Das US-israelische Rüstungs-Start-up Covenant will seine Fabrik für Marschflugkörper in Leipzig laut Leipziger Volkszeitung schon Anfang Oktober eröffnen. In einer angemieteten Halle sollen ab 2027 zunächst 1.000 Flugkörper vom Typ Anthem im Jahr entstehen. Wie viele Arbeitsplätze das Werk bringt, verrät das Unternehmen bisher nicht.

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Mehr als 500 Menschen zogen am 19. September unter dem Motto „Keine Raketenfabrik in Leipzig“ durch die Stadt.[3] Zur Eröffnung des Covenant-Werks wird laut LVZ Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erwartet; ob Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kommt, hat ihr Ministerium nicht bestätigt.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Covenant bestätigte Anfang September die Montage des Marschflugkörpers Anthem in Leipzig, die Eröffnung folgt laut LVZ Anfang Oktober.
  • Die Serienfertigung beginnt im ersten Quartal 2027 mit 1.000 Stück im Jahr, ausgelegt ist das Werk auf 5.000.
  • Covenant mietet eine bestehende Halle mit rund 10.200 Quadratmetern und montiert dort keine Sprengköpfe.
  • Ein Bundeswehr-Auftrag fehlt bislang, das Verteidigungsministerium bestätigt aber Verhandlungen.

Was baut Covenant in Leipzig?

Eine weiße Modell-Halle mit Rakete und „Vermietet“-Schild auf weißem Grund
Covenant stellt Marschflugkörper Anthem vor, bodengestützt mit großer Reichweite und schwerer Nutzlast

Langstrecke in Serie. Am 9. September stellte Covenant den Anthem vor, einen bodengestützten Marschflugkörper mit großer Reichweite und schwerer Nutzlast.[1] Das 2024 gegründete Unternehmen betreibt außerdem Werke bei Dallas und im Norden Israels. Geldgeber wie Andreessen Horowitz steckten rund 218 Millionen Euro in das Unternehmen, das Auftragsbuch beziffert Covenant auf etwa 130 Millionen Euro (Kurs 0,87 Euro je Dollar).[1] „Im ersten Jahr werden wir etwa 1000 Stück produzieren“, kündigte Covenant-Präsidentin Abby Denburg an.[2]

Vor dem Serienstart. Standortentscheidung und Mietvertrag stehen, die Serienfertigung beginnt Anfang 2027. Das Start-up spricht von einem unterzeichneten Vertrag mit einem europäischen Kunden, nennt ihn aber nicht. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte dem Fachmedium Defense News Verhandlungen über den Anthem.[4] Fördergeld von Land oder Bund ist bislang nicht bekannt.

Warum geht Covenant so schnell nach Leipzig?

Bestandshalle. Covenant errichtet kein eigenes Gebäude, sondern bezieht eine vorhandene Halle im Gewerbegebiet Lützschena-Stahmeln nahe dem Flughafen Leipzig/Halle. Weil dort keine Sprengköpfe eingebaut werden, gilt der Betrieb laut Defense News als Metallverarbeitung und nicht als Munitionsfabrik.[4] Das sprengstoffrechtliche Verfahren entfällt, und die Stadt Leipzig hat gegen ein privates Unternehmen in einer Bestandshalle wenig Handhabe.[3] Das Gegenmodell zeigte Intel in Magdeburg: Dort kam der geplante Neubau trotz zugesagter Milliardenförderung nie zustande.

Lücke im Arsenal. Europas Streitkräften fehlen bezahlbare Waffen mit großer Reichweite: Der modernisierte Taurus kommt laut Defense News Jahre später als geplant, und US-Tomahawks bleiben knapp.[4] Anthem soll in Serie einen mittleren sechsstelligen Betrag kosten, ein Taurus kostet rund 870.000 Euro und mehr. Für Covenant rechnet sich der niedrige Preis erst bei hoher Stückzahl. Nach demselben Kalkül planen Schaeffler und Delair 100 Kampfdrohnen am Tag. Mit einer überwiegend europäischen Lieferkette zielt Covenant auf Armeen, die wie beim Drohnen-Boom in Europa unabhängig von US-Lieferungen aufrüsten wollen.

Covenant in Leipzig: Marschflugkörper aus der gemieteten Halle
So plant das Rüstungs-Start-up seine Fertigung im Leipziger Nordwesten
1.000
Marschflugkörper vom Typ Anthem will Covenant im ersten Produktionsjahr ab 2027 montieren
5.000
Stück im Jahr beträgt die Kapazität, auf die Covenant das Werk auslegt
10.200 m²
misst die angemietete Bestandshalle, Sprengköpfe kommen dort nicht hinein
218 Mio. €
Wagniskapital sammelte Covenant in drei Finanzierungsrunden ein
Wo steht das Projekt?
9. September
Covenant bestätigt den Standort Leipzig
September
Halle angemietet, erste Stellen ausgeschrieben
Anfang Oktober
Offizielle Eröffnung laut LVZ geplant
1. Quartal 2027
Start der Serienfertigung

Eine gemietete Halle ohne Sprengstoff braucht weder Neubau-Genehmigung noch Fördermilliarden. Genau dieses Tempo macht Rüstungs-Start-ups für Standorte attraktiv und für Stadträte unbequem.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das Werk für Leipzig und die Region?

Jobs ohne Zahl. Für Leipzig nennt das Unternehmen keine Beschäftigtenzahl. Laut Mitteldeutscher Zeitung sucht das Unternehmen Werk- und Produktionsleiter sowie erfahrene Monteure, für Dallas nennt Covenant zunächst 300 Beschäftigte.[5] Um dieselben Fachkräfte werben in Leipzig BMW mit der Neuen Klasse und Beiersdorf mit 450 neuen Stellen.

Chance für Zulieferer. Den Großteil der Komponenten will Covenant aus Deutschland und Europa beziehen. Zulieferer aus Zerspanung oder Elektronik sollten vor einem Angebot prüfen, ob ihre Teile als Rüstungs- oder Dual-Use-Güter gelten. Für Lieferungen ins Ausland verlangt das BAFA dann eine Genehmigung. Über die Dauer der Ansiedlung entscheidet der erste feste Großauftrag: Ohne Vertrag mit der Bundeswehr bleibt das Leipziger Werk eine Montagehalle mit Option.

Quellen

[1] Covenant via Business Wire: „Covenant Emerges From Stealth With Anthem: a Long-Range, Heavy Payload Weapon System Built to Close the West’s Deep Precision Strike Gap“ (09.09.2026)

[2] Freie Presse: „Bericht: Rüstungsfabrik von Covenant eröffnet in Leipzig schon im Oktober“ (23.09.2026)

[3] Leipziger Internet Zeitung: „Mittwoch, der 23. September 2026: … Rüstungsfabrik startet schon eher“ (23.09.2026)

[4] Defense News: „German military eyes cruise missiles from Covenant, a surprise vendor setting up shop“ (11.09.2026)

[5] Mitteldeutsche Zeitung via news aktuell: „US-Rüstungsfirma Covenant schreibt Jobs für Werk in Leipzig aus“ (September 2026)

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