Renault-Chef François Provost stellt Frankreich mehr als 10 Milliarden Euro für Elektroautos in Aussicht, verteilt auf fünf Jahre. Gelten soll die Zusage nur, solange die politische und soziale Lage im Land mitspielt. Pro Jahr fiele die Summe zudem kleiner aus als in den fünf Jahren zuvor.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Die Renault-Investition soll vor allem in Elektroautos und günstigere Modelle fließen, sagte Provost am Samstag im Sender France Inter.[1] Den Vorbehalt lieferte der Konzernchef gleich mit: Renault investiere, „falls der soziale und politische Kontext das erlaubt“. Eine Aufteilung auf die Werke nannte Provost nicht, einen Beschluss des Verwaltungsrats gibt es noch nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Renault stellt für fünf Jahre mehr als 10 Milliarden Euro für Frankreich in Aussicht.
  • Die Zusage hängt an der politischen und sozialen Lage im Land.
  • Von Januar bis September waren 31,4 Prozent der neuen Pkw in Frankreich rein elektrisch.

Warum knüpft Renault die Milliarden an Bedingungen?

Ein Ladekabel mit Schild „Unter Vorbehalt“ und Schildkröte auf einem Briefumschlag vor Weiß
Renault beschäftigt 40 Prozent seiner Arbeitnehmer in Frankreich, erwirtschaftet dort aber nur ein Fünftel des Geschäfts. Ausweichstandorte sind Spanien, Rumänien, die Türkei und Marokko

In Frankreich arbeiten rund 40 Prozent der Renault-Beschäftigten, dort entsteht aber nur etwa ein Fünftel des Konzerngeschäfts. Provost begründete seine Vorsicht im Interview mit der wachsenden Staatsverschuldung und den steigenden Refinanzierungskosten des Landes.[1] Ausweichen könnte der Hersteller auf Werke in Spanien, Rumänien, der Türkei oder Marokko.

Die Milliardensumme wirkt zudem größer, als sie ist. Provost beziffert die Investitionen der vergangenen fünf Jahre in Frankreich auf 13 Milliarden Euro, im Schnitt 2,6 Milliarden pro Jahr. Die neue Zusage ergibt rund 2 Milliarden jährlich. Ein Grund liegt im bereits bezahlten Umbau: Die Elektroauto-Werke im nordfranzösischen Verbund ElectriCity, wo unter anderem der Renault 5 entsteht, stehen bereits. Die nächste Modellwelle baut auf der 800-Volt-Plattform RGEV Medium 2.0 auf. Mit ihr will Renault laut Strategieplan futuREady die Kosten gegenüber der heutigen E-Auto-Generation um 40 Prozent senken.[2]

Wie weit ist Frankreich beim Elektroauto?

Der französische Pkw-Markt wuchs im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 11,6 Prozent auf 156.629 Neuzulassungen. Von Januar bis September waren 387.345 der neuen Pkw reine Elektroautos, ein Anteil von 31,4 Prozent nach 18,3 Prozent im Vorjahreszeitraum, wie der Branchenverband PFA meldet.[3] Die Renault-Gruppe kam im September auf 25,6 Prozent des Gesamtmarkts. Bei den Elektroautos beansprucht Provost ebenfalls jedes vierte Fahrzeug für Renault.[1]

Die Fabriken sollen nachziehen: 2025 liefen in Frankreich rund 500.000 Renault-Fahrzeuge vom Band, 2026 sollen mindestens 625.000 folgen.[1] Wie anfällig der Hochlauf bleibt, zeigte zuletzt Stellantis: Der Konzern musste wegen fehlender Zellen die E-Auto-Produktion in Sochaux und Rennes unterbrechen.

Renaults Zusage an Frankreich
Investitionen, Produktion und E-Auto-Anteil im Vergleich
> 10 Mrd. €
stellt Renault für die nächsten fünf Jahre in Aussicht, unter politischem Vorbehalt
13 Mrd. €
investierte der Konzern in den fünf Jahren zuvor, rund 2,6 Milliarden pro Jahr
625.000
Fahrzeuge sollen 2026 in Frankreich vom Band laufen, ein Viertel mehr als 2025
31,4 %
der neuen Pkw in Frankreich fuhren von Januar bis September rein elektrisch

Was bedeutet die Zusage für Deutschland?

Investitionszusagen sind zum Standortargument geworden. BMW verband seine 2 Milliarden Euro für den neuen 3er mit konkreten Werken in Bayern, Renault nennt dagegen nur eine Summe und eine Bedingung. Den Rahmen setzt Brüssel: Der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments hat die Abstimmung über das Auto-Paket vertagt. An der geplanten Made-in-EU-Regel für Batteriezellen würden laut einer ACEA-Studie rund drei Millionen E-Autos scheitern.

Renault investiert in Frankreich künftig weniger pro Jahr und verlangt dafür auch noch politische Ruhe.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Für deutsche Zulieferer mit Renault-Aufträgen bleibt offen, in welchen Werken die Modelle auf der neuen Plattform entstehen. Rahmenverträge sollten deshalb Werkswechsel und Abrufmengen ausdrücklich regeln. Flottenmanager dürfen auf die günstigeren Elektroautos hoffen, die Provost ankündigt. Im selben Preissegment startet Volkswagen den ID. Polo für rund 25.000 Euro.

Quellen

[1] France Inter: „On n’arrête pas l’éco, avec le directeur général de Renault François Provost“ (3. Oktober 2026)

[2] Renault Group: „Renault Group launches futuREady opening a new strategic era“ (10. März 2026)

[3] PFA Plateforme automobile: „Le marché automobile français, septembre 2026“ (1. Oktober 2026)

Mehr Newshunger?

4,5 11 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?