sich im Aufbau.[2] Investitionssumme, Hallenfläche und Zahl neuer Arbeitsplätze nennt 2G bislang nicht, Fördermittel ebenso wenig. Die Gemeinde Heek führt 2G mit über 580 Beschäftigten als größten Arbeitgeber am Ort.[4]
Warum kaufen US-Rechenzentren Kraftwerke aus dem Münsterland?
Netz zu langsam. Energy Vault, ein Energieinfrastruktur-Anbieter aus den USA, bestellte am 23. September Anlagen mit 275 Megawatt, die zwischen Ende 2027 und dem dritten Quartal 2028 ausgeliefert werden.[2] Die US-Firma koppelt die Aggregate mit Batteriespeichern und versorgt damit Rechenzentren vor Ort. Chief Revenue Officer Marco Terruzzin begründet den Bedarf mit Stromversorgung „innerhalb von Zeitrahmen, die konventionelle Netzanschlüsse häufig nicht ermöglichen können“.[2]
Container statt Turbine. 2G liefert keine Großturbine, sondern genormte Einheiten mit 500 Kilowatt bis 2,5 Megawatt Leistung.[1] Für 275 Megawatt sind rechnerisch mindestens 110 Container nötig. Solche Stückzahlen verlangen Serienfertigung am Band, und dafür baut 2G die zweite Produktionsstätte.
Wie belastbar ist das Wachstum am Standort Heek?
Dünne Marge. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Gesamtleistung um 4,7 Prozent auf 184,0 Millionen Euro, und das EBIT fiel von 5,7 auf 0,8 Millionen Euro.[1] Der Vorstand bestätigt für 2026 dennoch 490 Millionen Euro Umsatz bei 9,5 bis 10,5 Prozent EBIT-Marge. Von den rund 47 bis 51 Millionen Euro EBIT, die sich daraus rechnerisch ergeben, stehen nach sechs Monaten 0,8 Millionen in den Büchern.
Branchenmuster. Deutsche Zulieferer bauen für den Strombedarf der KI-Rechenzentren Kapazität im Inland auf. Der Augsburger Getriebebauer RENK liefert Getriebe für Gasturbinen an Rechenzentren und will seine Fertigung in Augsburg bis 2030 von 700 auf über 1.800 Getriebe im Jahr ausbauen. Die Nachfrage kommt vor allem aus den USA: Amazon sicherte sich bei Generac Notstrom für bis zu 7 Milliarden Euro.
Amerikas Rechenzentren warten Jahre auf einen Netzanschluss und kaufen deshalb Kraftwerke aus Heek. 2G Energy verdient am langsamen Netz, trägt mit der zweiten Halle aber auch das Risiko, falls der US-Boom abkühlt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Deutsches Gegenstück. Rechenzentrumsplaner in Deutschland rechnen ähnlich: In Schlüchtern plant die Stadt ein eigenes Kraftwerk mit 276 Megawatt für ein Rechenzentrum, in Schladen-Werla liegt der Netzanschluss bereit, bevor ein Betreiber gefunden ist. 2G veröffentlicht den Halbjahresbericht am 15. Oktober, Umsatz und EBIT des dritten Quartals folgen am 23. November.[1]
Quellen
[1] 2G Energy: „2G Energy AG gewinnt im dritten Quartal erneut Aufträge oberhalb von 400 Mio. Euro“ (Corporate News, 29.09.2026)
[2] 2G Energy: „2G Energy erhält Auftrag über 275 MW von Energy Vault Holding Inc.“ (Pressemitteilung, 23.09.2026)
[3] 2G Energy: „2G Energy AG verzeichnet auch außerhalb des Segments Data Center erhebliche Vertriebserfolge und bestätigt Rekord-Auftragseingang für Q2 2026 von 422,4 Mio. Euro“ (Corporate News, 30.07.2026)
[4] Gemeinde Heek: Standort Heek (abgerufen am 30.09.2026)
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