BMW hat im niederbayerischen Irlbach-Straßkirchen die Serienfertigung von Hochvoltbatterien aufgenommen und rund eine Milliarde Euro in das neue Werk investiert. Wegen der Nachfrage nach der Neuen Klasse fährt BMW die Fabrik schneller hoch als geplant und startet gleich im Zweischichtbetrieb. Die Rundzellen in den Batterien kauft der Konzern bei den chinesischen Herstellern CATL und EVE Energy.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenZweieinhalb Jahre nach dem Baubeginn eröffnete BMW das Batteriewerk zwischen Straubing und Deggendorf am 1. Oktober. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach bei der Feier von einem „Freudentag für Niederbayern“.
Das Wichtigste in Kürze
- BMW fertigt in Irlbach-Straßkirchen seit Oktober Hochvoltbatterien der sechsten Generation, zunächst für den i3 aus dem Werk München.
- Rund eine Milliarde Euro hat BMW in das Werk gesteckt. Wegen der hohen Nachfrage startet die Produktion direkt in zwei Schichten.
- Im Vollbetrieb sollen rund 1.600 Menschen dort arbeiten. Nach der Planung von 2023 wechseln rund 70 % davon aus anderen BMW-Werken.
- Die Batteriezellen liefern CATL und EVE Energy, laut Branchenberichten aus Werken in Ungarn.
Was baut BMW in Irlbach-Straßkirchen?

Irlbach-Straßkirchen ist ein Montagewerk. Auf zwei Linien setzen 500 Roboter zugekaufte Rundzellen direkt in das Batteriegehäuse, ohne den Umweg über Module. Die Produktionsfläche misst 50.000 Quadratmeter auf einem 60 Hektar großen Gelände. BMW überwacht je Batterie mehr als 3.500 Datenpunkte und prüft am Bandende jedes Exemplar vollständig.[1]
Den ersten Kunden hat das Werk im eigenen Konzern. Seit Oktober liefert Irlbach-Straßkirchen die Gen6-Batterie mit 108,7 Kilowattstunden für den i3 an das Werk München, später sollen weitere deutsche Fahrzeugwerke folgen.[1]
Auf der Status-Leiter einer Ansiedlung hat das Werk damit die letzte Stufe erreicht, den Produktionsstart. Im September 2023 stimmten in Straßkirchen mehr als 75 % der Abstimmenden bei einer Beteiligung von rund 77 % für das Projekt, im April 2024 begann der Bau, im März 2026 liefen die ersten Vorserienbatterien vom Band.[1] Offen bleibt der Vollbetrieb mit 1.600 Beschäftigten. Wie viele heute schon dort arbeiten, nannte BMW bei der Eröffnung nicht.
Woher kommen die Zellen für die Batterien?
Für die Rundzellen mit 46 Millimetern Durchmesser hat BMW zwei Lieferanten gewählt. CATL und EVE Energy errichten für BMW Zellfabriken in China und Europa. Branchenmedien zufolge stammen die Zellen für die europäischen BMW-Werke aus Ungarn. CATL hat im ungarischen Debrecen im September die Probeproduktion gestartet, wenige Kilometer vom BMW-Werk entfernt, das dort den iX3 baut.
Mit der Arbeitsteilung folgt BMW einem Muster der Branche: Die deutschen Hersteller montieren die Batterie meist selbst, die Zellen kaufen sie überwiegend bei asiatischen Spezialisten. Mercedes soll seine Rundzellen laut einem Bericht aus Südkorea ab 2028 von LG Energy Solution aus Polen beziehen. Volkswagen holt für sein Batteriewerk in Valencia den chinesischen Partner Gotion ins Boot. Wie knapp Zellen aus europäischen Fabriken sind, zeigte der Batterie-Engpass bei ACC, der bei Stellantis die E-Auto-Produktion in Sochaux und Rennes stoppen ließ.
BMW montiert in Niederbayern für eine Milliarde Euro Batterien, die Zellen darin kauft der Konzern bei CATL und EVE. Die Batteriefabrik steht in Bayern, die Zellfabrik nicht.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie viele neue Arbeitsplätze bringt das Werk der Region?
Die Region gewinnt weniger neue Stellen, als die Zahl 1.600 vermuten lässt. Nach der Planung von 2023 sollten rund 70 % der Belegschaft aus benachbarten BMW-Werken wechseln, vor allem aus dem 40 Kilometer entfernten Dingolfing. Neu eingestellt würden damit rechnerisch knapp 500 Menschen. Die rund 1.100 Versetzungen verschieben bestehende Arbeitsplätze innerhalb des Konzerns. Bereits bei der Investition in den neuen 3er Ende September nannte BMW für München und Dingolfing keine zusätzlichen Stellen.
Profitiert hat die regionale Bauwirtschaft. Alle Bauunternehmen kamen aus Deutschland, zwei Drittel davon aus Bayern. Von den Anlagenbauern stammten mehr als drei Viertel aus Deutschland und jeder dritte aus Bayern.[1] Für den laufenden Betrieb sucht BMW Fachkräfte für Elektro-Instandhaltung und Anlagenführung.[2] Elektrobetriebe und Dienstleister für Instandhaltung im Raum Straubing und Deggendorf sollten sich früh als Partner ins Gespräch bringen, denn das Werk läuft schon jetzt in zwei Schichten.
Für den Standort Deutschland bleibt ein gemischter Befund. Die Ansiedlung ist gelungen, mit klarem Bürgerentscheid und schnellerem Hochlauf als geplant. Die Zellen kauft BMW jedoch zu. Ein Stück Zellkompetenz entsteht trotzdem in der Region: Im 16 Kilometer entfernten Salching zerlegt Encory seit Dezember 2025 im Recyclingzentrum für BMW Produktionsabfälle mechanisch, ohne chemische oder thermische Aufbereitung.[1]
Quellen
[1] BMW Group: „Serienproduktion gestartet: BMW Group eröffnet Werk Irlbach-Straßkirchen“ (01.10.2026)
[2] BMW Group Karriere: „Werk Irlbach-Straßkirchen“ (abgerufen am 06.10.2026)
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