Das US-Rüstungsunternehmen Covenant eröffnete am Montag seine Fabrik für Marschflugkörper im Leipziger Norden. Laut Staatssekretär Johannes Steiniger investiert das Start-up rund 250 Millionen Euro, bis zu 250 Menschen sollen dort arbeiten. Produziert wird noch nicht: Die Behörden müssen die angemietete Lagerhalle erst als Fertigungsstätte genehmigen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Covenant-Fabrik in Leipzig belegt eine bestehende Gewerbehalle mit mehr als 10.000 Quadratmetern, die Standortentscheidung fiel erst vor fünf Monaten. Im ersten Quartal 2027 soll dort die Serienfertigung des Marschflugkörpers Anthem anlaufen, mit 1.000 Stück im ersten Jahr und bis zu 5.000 im zweiten.[1] Nach Angaben von Co-Chef Michael Kaufman wird Leipzig damit der größte Standort des 2024 gegründeten Unternehmens, vor den Werken bei Dallas und in Israel.
Das Wichtigste in Kürze
- Covenant eröffnete am 5. Oktober 2026 seine Marschflugkörper-Fabrik im Leipziger Norden, die Serienfertigung beginnt im ersten Quartal 2027.
- Staatssekretär Johannes Steiniger beziffert die Investition auf rund 250 Millionen Euro, bis zu 250 Menschen sollen in der Produktion arbeiten.
- Geplant sind 1.000 Flugkörper vom Typ Anthem im Jahr 2027 und 5.000 im Jahr 2028, den Sprengstoff setzen erst die Kunden ein.
- Offen sind die Umwidmung der Halle und eine Bestellung der Bundeswehr, Fördergeld von Land oder Bund ist nicht bekannt.
Was eröffnete Covenant in Leipzig?

Zur Eröffnung kamen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Johannes Steiniger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Im Publikum saß laut Defence Network auch der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding.[1] In Leipzig werden die Flugkörper nur montiert, den Sprengstoff setzen nach Unternehmensangaben erst die Kunden vor Ort ein. Anthem kann einen Gefechtskopf von rund 200 Kilogramm tragen und fliegt laut Steiniger weit über 1.000 Kilometer.[2]
Mit der Eröffnung steht das Werk zwischen Standortentscheidung und Produktionsstart. Die Umwidmung vom Lager zur Fertigungshalle müssen die Behörden noch genehmigen, was laut dpa als Formalie gilt. Ein Auftrag der Bundeswehr fehlt bislang. Nach einem Bericht des Spiegels könnte noch in diesem Jahr eine Beschaffungsvorlage in den Haushaltsausschuss des Bundestags gehen.[2] Covenant spricht von einem europäischen Erstkunden, nennt den Namen aber nicht. „Deutschland, Sachsen und Leipzig haben uns ihre Unterstützung zugesagt“, sagte Kaufman bei der Eröffnung.[1]
Genauer hinsehen dürfte der Bund bei den Geldgebern: Covenant sammelte mehr als 250 Millionen US-Dollar ein, rund 218 Millionen Euro (Kurs 0,87 Euro je Dollar), auch beim Founders Fund, den Peter Thiel mitgegründet hat. Beim Drohnenhersteller Stark Defense hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius im Februar Auskunft über Thiels Einfluss verlangt.[2]
Warum geht Covenant so schnell nach Leipzig?
Covenant baut nicht neu, sondern mietet. Weil in der Halle keine Sprengköpfe eingebaut werden, gilt der Betrieb als Metallverarbeitung und nicht als Munitionsfabrik, ein sprengstoffrechtliches Verfahren entfällt. Gegen ein privates Unternehmen in einer Bestandshalle hat die Stadt wenig Handhabe, wie die erste Meldung zur geplanten Eröffnung zeigte.
Den Ausschlag gaben nach Angaben von Präsidentin Abby Denburg die industrielle Basis, die Forschungseinrichtungen, die Logistik und die Lebensqualität der Region.[1] Die Halle liegt nahe dem Flughafen Leipzig/Halle, über den auch Militärtransporte laufen. Trotz der US-Herkunft setzt das Start-up auf eine europäische Lieferkette, um sich gegen Exportbeschränkungen abzusichern.
Den Markt öffnet eine Fähigkeitslücke bei weitreichenden Waffen. Für Tiefschlagfähigkeit plant Deutschland laut Defence Network rund 12 Milliarden Euro ein: Kurzfristig will die Bundeswehr etwa 400 Tomahawk aus den USA kaufen, langfristig mit Großbritannien einen eigenen Marschflugkörper entwickeln.[1] Anthem soll einen sechsstelligen Betrag kosten, vergleichbare Systeme kosten meist mehrere Millionen Euro je Stück.
Covenant brauchte für Leipzig keinen Neubau, nur eine Lagerhalle. Ohne Bundeswehr-Auftrag bleiben 5.000 Flugkörper im Jahr trotzdem eine Wette auf Europas Wehretats.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das Werk für Leipzig?
In der Stadt stößt die Ansiedlung auf Widerstand. Ein Teil der Leipziger protestierte mit einer Petition und mit Demonstrationen, Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) reiste am Eröffnungstag mit einer Delegation nach Jerewan und schickte eine Vertretung.[3] Zu einer Kundgebung vor dem Neuen Rathaus hatte Anfang September das Bündnis Sahra Wagenknecht aufgerufen.[4]
Für den Leipziger Norden kommt ein weiterer Industriearbeitgeber hinzu, nur wenige Kilometer von den Werken von BMW und Porsche entfernt. Privat finanzierte Rüstungsprojekte mehren sich: Helsing investiert 18 Millionen Euro in Mattsies, Schaeffler will mit Delair Kampfdrohnen in Serie bauen. Die Intel-Fabrik in Magdeburg entstand trotz zugesagter Milliardenförderung nie, Intel steckt sein Geld stattdessen in den Standort Irland. Die Rüstungsvorhaben hängen dagegen an konkreten Bestellungen der Streitkräfte.
Metall- und Elektronikbetriebe in Mitteldeutschland sollten den Kontakt zur deutschen Tochter Covenant Industries GmbH suchen, solange das Unternehmen seine europäische Lieferkette aufbaut. Personalverantwortliche im Leipziger Norden müssen ab 2027 mit einem weiteren Bewerber um Fachkräfte rechnen. In der Debatte um den Standort Deutschland steht die Eröffnung auf der Plus-Seite, solange Covenant seinen Zeitplan hält.
Quellen
[1] Defence Network: „Anthem: Covenant eröffnet Marschflugkörper-Produktionsstätte in Leipzig“ (05.10.2026)
[2] t-online (dpa): „US-Firma eröffnet Werk in Leipzig, mit Geld von Peter Thiel“ (05.10.2026)
[3] Leipziger Zeitung: „Montag, der 5. Oktober 2026“ (05.10.2026)
[4] NEWS5: „Keine Rüstungsproduktion in Leipzig: Demonstration gegen geplante Raketenfabrik der US-Firma Covenant“ (02.09.2026)
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