Das koreanische Fachportal The Elec berichtet von einem neuen Zellformat namens 46100, das LG Energy Solution für die nächste Generation der Mercedes-Elektroautos in Breslau fertigen will. Offiziell bestätigt haben LG und Mercedes den Auftrag bisher nicht. Mercedes schwenkt damit auf große Rundzellen der 46er-Serie ein, wie sie BMW bereits in der Neuen Klasse verbaut.

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46 Millimeter Durchmesser, 100 Millimeter Höhe: So groß wird die Rundzelle, die LG Energy Solution laut dem Bericht vom 2. Oktober auf einer eigenen Linie im Werk Breslau fertigen will, die ab 2027 entsteht. Zusätzlich passt der Zellhersteller eine Anlage im koreanischen Ochang an die polnische Linie an.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Linie in Breslau entsteht laut The Elec ab 2027, geliefert wird ab 2028.
  • Das Format 46100 ergänzt LGs 46er-Zellen 4680, 4695 und 46120.
  • Drei Lieferverträge seit Oktober 2024 umfassen zusammen 157,5 Gigawattstunden.
  • Für die geplante Made-in-EU-Regel zählen Zellen aus Breslau als europäisch.

Was steckt hinter dem Format 46100?

Vergleich zweier Akkus: links groß (46100), rechts klein (21700), dazwischen Holzschild
Die 46er-Zelle speichert über fünfmal mehr Energie als die 21700er-Zelle und reduziert durch ihre Größe Schweißpunkte, Montagezeit und Kosten. LGs Designansatz ohne Ableiterfahnen senkt den Innenwiderstand

Eine Zelle der 46er-Serie speichert laut The Elec mehr als fünfmal so viel Energie wie die verbreitete Rundzelle 21700.[1] Größere Zellen bedeuten weniger Schweißpunkte und Verbinder im Akku, was Montagezeit und Kosten spart. LG baut die Zelle ohne Ableiterfahnen, der Strom fließt über die ganze Kante der Elektrode ab. Mit dem kürzeren Stromweg sinkt der Innenwiderstand, und beim Schnellladen entsteht weniger Abwärme.

Über den Einbau entscheidet die Höhe. Rundzellen stehen aufrecht im Unterboden, ihre Länge bestimmt also, wie dick das Batteriepaket ausfällt. LG führt bereits die Längen 80, 95 und 120 Millimeter, die 95-Millimeter-Zelle geht an Rivian. Welche Baureihen von Mercedes die neue Zelle bekommen, lässt The Elec offen.

Warum kauft Mercedes bei so vielen Zellherstellern ein?

Mercedes verteilt seinen Bedarf an Zellen auf viele Lieferanten. Neben LG nennt das Fachportal electrive Samsung SDI, CATL, SK On und Farasis. Mit LG schloss der Konzern im Oktober 2024 einen Vertrag über 50,5 Gigawattstunden für Nordamerika, 2025 folgten 32 Gigawattstunden für Europa und 75 Gigawattstunden für die USA. Der vierte Vertrag vom Dezember 2025 umfasst 2,06 Billionen Won, nach damaligem Kurs rund 1,2 Milliarden Euro.[1]

Wie schnell ein eigenes Zellprojekt ins Stocken gerät, zeigt der Fall ACC. Am Gemeinschaftsunternehmen sind Mercedes, Stellantis und TotalEnergies beteiligt. ACC strich im Februar das geplante Werk in Kaiserslautern, und weil das französische Werk zu wenige Zellen liefert, stoppt Stellantis im Oktober die Produktion in Sochaux und Rennes.

BMW hat den Wechsel zu großen Rundzellen schon vollzogen. Die Neue Klasse fährt mit Zellen von 46 Millimetern Durchmesser in zwei Höhen, gefertigt von CATL und Eve Energy. BMW nannte dafür mehr als 20 Prozent höhere Energiedichte und bis zu 50 Prozent niedrigere Kosten für den gesamten Akku, jeweils gegenüber der fünften Generation.[2] Den Hochlauf belegen die 50.000 iX3 aus Debrecen in neun Monaten.

Rundzellen aus Breslau für Mercedes
Eckdaten des Liefervorhabens von LG Energy Solution laut The Elec
46 × 100 mm
Durchmesser und Höhe der neuen Rundzelle im Format 46100
über 5×
Energieinhalt einer 46er-Zelle im Vergleich zur verbreiteten Rundzelle 21700
2028
beginnen die Lieferungen, die Linie in Breslau entsteht ab 2027
157,5 GWh
umfassen drei Lieferverträge zwischen LG und Mercedes seit Oktober 2024

Was bedeutet das Werk in Polen für die Made-in-EU-Regel?

Für Mercedes zählt der Standort doppelt. Der geplante Industrial Accelerator Act der EU-Kommission knüpft Kaufprämien an Elektroautos, in deren Batterie die Zellen und zwei weitere Komponenten aus der EU stammen. Nach einer Studie im Auftrag des Herstellerverbands ACEA könnten 2028 rund drei Millionen E-Autos diese Vorgabe verfehlen, weil Zellen aus EU-Werken fehlen. Zellen aus Breslau zählen als europäisch, ebenso die aus dem CATL-Werk in Debrecen, zu dessen Kunden Mercedes zählen soll.

Die Zellfertigung selbst bleibt trotzdem in asiatischer Hand. In der Lieferantenliste von Mercedes taucht ein europäischer Zellhersteller nur mit ACC auf, alle übrigen stammen aus Korea oder China. Weltweit liefert CATL bereits zwei von fünf E-Auto-Batterien.

Mercedes kauft Made-in-EU-Zellen in Breslau ein, gebaut von einem Konzern aus Seoul. Die geplante Förderregel wäre damit erfüllt, Europas eigene Zellindustrie ginge trotzdem leer aus.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Fuhrparkleiter sollten bei Leasingangeboten für die nächste Generation nach Zellformat und Zellhersteller fragen, denn davon hängen Ladeleistung und Akku-Degradation ab. Für Zulieferer von Batteriegehäusen und Kühlplatten im DACH-Raum lohnt der Blick auf Konstruktionen für runde 46er-Zellen, zumal LG für Breslau eine eigene Modulmontage prüft.[1]

Quellen

[1] The Elec: „LG Energy Solution to Supply Tesla-Style Batteries to Mercedes-Benz EVs“ (2. Oktober 2026)

[2] BMW Group PressClub: „Die BMW Group setzt in der Neuen Klasse ab 2025 innovative BMW Batteriezellen im Rundformat ein“ (9. September 2022)

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