Lufthansa plant den Sommerflugplan 2027 ohne eine einzige Boeing 777-9. Boeing stellt die erste Auslieferung zwar für das erste Quartal 2027 in Aussicht. Konzernchef Carsten Spohr verlässt sich auf diesen Termin aber nicht mehr, wie er am Montag vor Journalisten in Frankfurt erklärte.

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Den bisherigen Notfallplan, mehr Airbus A340-300 als geplant in Betrieb zu halten, nannte Spohr laut aeroTELEGRAPH den neuen Plan A. Lufthansa fliegt also ein Langstreckenmuster aus den 1990er-Jahren weiter, weil die 777-9 sieben Jahre nach dem ursprünglichen Termin noch immer keine Zulassung hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lufthansa plant den Sommer 2027 ohne Boeing 777-9 und hält dafür mehr Airbus A340-300 in Betrieb.
  • Als Erstkunde bestellte Lufthansa die 777-9 im Jahr 2013, die erste Auslieferung war für 2020 geplant.
  • An EU-Flughäfen gilt seit 2025 eine Mindestquote für nachhaltiges Flugbenzin, deren Kosten mit jedem getankten Liter steigen.

Warum wartet Lufthansa seit sieben Jahren auf die 777-9?

Flugzeugmodell auf Ständer, Anhänger „Plan X“ links, leerer Ständer rechts
Boeing 777X: Erstkunde Lufthansa seit 2013, erste Auslieferung nun 2027 statt 2020 geplant. Belastung von 4,9 Milliarden Dollar

Boeing startete die 777X im Jahr 2013 mit Lufthansa als Erstkunde und plante die erste Auslieferung für 2020. Im Oktober 2025 verschob der Hersteller die erste Auslieferung auf 2027 und verbuchte für das Programm eine Belastung vor Steuern von 4,9 Milliarden Dollar, rund 4,3 Milliarden Euro.[2]

Den Zeitplan bestimmt die US-Luftfahrtbehörde FAA inzwischen stärker mit. Nach den beiden Abstürzen der 737 MAX in den Jahren 2018 und 2019 prüft die Behörde neue Muster enger und erteilt die Freigaben für die einzelnen Phasen der Testflüge langsamer, als Boeing geplant hatte. Hinzu kamen Probleme am Triebwerk GE9X: Bestimmte Dichtungen hielten nicht lange genug, verbesserte Einheiten liefert GE Aerospace laut dem Fachportal aero.de erst seit August 2026.

Lufthansa kennt solche Zulassungshürden auch aus der eigenen Kabine, denn bei der neuen Allegris-Business-Class hängen die Sitze ebenfalls in der Freigabe. Der Konzern bleibt Boeing trotzdem treu: Im September stockte Lufthansa die Bestellung der 737 MAX auf 60 Jets auf.

Was kostet der Plan A mit der A340-300?

Die A340-300 fliegt mit vier Triebwerken einer älteren Generation. Rund ein Dutzend dieser Maschinen hält Lufthansa aktiv, im Schnitt sind die Jets älter als 26 Jahre. Für die 777X nennt Boeing 20 Prozent weniger Treibstoff und Emissionen als bei den Flugzeugen, die sie ersetzen soll.[1]

Spohr räumte ein, dass ältere Flugzeuge mehr Wartung brauchen und mehr Kerosin verbrennen. Beim Treibstoff steht Lufthansa ohnehin unter Druck: Für 2026 rechnet der Konzern mit einer Mehrbelastung von rund 1,7 Milliarden Euro aus dem Kerosinpreis.

Hinzu kommt die EU-Verordnung ReFuelEU Aviation. Seit 2025 müssen Kraftstofflieferanten an EU-Flughäfen mindestens 2 Prozent nachhaltiges Flugbenzin (SAF) beimischen, ab 2030 steigt die Quote auf 6 Prozent.[3] Die Quote bezieht sich auf den gesamten an EU-Flughäfen getankten Kraftstoff, also auch auf Langstreckenflüge nach Übersee. Für einen Jet mit höherem Verbrauch zahlt die Airline deshalb auch mehr für den teuren SAF-Anteil.

Die sieben Jahre Verspätung bezahlt Lufthansa am Tankwagen, nicht bei Boeing. Auf jedem Umlauf verbrennt die A340 mehr Kerosin als ein moderner Zweistrahler, und ab 2030 wächst der teure SAF-Anteil mit.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die Verspätung der Boeing 777-9 in Zahlen
Was der Aufschub Boeing kostet und warum die ältere A340-300 für Lufthansa teurer fliegt
7 Jahre
liegt die Boeing 777X hinter dem ursprünglich geplanten Liefertermin 2020
4,3 Mrd. €
Belastung vor Steuern verbuchte Boeing im dritten Quartal 2025 für das 777X-Programm (4,9 Mrd. Dollar)
20 %
weniger Treibstoff und Emissionen verspricht Boeing für die 777X gegenüber den Flugzeugen, die sie ersetzt
über 26 Jahre
alt sind die A340-300 von Lufthansa im Schnitt (Stand August 2026)
2 % → 6 %
SAF-Mindestquote an EU-Flughäfen seit 2025 und ab 2030 laut ReFuelEU Aviation

Was bedeutet der Plan A für Geschäftsreisende und Einkäufer?

Laut Spohr erhält der Konzern im laufenden Flottenumbau derzeit rund 100 Flugzeuge in 100 Wochen. Im Jahr 2026 kamen bereits 26 neue Jets, 20 weitere sollen folgen. Auch Airbus liefert nicht immer pünktlich, wie der zweimonatige Auslieferungsstopp der A330neo im Sommer zeigte.

Für Travel-Manager wird der Flugzeugtyp zur Berichtsgröße. Unternehmen, die nach der EU-Richtlinie CSRD berichten, weisen Dienstreisen als Scope-3-Emissionen aus. Rechnen Sie Langstreckenflüge im Bericht gerne mit typgenauen Emissionsfaktoren statt mit Pauschalwerten, sonst taucht der Mehrverbrauch der A340 in Ihrer CO2-Bilanz nicht auf. Vorsicht ist bei Werbung mit kompensierten Flügen geboten: Das OLG Köln stoppte bereits Lufthansas CO2-Werbung.

Quellen

[1] Boeing: „777X“ (Produktseite)

[2] Boeing: „Boeing Reports Third Quarter Results“ (29.10.2025)

[3] Europäische Union: „Verordnung (EU) 2023/2405 zur Gewährleistung gleicher Wettbewerbsbedingungen für einen nachhaltigen Luftverkehr (ReFuelEU Aviation)“ (18.10.2023)

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