Lufthansa hat ihre feste Bestellung der Boeing 737 MAX von 40 auf 60 Maschinen aufgestockt und dazu 20 Exemplare der größten Variante MAX 10 geordert. Der Listenpreis liegt bei rund 2,96 Milliarden Euro, die Auslieferung beginnt Anfang der 2030er-Jahre. Warum der Konzern gerade jetzt auf das größte Modell setzt, entscheidet sich weniger am Sitzplatz als am Kerosinpreis und an der EU-Klimarechnung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Boeing 737 MAX 10 ist das längste Modell der MAX-Familie und nimmt mehr Passagiere auf als die bereits bestellte MAX 8. Genau diese Größe steht im Zentrum der Kaufoption, die der Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa am 17. September einlöste.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- 20 zusätzliche Boeing 737 MAX 10, die feste MAX-Bestellung steigt damit von 40 auf 60 Jets.
- Listenpreis rund 2,96 Milliarden Euro, Auslieferung ab Anfang der 2030er-Jahre.
- Die neuen Maschinen ersetzen ältere Flugzeuge der Airbus-A320-Familie und verbrauchen laut Lufthansa Group rund 30 Prozent weniger Kerosin.
- Seit 2026 zahlt der Konzern für innereuropäische Flüge den vollen CO2-Preis im EU-Emissionshandel, was jeden gesparten Liter direkt in der Bilanz sichtbar macht.
Warum fällt die Wahl auf die größte Variante?

Die MAX 10 senkt die Stückkosten, weil sie mehr Sitze über dieselbe Strecke fliegt. Je mehr Passagiere eine Maschine auf einem Flug befördert, desto tiefer sinken die Kosten pro Sitzplatz, weil Gebühren, Crew und ein großer Teil des Sprits pro Flug ähnlich hoch bleiben. Laut Lufthansa Group liegen die Stückkosten der neuen Jets rund 20 Prozent unter denen der Flugzeuge, die sie ablösen.
Die größere Kabine ist der eine Hebel, die Technik der zweite. Die Lufthansa Group beziffert die Kerosinersparnis auf rund 30 Prozent gegenüber der A320-Generation, die der Konzern ausmustert. Beim Sparen im Detail hilft auch die Haifischhaut-Folie AeroSHARK, die Lufthansa auf ihre Langstreckenjets bringt.
Was treibt die Bestellung wirklich?
Nicht der Wachstumshunger treibt die Bestellung, sondern die steigenden Kosten des Fliegens. Der Kerosinpreis hat den Konzern zuletzt spürbar belastet, ein Gewinneinbruch ging maßgeblich auf höhere Spritkosten zurück. Jeder Prozentpunkt Verbrauch schlägt bei einer Flotte dieser Größe unmittelbar durch.
Ein zweiter Treiber ist die Regulatorik. Seit 2026 bekommt der Luftverkehr für innereuropäische Flüge keine kostenlosen CO2-Zertifikate mehr und zahlt den vollen Preis im EU-Emissionshandel. Parallel schreibt die EU-Verordnung ReFuelEU einen wachsenden Anteil nachhaltigen Flugkraftstoffs vor, von 2 Prozent im Jahr 2025 auf 6 Prozent im Jahr 2030 und bis zu 70 Prozent im Jahr 2050. Nachhaltiger Sprit kostet ein Vielfaches von Kerosin, deshalb rechnet sich jeder Liter, den ein sparsameres Flugzeug gar nicht erst verbrennt. Denselben regulatorischen Druck spüren gerade die Lkw-Bauer, die bei den CO2-Flottengrenzwerten drei Jahre Aufschub fordern.
Eine Flugzeugbestellung für die 2030er ist heute vor allem eine Versicherung gegen den steigenden CO2-Preis. Die Sitzplätze sind der Bonus, die eingesparten Zertifikate das eigentliche Kalkül.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Boeing und Airbus?
Boeing gewinnt bei einem traditionellen Airbus-Kunden Boden, Lufthansa sichert sich dafür zwei Lieferanten. Der Konzern flog die Kurzstrecke bisher überwiegend mit der Airbus-A320-Familie. Eine zweite Flotte aus Boeing-Jets verteilt das Risiko, falls ein Hersteller bei Lieferterminen oder Preisen unter Druck gerät, wie zuletzt, als ein vergessenes Werkzeug im Höhenleitwerk die A330neo-Auslieferung für zwei Monate stoppte.
Die 20 Maschinen sind Teil eines größeren Umbaus, denn bis 2035 will die Lufthansa Group mehr als 250 neue Flugzeuge in Dienst stellen. Für Reisende und Firmenkunden bedeutet das eine jüngere und sparsamere Flotte, allerdings erst zu Beginn des kommenden Jahrzehnts. Für die CO2-Bilanz von Geschäftsreisen bleiben bis dahin nachhaltiger Kraftstoff und die Wahl der Airline die entscheidenden Hebel.
FAQ: Boeing 737 MAX 10 bei Lufthansa
Wie viele Boeing 737 MAX hat Lufthansa jetzt bestellt?
Die Lufthansa Group hat ihre feste Bestellung von 40 auf 60 Boeing 737 MAX erhöht. Neu hinzugekommen sind 20 Maschinen der größten Variante MAX 10 mit einem Listenpreis von rund 2,96 Milliarden Euro. Die Auslieferung beginnt Anfang der 2030er-Jahre.
Was unterscheidet die Boeing 737 MAX 10 von der MAX 8?
Die MAX 10 ist die längste Version der 737-MAX-Familie und bietet mehr Sitzplätze als die MAX 8. Über die größere Kapazität sinken die Kosten pro Sitzplatz, während der Verbrauch pro Flug nur wenig steigt. Genau diese Rechnung macht die größte Variante für Linienflotten attraktiv.
Warum ersetzt Lufthansa Teile der Airbus-A320-Flotte durch Boeing?
Eine zweite Flotte verteilt das Risiko bei Lieferterminen und Preisen auf zwei Hersteller. Zudem verbrauchen die neuen Jets laut Lufthansa Group rund 30 Prozent weniger Kerosin als die ältere A320-Generation, die der Konzern ausmustert.
Wie wirkt sich der EU-Emissionshandel auf Fluggesellschaften aus?
Seit 2026 erhalten Fluggesellschaften für innereuropäische Flüge keine kostenlosen CO2-Zertifikate mehr und zahlen den vollen Preis im EU-Emissionshandel. Jeder eingesparte Liter Kerosin senkt damit direkt die Zertifikatskosten. Zusätzlich schreibt die ReFuelEU-Verordnung einen wachsenden Anteil nachhaltigen Flugkraftstoffs vor.
Quelle
[1] Lufthansa Group: „Lufthansa Group expands Boeing 737 MAX fleet“
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