Deutsche Aircraft eröffnet am Dienstag die Endmontage für das Regionalflugzeug D328eco am Flughafen Leipzig/Halle. Mehr als 100 Millionen Euro hat der Hersteller aus Oberpfaffenhofen in das Werk investiert, im Endausbau sollen dort 250 bis 350 Menschen arbeiten. Einen Erstflug des neuen Flugzeugs hat das Unternehmen bislang nicht gemeldet.

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Für Sachsen bedeutet das Werk die Rückkehr in den Flugzeugbau nach mehr als 60 Jahren Pause. Die DDR hatte ihr Programm um das Düsenflugzeug „152“ in Dresden 1961 eingestellt. Die D328eco ist ein Turboprop mit bis zu 40 Sitzen, den Deutsche Aircraft aus der Dornier 328 weiterentwickelt hat. Zur Eröffnung der Endmontagelinie hat sich Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) angemeldet.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutsche Aircraft nimmt am 29. September die Endmontage der D328eco am Flughafen Leipzig/Halle in Betrieb.
  • Das Werk kostet mehr als 100 Millionen Euro, der Freistaat Sachsen fördert den Bau mit rund 3,2 Millionen Euro.
  • Geplant sind bis zu 48 Flugzeuge pro Jahr und 250 bis 350 Arbeitsplätze.
  • Einen Erstflug des Prototyps hat Deutsche Aircraft noch nicht gemeldet, der Linienbetrieb soll Ende 2027 starten.

Warum ist die Fabrik vor dem Flugzeug fertig?

Weißes Modell-Flugzeug vor Hangar, oranger Anhänger mit Text
Deutsche Aircraft verschiebt Montagestart des D328eco von Anfang 2026 und orientiert Serienfertigung am Entwicklungsstand aus

Gedrosselter Hochlauf. Nach dem ursprünglichen Plan sollte die Montage der ersten D328eco in Leipzig schon Anfang 2026 beginnen.[2] Im Mai kündigte Deutsche Aircraft an, den Aufbau der Serienfertigung am Entwicklungsstand auszurichten. Die Einkaufsabteilung konzentriere sich vorrangig auf die Erstflugkampagne, bindende Zusagen an Zulieferer halte das Unternehmen bewusst knapp.[3] Seit dem 5. August testet Deutsche Aircraft das neu entwickelte Fahrwerk an einer älteren D328 im Flug.[4]

Zulassung als Engpass. Den Start des Linienbetriebs hat der Hersteller mehrfach verschoben, von 2025 auf 2026 und zuletzt auf Ende 2027. Als Grund nannte Deutsche Aircraft strengere Vorgaben der Behörden. Ohne Musterzulassung der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA darf keine Serienmaschine an Kunden gehen. Die Kapazität von bis zu 48 Flugzeugen pro Jahr auf 60.500 Quadratmetern bleibt deshalb vorerst ein Planwert.[5]

Was bekommt Sachsen für 3,2 Millionen Euro?

Kleine Förderquote. Der Freistaat unterstützt das Werk mit rund 3,2 Millionen Euro aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe GRW, etwa 3 % der Investitionssumme.[6] Für die Intel-Fabrik in Magdeburg hatte der Bund 9,9 Milliarden Euro bei 30 Milliarden Euro Investition zugesagt. Intel sagte das Projekt 2025 ab und steckt sein Geld inzwischen in Irland. Bei der ESMC-Chipfabrik in Dresden übernimmt der Staat rund die Hälfte der zehn Milliarden Euro.

Risiko beim Hersteller. In Leipzig liegt das finanzielle Risiko damit fast vollständig bei Deutsche Aircraft. Das Unternehmen gehört zur Holding der US-Unternehmer Eren und Fatih Ozmen, denen auch der Raumfahrt- und Rüstungskonzern Sierra Nevada gehört. Der letzte deutsche Hersteller von Regionalflugzeugen, Fairchild Dornier, meldete 2002 Insolvenz an, sein Regionaljet 728 flog nie.

Leipzig baut wieder Flugzeuge
Die Endmontage der D328eco am Flughafen Leipzig/Halle in Zahlen
über 100 Mio. €
Investition von Deutsche Aircraft in Werk, Hangar, Logistikzentrum und Verwaltung
3,2 Mio. €
GRW-Förderung des Freistaats Sachsen, rund 3 % der Investition
250–350
zugesagte Arbeitsplätze in der Region Leipzig im Endausbau
bis 48
Flugzeuge pro Jahr auf 60.500 Quadratmetern, erst nach der EASA-Zulassung
Mai 2023
Spatenstich am Flughafen Leipzig/Halle
30.04.2025
Grundsteinlegung, Förderzusage über 3,2 Mio. €
17.11.2025
Richtfest der Endmontagelinie
29.09.2026
Eröffnung, der Erstflug des Prototyps steht aus
Ende 2027
geplanter Start des Linienbetriebs

Sachsen hat für wenig Fördergeld eine fertige Flugzeugfabrik bekommen. Ob dort bis zu 350 Menschen arbeiten, entscheidet jetzt die EASA-Zulassung der D328eco.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für den Luftfahrtstandort Leipzig?

Neuer Industriepol. Rund um den Flughafen siedelt sich Luftfahrt- und Rüstungsindustrie an. Anfang Oktober will das Start-up Covenant im nahen Gewerbegebiet Lützschena-Stahmeln seine Fabrik für Marschflugkörper eröffnen. Deutsche Aircraft bietet mit der D328MR zusätzlich eine militärische Mehrzweckversion an, etwa für Fracht und Fallschirmspringer.

Zulieferer im Wartestand. Maschinenbauer und Logistiker aus Mitteldeutschland sollten den Kontakt zum Einkauf von Deutsche Aircraft jetzt suchen, solange die Lieferkette für die Serie noch im Aufbau ist. Planbare Stückzahlen entstehen allerdings erst mit der Zulassung. Koppeln Sie eigene Investitionen deshalb besser an nachprüfbare Meilensteine wie den Erstflug des Prototyps, statt Kapazitäten auf Vorrat aufzubauen.

Quellen

[1] Oiger: Deutsche Aircraft startet „D328“-Fabrik in Leipzig (27.09.2026)

[2] Wirtschaftsförderung Sachsen: Deutsche Aircraft feiert Richtfest für neue Endmontagelinie in Leipzig (17.11.2025)

[3] Deutsche Aircraft: Deutsche Aircraft Advances Disciplined Supply Chain Strategy for the D328eco Programme (19.05.2026)

[4] Deutsche Aircraft: Deutsche Aircraft Achieves First Flight Milestone in Landing Gear Certification Programme (08.09.2026)

[5] Deutsche Aircraft: Final Assembly Line (FAL) Leipzig (abgerufen 28.09.2026)

[6] Sächsische Staatsregierung: Grundsteinlegung für neue Endmontagelinie von Deutsche Aircraft in Leipzig/Halle (30.04.2025)

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