Airbus schickt heute in Toulouse die A350F auf den Erstflug, die Frachtversion der A350-1000. Erste Kunden sollen die Maschine Ende 2027 erhalten, rund zwei Jahre vor Boeings verspäteter 777-8F. Ab 2028 darf Boeing die ältere 777F deshalb nur mit einer Ausnahme der US-Luftfahrtbehörde FAA von der CO₂-Norm ausliefern.

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Gegen 10:30 Uhr soll die A350F mit der Seriennummer MSN700 in Toulouse-Blagnac abheben. Mit dem Erstflug beginnt ein Testprogramm von rund 400 Flugstunden auf zwei Maschinen.[1] Bis Ende 2027 will der Hersteller die Zulassung durch die europäische Behörde EASA und die FAA in der Tasche haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Airbus plant den Erstflug der A350F am 29. September in Toulouse, die ersten Auslieferungen folgen Ende 2027.
  • Die A350F nimmt 111 Tonnen Fracht auf, beladen wird sie über eine 4,3 Meter breite Hauptdecktür.
  • Ab 2028 erhalten neu gebaute Flugzeuge ohne erfüllte ICAO-CO₂-Norm kein erstes Lufttüchtigkeitszeugnis mehr.
  • Per FAA-Ausnahme darf Boeing noch 35 neue 777F bis Ende 2030 ausliefern.

Was kann der neue Frachter?

Weißes Frachtflugzeugmodell mit offener Ladeklappe und schwerem Paket daneben
Airbus A350F Frachtflugzeug mit 4,3 Meter breiter Hauptdecktür, 111 Tonnen Nutzlast, Rolls-Royce Trent XWB-97 Triebwerken und 40 Prozent geringerem Kerosinverbrauch als vergleichbare Frachter

Airbus hat die A350F aus der A350-1000 abgeleitet, den Rumpf leicht gekürzt und eine Hauptdecktür von 4,3 Metern Breite eingebaut. Die Maschine nimmt 111 Tonnen Nutzlast auf und fliegt mit zwei Triebwerken vom Typ Rolls-Royce Trent XWB-97. Airbus beziffert den Kerosinverbrauch auf bis zu 40 Prozent unter dem Niveau heute fliegender Frachter vergleichbarer Größe.[1] Rumpfsektionen liefern die Werke in Hamburg und Bremen zu, die Endmontage läuft in Toulouse.

Ursprünglich wollte Airbus die A350F schon 2025 ausliefern und verschob den Termin dann zweimal, zuletzt wegen Engpässen beim Rumpfzulieferer Spirit AeroSystems. Nach Mängeln wie dem fehlerhaften Korrosionsschutz am A321neo oder einem vergessenen Werkzeug im Höhenleitwerk der A330neo steht der Hersteller ohnehin unter Termindruck.

Warum darf Boeing die 777F nur noch per Ausnahme bauen?

Den Takt gibt eine Klimanorm der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO vor, die auch die USA übernommen haben. Ab dem 1. Januar 2028 erhalten neu gebaute Flugzeuge, die den CO₂-Grenzwert verfehlen, kein erstes Lufttüchtigkeitszeugnis mehr. Die 777F, deren Grundkonstruktion aus den 1990er-Jahren stammt, erfüllt die Norm nicht.

Den Nachfolger 777-8F hat Boeing an das verspätete 777X-Programm gekoppelt, Branchenberichten zufolge kommt der neue Frachter erst um 2029. Mitte September genehmigte die FAA deshalb eine Ausnahme: Bis zu 35 neu gebaute 777F dürfen zwischen 2028 und Ende 2030 noch ihr erstes Zeugnis erhalten. Airbus verbucht für die A350F bereits mehr als 100 Festbestellungen, die größte mit 20 Maschinen stammt vom langjährigen Boeing-Kunden Atlas Air.

Boeing rettet die 777F mit 35 Ausnahmen über die Zeit, obwohl der Bestseller an einer Klimanorm scheitert. Airbus bekommt dadurch keinen freien Markt geschenkt, wohl aber zwei Jahre Vorsprung mit einem Frachter, der die Norm ohne Sondergenehmigung erfüllt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
A350F gegen 777F: die Fristen im Frachtermarkt
Leistung und Fristen im Überblick
111 t
Nutzlast der A350F; die Kerosinersparnis beziffert Airbus auf bis zu 40 Prozent
1.1.2028
Stichtag: Neubauten ohne erfüllte ICAO-CO₂-Norm erhalten kein erstes Lufttüchtigkeitszeugnis
35
neu gebaute 777F darf Boeing per FAA-Ausnahme noch bis Ende 2030 ausliefern
Ende 2027
erste Auslieferung der A350F, die 777-8F folgt voraussichtlich um 2029

Was bedeutet das für Lufthansa Cargo und Verlader?

Lufthansa Cargo hat sich 2022 gegen die A350F entschieden und sieben 777-8F für die Jahre 2027 bis 2030 bestellt, dazu drei weitere 777F.[2] Die Langstreckenflotte der Frankfurter besteht bis heute nur aus 777F. Rutscht die 777-8F auf 2029, fliegt die Cargo-Tochter länger mit dem durstigeren Altmodell, während hohe Kerosinkosten schon den Konzerngewinn drücken.

Für Verlader im Mittelstand zählt die Flotte hinter dem Frachtvertrag. Fragen Sie in der nächsten Ausschreibung gerne nach, welche Frachter ab 2028 auf Ihren Strecken fliegen. Neuere Maschinen verbrauchen weniger Kerosin pro Tonne Fracht und verbessern so die CO₂-Bilanz Ihrer Luftfracht.

Quellen

[1] Airbus: „A350F first flight live & journey“ (abgerufen am 29.09.2026)

[2] Lufthansa Cargo: „Lufthansa Cargo bestellt zehn Boeing-Frachter“ (09.05.2022)

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