Wegen eines Batterie-Engpasses stoppt Stellantis im Oktober die E-Auto-Produktion in zwei französischen Werken. In Sochaux stehen die Bänder für den Peugeot E-3008 und E-5008 vom 23. bis 30. Oktober still, in Rennes ruht die Linie des Citroën ë-C5 Aircross vom 22. bis 30. Oktober. Die fehlenden Zellen stammen von ACC, dem Gemeinschaftsunternehmen von Stellantis, Mercedes-Benz und TotalEnergies, das im Februar sein geplantes Werk in Kaiserslautern mit Verweis auf die schwache Nachfrage strich.

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Die Langstreckenversionen seien vor allem bei Flottenkunden gefragt und die Nachfrage übersteige die Liefermöglichkeiten, erklärte Stellantis laut Euronews am 29. September.[1] Ein ACC-Sprecher sagte der Agentur Reuters dagegen, die Modullieferungen entsprächen den Zusagen an Stellantis. Im September habe das Werk fast so viele Module gebaut wie im ganzen Jahr 2025.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Werk Sochaux pausiert vom 23. bis 30. Oktober, Rennes vom 22. bis 30. Oktober.
  • Knapp sind die nickelbasierten Langstreckenakkus aus dem ACC-Werk in Billy-Berclau/Douvrin.
  • Von drei geplanten ACC-Werken ist nur das französische übrig.
  • Für das Werksgelände in Kaiserslautern läuft seit Juni die Investorensuche.

Warum kommen bei ACC so wenige Zellen vom Band?

Alu-Gitterbox mit Akku, Karton und „Rest folgt“-Notiz auf weißem Grund
ACC-Werk Billy-Berclau produziert seit Anfang 2026 rund 1.000 Batterien monatlich statt geplanter 13 GWh jährlich

ACC eröffnete sein erstes Werk in Billy-Berclau/Douvrin im Mai 2023 mit einem ersten Produktionsblock für mehr als 13 GWh im Jahr, der Hochlauf sollte Ende 2024 abgeschlossen sein.[2] Anfang 2026 reichte die Produktion laut Branchenberichten aber nur für rund 1.000 Autos im Monat. Bei rund 97 kWh je Langstreckenakku, wie er im DS N°8 steckt, ergibt das rechnerisch etwa 1,2 GWh im Jahr, also weniger als ein Zehntel der Nennkapazität des ersten Blocks.

Die Ursache liegt im Ausschuss: In neuen Zellfabriken landet im Hochlauf ein großer Teil der Zellen im Abfall, bis Beschichtung, Trocknung und Formierung stabil laufen. Nach denselben Berichten holte ACC Anfang 2026 chinesische Fachleute ins Werk, um die Ausbeute zu steigern. Am selben Problem scheiterte auch der schwedische Hersteller Northvolt, der im März 2025 Insolvenz anmeldete.

Warum hat ACC das Werk in Kaiserslautern gestrichen?

Im Juni 2024 legte ACC die Baustellen in Kaiserslautern und im italienischen Termoli auf Eis, mit der Begründung, der E-Auto-Markt entwickle sich langsamer als erwartet.[4] Im Februar 2026 folgte das endgültige Aus, begründet mit schwacher Nachfrage und der Finanzlage bei Stellantis. Laut dem Fachmagazin Autohaus hatte der Bund rund 437 Millionen Euro Förderung zugesagt, geplant waren etwa 2.000 Arbeitsplätze. Seit Juni suchen Betriebsrat, IG Metall und ACC Deutschland in einem gemeinsamen Verfahren einen Investor für das bereits genehmigte Gelände.[3]

Die Produktionspause stellt die damalige Begründung infrage: Die Nachfrage nach Langstreckenversionen übersteigt, was ACC mit nur noch einem Werk liefern kann. Laut einer Studie im Auftrag des Herstellerverbands ACEA reicht die Zellproduktion in der EU nicht aus, um die geplante Made-in-EU-Regel für alle E-Autos zu erfüllen. Die Lücke füllen chinesische Anbieter: CATL liefert zwei von fünf E-Auto-Batterien weltweit, Gotion steigt in VWs Batteriewerk in Valencia ein.

ACC zwischen Plan und Werkhalle
Eckdaten des Batteriezellherstellers von Stellantis, Mercedes-Benz und TotalEnergies
13 GWh
Kapazität des ersten Produktionsblocks in Douvrin, Hochlauf geplant bis Ende 2024
ca. 1.000
Autos im Monat versorgte ACC Anfang 2026 laut Branchenberichten mit Langstreckenakkus
120 GWh
wollte ACC bis 2030 in drei Werken fertigen, geblieben ist nur Douvrin
437 Mio. €
Förderzusage des Bundes für das gestrichene Werk in Kaiserslautern

Was bedeutet der Engpass für Flotten in Deutschland?

Betroffen sind auch Modelle für den deutschen Markt: Laut electrive stecken ACC-Zellen etwa im Opel Grandland Electric und im DS N°8 mit Langstreckenakku. Mitgesellschafter Mercedes-Benz sichert sich zusätzlich Zellen von CATL aus Ungarn.

ACC hat Kaiserslautern wegen schwacher Nachfrage beerdigt und kann nun nicht einmal Stellantis ausreichend beliefern. Europas Zellproblem entsteht in der Fertigung, nicht beim Kunden.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Fuhrparkleiter mit offener Bestellung einer Langstreckenversion von Peugeot, Citroën, Opel oder DS sollten einen verbindlichen Liefertermin schriftlich einfordern und einen kostenfreien Rücktritt für den Fall einer Verzögerung vereinbaren. Der Engpass betrifft laut Stellantis nur die Langstreckenakkus, für Dienstwagen mit kurzen Fahrten genügt oft die Standardversion.

Quellen

[1] Euronews: „Stellantis to halt four French plants for several days over supply shortage“ (29. September 2026)

[2] ACC: „ACC inaugurates its first Gigafactory in Billy-Berclau/Douvrin (France)“ (30. Mai 2023)

[3] IG Metall Kaiserslautern: „ACC Batteriezellfertigung in Kaiserslautern“ (18. Juni 2026)

[4] electrive: „ACC puts work on battery factories in Kaiserslautern and Termoli on hold“ (5. Juni 2024)

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