Gotion übernimmt 49 Prozent am Batteriezellwerk, das die VW-Tochter PowerCo in Sagunt bei Valencia baut, und bringt dafür rund 1,1 Milliarden Euro ein. Im Gegenzug steigt PowerCo mit 49 Prozent bei zwei Projekten des chinesischen Partners ein: einem Zellwerk im slowakischen Šurany und einer Kathodenfabrik im marokkanischen Kenitra. In allen drei Werken sollen Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) oder deren Vorprodukte entstehen.

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Volkswagen, PowerCo und Gotion gaben die drei Joint Ventures am 28. September bekannt.[1] Zugleich verkauft Volkswagen 5,3 Prozent der Gotion-Aktien, bleibt aber strategischer Investor mit Sitz im Aufsichtsgremium. Unterschrieben ist der Investitionsvertrag noch nicht: Gotions Aktionäre sowie Behörden in China und in den drei Standortländern müssen zustimmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gotion zahlt rund 1,1 Milliarden Euro für 49 Prozent am Werk in Valencia, PowerCo behält 51 Prozent.
  • PowerCo steckt bis 2030 rund 470 Millionen Euro in Minderheitsanteile in der Slowakei und in Marokko.
  • Volkswagen war mit 24,28 Prozent größter Gotion-Aktionär und verkauft nun 5,3 Prozent der Aktien.
  • Laut Gotion kosten die drei Projekte zusammen 3,22 Milliarden Euro.

Warum holt VW einen Partner ins eigene Werk?

Metallbox mit orangefarbenem Gurt, darauf Waage-Symbol, links 51 %, rechts 49 % auf weißem Grund
Gotion investiert eine Milliarde Euro in Volkswagens spanische Batteriefabrik PowerCo in Valencia, die Zellen mit 29,1 Gigawattstunden Jahreskapazität produziert

Gotions Milliarde fließt als Kapitalerhöhung in die spanische PowerCo-Gesellschaft, die in Valencia Zellen mit einer Jahreskapazität von 29,1 Gigawattstunden fertigen soll. Ursprünglich plante PowerCo dort bis zu 40 Gigawattstunden. Den Ausbau muss Volkswagen damit nicht mehr allein finanzieren.

Hinzu kommt die Zellchemie. LFP-Zellen kommen ohne Nickel und Kobalt aus, sind günstiger und halten mehr Ladezyklen aus, speichern aber weniger Energie je Kilogramm. Volkswagen erwartet, dass der LFP-Anteil am europäischen Markt von heute rund 10 Prozent bis 2030 auf 40 bis 60 Prozent steigt.[1] PowerCo fertigt seine Einheitszelle in Salzgitter seit Dezember 2025 zunächst mit NMC-Chemie, eine LFP-Variante sollte folgen. Gotion produziert LFP-Zellen in China seit Jahren in großer Stückzahl.

Folgt Volkswagen einem Muster in Europa?

Stellantis ging Ende 2024 einen ähnlichen Weg und gründete mit CATL ein Joint Venture für ein LFP-Werk im spanischen Saragossa, Investitionsrahmen bis zu 4,1 Milliarden Euro. CATL selbst fährt im ungarischen Debrecen die Zellproduktion hoch. Europäische Eigengewächse kamen dagegen ins Stocken: Northvolt meldete im März 2025 in Schweden Insolvenz an. Die Abhängigkeit von chinesischen Zellherstellern wächst. Auch Daimler Truck drängt deshalb auf eine europäische Batterie-Allianz.

Neu am VW-Modell ist die Überkreuzbeteiligung: PowerCo kontrolliert Valencia mit 51 Prozent, Gotion hält an den beiden anderen Standorten jeweils 51 Prozent. Das Werk in Kenitra soll laut Gotion 100.000 Tonnen LFP-Kathodenmaterial im Jahr herstellen. Marokko handelt mit der EU Industriegüter weitgehend zollfrei, das Material könnte die Zellwerke in Spanien und der Slowakei also ohne Zollaufschlag erreichen.

Volkswagen kauft sich LFP-Erfahrung ein, die in Europa kaum ein Zellhersteller besitzt. Der Preis dafür ist die Hälfte eines Werks, das PowerCo einmal allein bauen wollte.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
VW und Gotion: drei Werke über Kreuz
Beteiligungen, Kapazitäten und die Wette auf Lithium-Eisenphosphat
1,1 Mrd. €
bringt Gotion für 49 Prozent am PowerCo-Werk in Valencia ein
29,1 GWh
Jahreskapazität plant das Joint Venture in Valencia, ursprünglich waren bis zu 40 GWh vorgesehen
8,4 GWh
soll das Gotion-Werk im slowakischen Šurany jährlich fertigen, PowerCo hält 49 Prozent
100.000 t
LFP-Kathodenmaterial pro Jahr sind im marokkanischen Kenitra geplant
40 bis 60 %
LFP-Anteil erwartet Volkswagen 2030 in Europa, heute sind es rund 10 Prozent

Was bedeutet der Deal für Zulieferer und Flotten?

Für Zulieferer rückt die EU-Batterieverordnung näher: Ab dem 18. Februar 2027 braucht jede Antriebsbatterie eines Elektroautos einen digitalen Batteriepass mit Angaben zu Herkunft und CO₂-Fußabdruck.[2] Stammen Kathodenmaterial und Zellen aus Marokko, Spanien, der Slowakei oder China, muss die Dokumentation jede Station der Lieferkette abdecken. Lanxess betreibt in Krefeld bereits ein eigenes Labor für LFP-Batteriematerial.

Prüfen Sie als Zulieferer gerne, ob Ihre Datenerfassung für den Batteriepass auch Vorprodukte aus Drittstaaten abdeckt. Fragen Sie als Flottenverantwortlicher bei Ausschreibungen die Zellchemie ab: LFP-Modelle sind günstiger, bringen bei gleichem Akkugewicht aber weniger Reichweite. Der Akku bleibt der größte Kostenblock eines Elektroautos, günstigere Zellen drücken deshalb direkt den Listenpreis.

Quellen

[1] Volkswagen Group: „Volkswagen Group, PowerCo and Gotion deepen strategic partnership“ (28.09.2026)

[2] Europäische Union: „Verordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien“ (12.07.2023)

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